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Jüdische Schulzeitung · 1926-02-15 · 2 (15.2.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (15.2.1926)
Date
1926-02-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nummer 2 ' Jüdische S mlorcngcgäugcncn Bodenbesitz gelangte, uneingeschränktes Lob zollt. Damaschke unterläßt .esk alier-auch nicht, darauf hinznweisen, daß über Israel und Inda der Untergang , hereinbrach, weil das Volk seine sozialen Grundlagen verloren hatte. Er sieht die neuzeitlichen sozialen Zustände allerdings als nicht besser an, ebenso wie. der Heimgegangene Friedrich Naumann, der einer „Bodenreform-Andacht" zum Texte setzte das Wort Jesaias (5,8): „Wehe denen, «die ein Hans an das andere ziehen und einen ''Acker zum anderen bringen, bis daß kein Raum mehr da sei, daß sie allein das Land besitzen!" und der in dieser Andacht, nach Schilderung schreiender neuzeitlicher Zustände, ' da die einen in Palästen wohnen und prunken und prassen, und die andern hungern, und darben und nicht wissen, wo sie ihr Haupt hinbetten können," ausrief: „O komm, Jesaia, steige aus deiner steinernen Gruft und hilf uns, die wir jetzt leben, im Kampfe gegen das Unrecht!" . So' treffen sich der protestantische Theologe und Volksmann, der christliche Bodenreformer und Vorsitzende des „ständigen Beirats für Heimstüttenwesen" und der jüdische Gelehrte, wie die Strahlen der Sonne, wenn sie auf eine Linie fallen, in einem Brennpunkte, der da heißt: „Altbiblische Bodensatznng, altbiblischer Geist". Es lag und liegt eine tiefe Sehnsucht in dem Menschen nach dem Besitz von Grund und Boden und sei es nur eines kleinen Fleckchens Erde, das er bearbeiten und darauf er wohnen kann, und es hatte für mich etwas Rührendes, als im Sonuner 1924 die Straße, an der ich wähne, ein langer Zug'von ländlich aber festlich ge kleideten Männern und Frauen, Greisen und Kindern, mit großen und kleinen laubgeschmücktcn Wagen und den in ihren Klein- oder Schrebergärten selbstgezogenen Landesvrodukten entlang zogen nach dem Gelände der Festhalle, wo sich tausende auch ans anderen Stadtteilen und Vororten Frankfurts zu gleichem Ziel und ,Streben znsammenfanden: um Stimmung zu. machen für weitere Landüberlassung. . Diese Sehnsucht nach heimatlichem Boden oder vielmehr nach dem Boden der Urheimat hat auch ganze Teile unseres jüdischen Volkes ergriffen; sie streben nach einem Ziele, sie sprechen im Gegensatz zum deutschen Dichter: „Nach' Osten, nur nach Osten hin beflügle dich, mein Kiel!", sie trösten die Stammutter Rahel, deren Weinen in Rama aus dem Grabe herauskläng, als man ihre Kinder wegführte in ein fremdes Land, sie trösten sie mit dem Worte des Propheten: „Hemme dein Weinen und die Tränen deiner Augen; denn deine Kinder kehren wieder!" (Jer. 31,15 u. 1(5.) Und wenn sie wiederkehren — und darauf will Jacobus, der nur auf den letzten Blättern seines Buches -vom- Zionismus spricht, zUm Schluß hinaus'— dann - soll Moses Staatsplan, der allher nur ein Gesetzesgedauke /geblieben, in seiner ganzen Größe zur Verwirklichung konimen. Daß das jüdische Volk von hochkultivierten Völkern für den 'Aufbau seines Staates lernen dürfe,'liege .im- Sinne des Gesetzes, das ja selbst berichtet, wie dankbar Mose den Rat seines midjantischen Schwiegervaters Jethro in einer Frage des Rechtswesens angenommen und be- . folgt hat. - Jacobus schließt sein Buch mit den Worten: „Die Nacht des Galuth geht zu Ende. Wie aus einem schweren Traum erwachend, und doch wie. Träumende, erblicken wir Anfänge eines neuen Lebens , im Land der Väter. Gott führt sein Volk heimwärts. Aufatmend wird Israel und mit ^ihm alle Völker das Licht des