Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (15.2.1926)
- Date
- 1926-02-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Jüdische Schulzeitung. Nummer 2 allein finanzieller Art, die. fast noch mehr aus einer anders gearteten — vielleicht könnte man es mit reaktionär bezeichnen —- (Anstellung zu den Begriffen der „neuzeitlichen Bildung" herrühren. Diese Widerstände brachten es fertig, das; die Lehrerbildung Leute jenem Ideale des DLV. wohl näher gekommen ist, es aber noch lange nicht erreicht haben wird. Wie verlautet, soll die künftige Volksschullehrerbildnng wohl auf das Reifezeugnis einer deutschen höheren Lehranstalt aufbauen; dann aber über eine pädagogische Anstalt hochschulmäßiger Art in zwei Jahren zum Berufe vorbereiten. Gerade gegen diese Svnderanftalten hat der DLB. seine Stimme erhoben, weil er keine Sondcranstalten, sondern die bestehenden Hochschulen auch für die Vorbildung des Volksschnllehrers als die gegebenen an sieht. Auch die zweijährige Dauer der Vorbildung scheint ihm zu kurz bemessen. Trotz dieser von seinem ‘ Programm abweichenden Entwicklung hält der DLV. an seinem Programm fest. Er würde aber kurzsichtig handeln, würde 'er sich von der Mitarbeit bei der Ausgestaltung der neuen Anstalt zurückziehen. Im Gegenteil: er wird versuchen, in dein Nahmen der „Conzession" eine, mög- . licljft seinen Wünsch eil angepaßte, Ausgestaltung herbei- , zu führen. Darüber hinaus wird er aber nicht rasten, bis es ihm gelungen ist, daß seine Forderung — nicht an- ■ erkannt, ste ist von maßgebrüd-er Seite längst anerkannt —, sondern in der Praxis eine richtige Ausgestaltung erfahren habeii wird. lieber die künftige Lehrerbildung ist sich nun auch der Verband der jüdischen Lehrervereine bei seiner Tagung in Köln schlüssig geworden. Doch wie sonderbar nimmt cs sich aus, wenn man lesen muß, daß in einer diesbezüglichen Abstimmung über einen Programnipunkt gar keine Einigung erzielt werden konnte, daß sich vielmehr zwei gleichstarke Meinungen gegenüberstanden. Woher kam dieses überraschende Ergebnis? Es kam daher, daß die Art der Behandlung dieser Frage nicht den richtigen Weg ■ ein schlug. Abgesehen davon, daß schon die Leitung den von mir mit „nicht richtig" bczeichneten Weg einschlng, indem . sie drei Referenten über die Frage der Lehrerbildung sprechen ließ den Seminardirektor, den Volksschullehrer und den Kantor — und dadurch schon jeden Redner zwang, die geringfügigen Verschiedenheiten, die sich aus der Stellang des einzelnen Referenten ergaben, vorzukehren, ab- /-gesehen davon also hatte man vor allem vergessen, daß es ' sich um die Aufstellung eines Programmes handelte. Man verquickte miteinander Programm und praktische Ausgestaltung. So war man sich, um die größte Unklarheit - gleich zu nennen, nicht einmal darüber klar, welche Zeit eigentlich zur Ausbildung gefordert werden sollte! Rach meiner Meinung hätte so vorgegangcn werden . sollen. Die Prämisse zur Lehrerbildung des jüdischen Lehrers bildete der Satz des DLV.: „Die Volksschullehrer- ' bil'dung hat an den bestehenden Hochschulen zu erfolgen. Sie soll drei Jahre umfassen." Nun mußte der Referent m. E. an Hand der neuzeitlichen Erfordernisse aufzeigen, daß auch der^künftige jüdische Lehrer ein dreijähriges Universitätsstudium benötigt. Statt dessen wartete der Redner mit einem großen Bukett von Kenntnisforderungen auf, so daß sie nicht nnr bei vielen Lehrern, sondern auch bei den anwesenden Rabbinern ein gelindes Kopfschütteln hervorriesen. Wenn nun gar noch ein Referent über die Ausbildung der Kantoren sprach und sich dabei über die Kenntnisse der künftigen Kantoren verbreitete, so ist daraus ersichtlich, daß hier die große Linie völlig außer Acht ' gelassen war. „Die Ausbildung der.jüdischen