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Jüdische Schulzeitung · 1926-02-15 · 2 (15.2.1926) · page 8

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (15.2.1926)
Date
1926-02-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdische Schulzeitung. Nummer 2 besserun g. d e r 'De r s o r g u n g s v e r h ä l t n i s s e der ostpreustischen jüdischen Beamtenschaft an, für die auch die staatliche Versorguiigsordnung als Ziel gesetzt ist. Ebenso verlangt ' die Kranke n wo r s i'ch c r u n g der jüdischen Beamtenschaft echc allgemeinere Durchführung. Der Verein beabsichtigt ferner, der Förderung einer zuverlässigen S ch e ch i t a in unserer Provinz seine Benitthnngen ziiznwenden. Hoffentlich werden die, allgemeinen Verhältnisse die günstige Durchführung all dieser dem gesamten Judentum» unserer Provinz zugute kommenden Bestrebungen bald möglich machen. — Hierauf hielt Rabbiner Dr. I a k o b o v i t s - Königsberg einen anregenden 'Vortrag über ,.S ch e ch i t a f r a g e n!" Der Vortragende legte die hohe religiöse und ethische Bedeutung der Schechita dar und fordert auch vom Kultusbeamten als Schächter eine ,stete theoretische und praktische Fortbildung in diesem heiligen Amte. — Die Versammlung stimmte diesen Ausführungen einmütig bei und beschlost, dem Vereinsvorstnnd die weitere Behandlung der Angelegenheit zu übertragen. Die weiteren Verhandlungen wurden in öffentlicher S i tz n n g fortgesetzt. — Prediger M a n n h e i m - Osterode referierte über: „Das Kind i n L i b e l unb tnlmiib u nd die moderne Erziehung der jüdischen I u g e n d." Der Referent führte aus: Die Reuzeit ist wieder auf den altjüdischen Standpunkt gelangt, dem Kinde und seiner Erziehung ein besonders Interesse zuzuwenden. In alter Zeit habe man der Jugend vor allem Thorageist, tiefes Gemütsleben. Hochachtung vor den Eltern, Mäßigkeit, strenge sittliche Zucht beizubringen und sie zur eifrigen Beteiligung am religiösen Leben anzuhalten gesucht. Die Lehrer besaßen das volle Vertrauen und die Verehrung der Jugend. Die Erziehung war durchweg auf religiöser Grundlage aufgebaut. Die Bewährung der Religion im Leben war das Hauptziel der Erziehung. Die Eltern lebten dies ihren Kindern vor und erleichterten ihnen dadurch die Treue und Hingebung an das Judentum. Heute fehlt dieses Vorbild religiösen Lebens bei vielen Eltern: darum >.e oft so geringe innere Beziehung unserer jüdischen Jugend zu unserem Judentum. Die Religionssrhule. die das Elternhaus in der religiösen Beziehung heute mehr als je zu ersetzen hat, hat dabei mit bedeutenden Schwierigkeit»;! zu kämpfen, die einmal in dem Widerspruch zwischen den theoretischen Lehren der Schule und der religiösen Praxis im Elternhaus und zum andern in der geringen Stundenzahl liegen, die. für den jüdischen Religionsunterricht zur Verfügung stehen. Die schlimmen Folgen machen sich im häufigen Abfall. Mischehen usw. bemerkbar und bedrohen den Bestand unseres Judentums in starker Weise. Um dem Religionsunterricht eine erhöhte Bedeutung für die Erziehung unserer jüdischen Kinder zu geben, bedarf es vor allem gebildeter, für den Unterricht besonders geeigneter Lehrerpersönlichkeiten..die den Kindern Achtung und Liebe für das Judentum einzuprägen vermögen. Unsere Ostpreustische Judcuheit sollte kein Mittel scheuen, solche Lehrer in alle unsere . Gemeinden zu bringen, damit der jüdische Geist überall gehoben und ein starker religiöser Sinn bei unserer Jugend geweckt . werde. — Hierauf sprach Lehrer A ns ch e l - Königsberg über: ..R e f o r m b e st r e b u n g e n i m hebräische n U e b e r * s e tz u n g s u n.terri ch tz" Er führte aus: Wer das Judentum voll und recht erfassen will, muh aus den Urquellen, den hebräischen Schriften, schöpfen können. Um im hebräischen Unterricht gute Erfolge erzielen zu können, must man die -Sprache methodisch und grammatisch betreiben. Mit dem alten mechanischen Uebersetzen kommen wir nicht recht vor- , wärts und vermögen auch kein tieferes Interesse für das Hebräische bei den Kindern zu erwecken. Eine wichtige Vorbedingung für den hebräischen Unterricht sei korrektes Lesen