neuen. Tages . schauen. Ein neuer Himmel wölbt sich über uns. Mit mlzeituug. <Leite 5 den Edlen aller Völker wandeln wir beglückt ans eint-r neuen Erde." Ich möchte am Ende meiner Ausführungen nur noch Hinweisen auf Jacobus' freimütiges Urteil über die Opfer, auf seine schöne Zeichnung der Sabbatidee, die an Nobelsche . Sabbatverherrlichung heranreicht, und — obwohl Jacobus den Talmudtraktat Baba kaum (85b ff.) zur Stelle (Lev. 24,1.7— 21) und die scharfsinnigen Erörterungen Ehanäncl b. Ehuschiels in Kairuwan nicht völlig ausgeschöpst hat - - auf seine Ausführungen über das jus talionis („Wieder- ' vergeltungsrecht"), die zu kennen die Pflicht jedes gebildeten Julden fein sollte. Ich möchte das an einem Beisviel illn' strieren. Vor Jahren übersandte mir ein protestantischer Pfarrer einen Brief, der eine scharfe Erwiderung ii:uf einen in einem Frankfurter Blatte auszugsweise veröffentlichten Vortrag von Rabb. Dr. Jakob Horovitz. über „Auge um Auge" zu meiner „Begutachtung" enthij.lt. - Diese Erwiderung sollte ebenfalls in einer hiesigen Tag! s- . zeitcing zum Abdruck gelangen. Meine Begutachtung fiel ' so aus, daß der Pfarrer die Streitaxt begrub und, wieder. - mir später persönlich sagte, seine NiÄ>erschrist dem Papier-'- korb überantwortete. .Zusammenfassend will ich noch folgendes bemerken: „Jacobus' Buch ist," wie Rabb. Dr. A. Posner als Kritiker schreibt, „mit wohltuender Liebe und Wärme geschrieben, stellt bekannte und weniger bekannte Dinge in/ solcher Schlichtheit und solchem Ernste zusammen, daß seine Lektüre, trotz einiger Ausstellungen, jedem zum Genuß und Nutzen werden kann; es sei daher angelegentlich empfohlen." Ich schließe mich diesem Urteil an, indem ich an ein Wort unserer Alten im Traktat Joma (72b) ' erinnere, allwo es heißt: „Die Krone des Königtums und die Krone des Priestertums find vergeben, aber die Krone der Thora ist noch da; wer nach ihr greift, kann sie erlangen, und wenn wir Schulmänner es erreichen, daß ' in Israel, wieder viele, insbesondere die uns anvertrante Jugend, nach dieser Krone greifen, sei es durch uu'er - Wort oder durch Hinweis auf die Lektüre jüdischer Werke, wie des vorliegenden, und hierdurch beitragen zur Aneignung jüdischen Wissens, dann wird in Erfüllung gehen das Wort des größten deutschen Dichters: „Israel ist das beharrlichste Volk der Erde; es ist, , es war, und es wird sein, um den Namen des Ewigen durch alle Zeiten. zu verherrlichen." (Goethe, Wilhelnc Meisters Wanderjahre, 2. Buch, 2. Kapitel.) Ein Nachwort zur Lehrerbil-ungsfrage«? Von Hauptlehrer U. Durlachcr, Heidelberg.. Der Deutsche Lehrer-Verein — d. i. die Großorganisation der.überwiegenden Zahl der Volksschullehrer - hat in seinem Programm die Lehrerbildungsfrage seinem Ideale gemäß mit etwa folgenden Sätzen so umgrenzt<- „Die Volksschullehrerbildung hat an den bestehenden Hoch" schulen zu erfolgen. Sie soll drei Jahre umfassen." Die Forderung nach Universitätsbildung ist bekanntlich keineswegs neu; schon seit vielen Jahren erstrebt der TLV. diesen Bildungsgang. Nun ist ihm sehr wohl bekannt, daß er auch heute noch, in der Zeit fortschreitender Entwicklung, große Widerstände zu überwinden haben wird, bis seinen Idealen entsprochen wird; Widerstände, die übrigens nicht *) Anmerkung der Schriftleitung: Obiger Artikel ging uns bald nach der Kölner Tagung zu; wir hatten ihn einstweilen zurückgestellt, weil wir erst die. Hauptreferate zum Abdruck bringen wollten. Wenn nun auch ein Teil der Ausführungen inzwischen durch die Ereignisse überholt ist. so betrachten wir doch die Eesamttendenz des Artikels cmmer noch als aktuell.

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