Lehrer hat . an den deutschen Hochschulen zu erfolgen und hat ein dreijähriges Studium zu umfassen." Das hätte genug gesagt und wäre der Rahmen gewesen, in dem sich alle Redner zu bewegen hatten. Die Praktische Ausgestaltung wird keineswegs vom Lehrerverband, sondern von anderen Jnstanzcn bestimmt. Wenn dabei der Lehrerverband mit-, wirkt, sv soll er seine Ansichten mit aller Schärfe und Klarheit vertreten; er soll vor allem nicht ein zwei - o d e r dreijähriges Studium, sondern ein dreijähriges verlangen. Aber da der Lehrerverband auch gleichzeitig die praktische Ausgestaltung ins Auge faßte, so sei weiter gezeigt, wie er an Hand der Forderungen des DLV. - daß näm lich das Sticdium l. Pädagogik, 2. ein Hauptfach (Sprachen. Geschichte, Geographie, Mathematik, Naturwissenschaften), zu umfassen habe — (eine Forderungen hätte stellen müssen. Sie hätten lauten können: Das Studium habe zu umfassen 1. Pädagogik, 2. das Fach „Religion". So wäre kannc eine solche Verwirrung entstanden, wie es in der Tat durch die von den einzelnen Referenten verlangten Wissensgebiete der Fall war, da sie zu sehr ins Minntioie. gingen. Die erste Forderung lautete also: Pädagogik. Der jüdische Lehrer wird, mag er als Lehrer oder als Kultusbeamter oder als Kantor einmal tätig sein, iminer dabei unterrichten ncüssen. Infolgedessen muß das Fundament seiner Bildung, wie das des christlichen Lehrers die Pä-. dagogik sein. Ueber diesen Punkt dürfte es kaum eine Diskussion geben! Die zweite Forderung hieß: das Fach Religion. So wie der christliche Lehrer ein zweites Hanvtfach für sein Examen anzugeben hat und daneben noch einige Nebenfächer auswählt — wie es übrigens der Studierende jeder anderen Fakultät von jeher macht - so hat es auch der künftige jüdische Student der Pädagogik zu tun. Für ihn ist dieses zweite Hauvtfach „Religion". Und so wie jedes andere Hauptfach mehrere Abteilungen hat, so ist es auch bei diesen! Fach der Fall. Ob sich der Student in seinen! speziellen Studium mehr dem Fach des Lehrers oder dem des Knltusbeamten oderdem des Kantors hauptsächlich und welchen! er sich als Nebenfach zuwendetj das sei völlig seinem Ermessen und seiner Neigung anheimgestellt. Das Mindestmaß von Kenntnissen der Nebenfächer wird den praktischen Notwendigkeiten gerecht werden müssen. Ich habe die Ansicht, daß sich gegen diese Festlegung keine geteilten Lager gegenübergestanden hätten. Denn in diesem Nahmen ist für die Belange einer jeden der drei Nichtnngen Platz. Die Bedenken, ob der jüdische Lehrerstand den nötigen Nacliwuchs werde erhalten können, sind bei der Aufstellung eines Programnies irrelevant. Auch der DLV. wußte, daß bei dem Verlangen des Universitätsstudinms dieses Bedenken laut würde, und hat darum eine entsprechende wirtschaftliche Stellung des Lehrers verlangt. Auch darin sollte sich der jüdische Lehrerstand den DLV. zum Vorbild nehmen und den jüdischen Gemeinden zu rufen: „Videant consules!" 1 „Seht zu, daß Ihr' den nötigen Anreiz zur Ergreifung des für den Bestand des Judentnms so wichtigen Lehrerstandcs durch eine angemessene Existenzmöglichkeit schasst. Verschließt Ihr Euch'dieser Notwendigkeit, so wird die Schuld, die Ihr auf Euch ladet, nie mehr gut zu machen sein!" In diesem Zusammenhang sei ein Wort zu dem bekannten Vorhaben der Berliner Gemeinde, in einem bald einzurichtenden Lehrgänge jüdische Lehrer vorzw bereiten, gesagt. Jedem jüdischen Lehrer muß die Erhaltung des Judentums die wichtigste Aufgabe fein. Nun ist uns bekannt,-daß sehr.viele Stellen ohne Lehrer sind, und zwar, neben anderen Gründen, deshalb, weit die nötige Anzahl von Lehrkräften fehlt. Die Gefahr eines großen.Schadens für den Bestand des Judentums besteht also. Gewiß ohne Schuld der Lehrer; die Schuldigen sind