der Sprache. Als Endziel für die Religionsschule ist zu erstreben: Die Kenntnisse der Gebete, der hebräischen Bibel und einiger leichter rabbiuischer Texte. Redner besprach dann im weiteren die für den hebräischen Vorbereitungsunterricht in Betracht kommenden methodischen Schriften von I. B. Levy und , Fink. die. in ihrer Anlage verschieden, doch beide unter ge- , qebenen Verhältnissen und besonders bei genügend zur Ver- - füqunq stehenden Zeit, vorteilhaft verwendet werden können. Der hebräische Unterricht der Religionsschule wird aber immer, wenn er zu einem befriedigenden Erfolge führen soll, der privat e n acharbeit des Erwachsenen bedürfen. Der Vorsitzende referierte darauf über die neue S ch i e d sg e r i ch ts o rd n ung des O st p r e u st i f ch e n S y n a g o g e n o e r b a n d e s. Das Verbandsschiedsgericht soll fortan auf Anruf e i ner Partei in allen Streitigkeiten'zwischen jüdischen Organisationen Ostpreußens entscheiden. Es ist ein e r,stes Sch iedsge r ich \ mit Beisitzern, die für jeden Fall besonders von den Parteien ausgewählt werden und ein Oberschiedsgericht mit von den Parteien gewählten ständigen Beisitzern vorgesehen. Vorsitzender des ersten Schiedsgerichts ist der jeweilige Verbandsvorsteher. Der Vorsitzende des Oberschiedsgerichts wird von den Beisitzermitgliedern für jeden Fall besonders gewählt. Das Schiedsgericht hat außerdem noch die Aufgabe eines S ch l i ch t u n g s a usfch usfes zur gü tl i ch e n R e g e l u n g von Streitsachen auf Anruf einer Partei oder des Verbandsvorstehers. Für das t. Schiedsgericht ist eine Schiedsrichterliste aufzustellen aus Gewählten der Gemeinden, des Rordostdeutschen Rabbinerverbandes und des ostpreustijchen jüdischen Lehreroereins. Rach Erledigung noch einiger geschäftlicher Angelegenheiten schlost der Vorsitzende die aus allen Teilen der Provinz Ost- und Westpreustcns zahlreich besuchte Versammlung mit dem Wunsche, daß die Bestrebungen des Vereins auch weiterhin zur Förderung der gesamten Interessen unseres Judentums in Ostpreusten beitragen mögen. gez.: M a n n h e i m - Osterode. Schriftführer. ~ Literarisches. Anklagerede der Kgl. Aroßh. Staatsanwaltschaft in Luxemburg wiegen Bcleidigung der jüdischen Religion und ihrer Bekenner, mit einem Vorwort von Rechtsanwalt Foerder-Brrslau, Berlin 1U2f>, Philo-Verlag. Die hier neu herausgegebetie Rede ist zuerst!88ll erschietlen, es ist ein trauriges Zeichen, wie der neue Her' ausgeber im Vorwort mit Recht sagt, daß sie noch aktuell ist. Denn es verlohnt sich für den Laien und gewiß auch für den Juristen, hier nachzulesen, mit welcher großen Sachkenntnis der luxemburgische Staatsanwalt die Anklage wegen Beleidigung der jüdischen Religion und ihrer Bekenner vertrat. Er ist mit den Prozessen gut vertraut, die mau gegen die Sittenlehre des Judentums geführt hat, ist aber von dem mit Recht schmählichen Ausgang überzeugt. Er kennt das Verteidigilugsmaterial, das von katholischer, von evangelischer und auch von jüdischer Seite vorgebracht wurde. Er spricht mit Begeisterung von der im Judentum geforderten und gelehrten Nächstenliebe und rühmt das Buch von D. Hoffmann, Der Schulchan Aruch und die Rabbiner über das Verhältnis der Juden zu Andersgläubigen wegen seiner „siegreichen" Argumente. Es ist zu wünschen, daß die Schrift in die Hände derer kommt, die noch die alten Beschuldigungen vorzu ' tragen wagen, aber auch wir mögen zu ihm greifen und für seine Verbreitung sorgen. ' ' - Rabbiner Dr. A. Posner, Kiel. Bel der Schristlkilung tingeanitocnc Bücher. S. M ü l l e t : Jüdische Geschichte in Charakterbildern Largestellt. Fünfte verbesserte und vermehrte Auslage. Unter Mitwirkung von Vezirksrabbiner Dr.. Beermamr lHeilbromi). Mit IN Bildnissen. Stuttgart 1925. I. B. Metzler. E. Gut: Für unsere Jugend. Ern Unterhaltungsbuch für israelitnche Knaben und Mädchen. Dritter Band. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. Kollegen, werbt für die Verbreitung der „Jüdischen 5chulzeitung"! probenummern in beschränkter Zahl stehen bei der Schriftleiturrg zur Verfügung.

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