Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (15.2.1926)
- Date
- 1926-02-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 2 Jüdische Schulzeitung. leicht faßlicher Weise mit den grammatischen Schwierigtesten bekannt, die überwunden, vorausgesetzt sein müssen, wenn der Hauptinhalt des hebräischen Unterrichts gegeben werden soll-. Jedenfalls ist das Kind, wenn die Schaare Thora gut durchgearbeitet ist, im Stande, neue Wörter in ihre Bestandtteile zu zerlegen und in ihrer Form zu erkennen, Bor- und Nachsilben selbständig abzutrennen. Es beherrscht das Nötigste von Verb und Pronomen, es kann . selbst ähnliche Formen bilden. Es würde zu weit führen, hier ans alles einzugehen; .doch ist noch zu erwähnen, daß der Stofs in äußerst geschickter Weise zusanunengestellt und dabei das Religiöse durchaus gewahrt ist. Es wechseln kleine (Gedichte mit Prosastücken allgemeinen das Kind sehr interessierendep Inhalts; es sind biblische Stoffe ausgewählt und ferner Gebetsteile.in erleichterter Form. Jeder Lektion ist eine Uebung beigegeben, die sich für den Spreche und Schreibunterricht sehr eignet, die der Lehrer auch zum Rückübersetze» benutze» faim. Wenn neben der Quadratschrift in vereinfachten Formen die Kursivschrift erlernt werden soll, so muß es in dieser .Klasse ge scheheu. Fast möchte ich noch eine der hebräischen ähnliche deutsche Uebung in dem Buch finden, die der Hausaufgabe zu Nutzen käme und die das Werk der übrigen alt- und neusprachlichen Büchern völlig assimilieren würde. Den jcnigen, die fürchten, daß der Unterricht im Gebet zu spät ein setze; sei noch gesagt, daß ein Vertrautwerden mit der Tefillah doch schon zu ermöglichen ist, indem man die in Betracht kommenden Gebete mit den Kindern anfschlägt und liest; sie erkennen schon an einzelnen Formen und Worten den Inhalt, man bespricht ihn auch, ohne Uebersetzung zu verlangen. Im Lesen wird auf diese Weise Geläufigkeit erzielt, und die Kinder stehen — wenn man bis Pfingsten oder Herbst des vierten Schuljahres die Schaare Thora durchgearbeitet hat, den häuslichen Gebeten, die in diesem Jahre erarbeitet werden sollen, nicht mehr fremd gegenüber. Daß man in der bisherigen Weise sortsährt, an den Gebetsstoff grammatische,'sowohl mündliche als schriftliche Ucbungen anschließt, ist selbstverständlich, da ich mir einen erfolgreichen Unterricht ohne Schrift- Übung ' - die Schriftart ist gleichgültig —- nicht denken kann. Jcl>> betrachtete es als meine Aufgabe, hier mehr über die Form des hebräischen Unterrichts in der Grundschule zu sprechen und gehe daraum auf den Stoff des vierten Jahres — ich erwähnte schon kurz, daß er häusliche Gebete umsaßt — nicht, näher ein. Es wäre allerdings zu erörtern, vb neben dem Gebetsstoff nicht auch schon eine kleine leichte — durch die Schaare Thora ja -schon vorbereitete, — Auswahl aus dein Chumisch treten dürfte. Ich bin zu Ende mit meinen Ansführungen und möchte zum Schluß nur noch einmal zusammenfafsen: Wir hatten früher im Religionsunterricht der Unterstufe Darbietung und Wiedergabe, in der Erläuterung und Vertiefung hauptsächlich Verständuisfragen; wir hatten Stoffmengen; es wurden bei Nichtkönnen häufig unschöne Strafmittel angewandt. Das Resultat: Die Religionsstunde war von vielen gefürchtet. Wir haben heute: Pflege der religiösen-Anlage durch'Heranziehen aus sich selbst herauswirkender Stoffe, die die Sehnsucht nach dem Erleben des Göttlichen erwecken sollen. Irgendwo bei Förster heißt es: Inspiration und Uebung oder: Große Ideale und praktisches Anlernen. Dieses weckt den religiösen Tatwillen im Kinde, jenes bringt ihm das in ihm schlummernde Göttliche' zum Bewußtsein. Und darum als Wunsch für unseren Unterricht einem Eigner des Göttlichen das Endwort: Ganz leise spricht ein Gott in unserer Brust, ganz leise, doch vernehmlich zeigt uns an, was zu ergreifen ist, und was zu fliehn! „Der Gvttesslaal".*) Von Dr. David Hartmann. Philanthropin, Frankfurt a. M. „Ums Jahr 13 — 1500 vor unserer Zeitrechnung, also etwa 900 Jahre früher als Solon in Athen, mehr als 1100 Jahre früher als Licinius in Rom ihre Grundsätze zun? Siege führten, finden wir in Israel jene ge wattige, durch die Zeiten ragende Gestalt, auf die alle Einrichtungen und Gesetze des jüdischen Volkslebens zurückgeführt werden: Mose. Die ägyptische Kultur zur Zeit Moses war etwa so alt wie heute die Kultur des deutschen Volkes. Die Pyramiden, auf denen die Augen Moses ruhten, standen in jenen Tagen schon mehr-als 1000 Jahre, und die Weisheit, die in den Pricsterfchulen von Theben gelehrt wurde, stand (trotz mancher Auswüchse der Priestcrkaste) in hoher Blüte" - (Damaschke); aber sie . wurde überragt und überschattet von dem, was der große Meister in eines Höheren Auftrag dem Volke Israel gab: von dem, was Jacobns den „Gottesstaat" nennt, den Staat, in dein Gott als König walten und in dem des Volk, dem mosaischen Gesetze gemäß und der mosaischen. Verfassung getreu, leben sollte. Mit einer religiösen Glut, die nur im Herzen eines innerlich überzeugten Mannes zu lodern vermag, zeichnet Adolf Jacobns in seinem Buche, an der Hand des Pentateuchs, einen Gottesstaat, in dem, existierte er irgendwo, es eine Lnst wäre zu leben. Nachdem er in der, in mehr als einer Hinsicht interessanten Einleitung und im erst:n Kapitel seines Buches einen Niederschlag seiner positiv, n religiösen Anschauung gegeben, spricht er im zweiten Kapitel,. betitelt „die Theokratie", zunächst eingehend uou der Gesellschaftsschicht, die für das Wohl und Wehe, eines Staatsgebildes von ausschlaggebender Bedeutung fein kann: von Priestern und Priestertum. Ich will mich, des mir zur Verfügung stehenden Raumes wegen, nur mit biefeiu Punkte und den Kapiteln „der Kult des einen Gottes" und „die volkswirtschaftlichen Fragen" beschäftigen. - , . Mose, der am prunkvollen Pharaonenhofe im Glanze königlicher Prinzen und in der Weisheit der Pricste. schicker', erzogen wurde, er hatte genug von dem liebergewicht der reichen und einflußmächtigen ägyptischen Priesterkaste gesehen, der der schönste und beste Teil des gesamten Ackerlandes, etwa ein Drittel des ganzen Bodenbesitzes, gehörte, und der, un? nur ein Beispiel anznsühren, der Pharao Ramses III., den die 0)riechen Rhampfinit nannten, außer sonstigen Zuweisungen an die Tempel, eine ans Fabelhafte grenzende Menge von Ortschaften, Sklaven, Vieh, Ackerland, Weingärten und goldenen und silbernen Götterbildern schenkte, während die Leibeigenen der Krone hungerten und ihren Lebensunterhalt oft durch Arbeitseinstellung und Maffenvorstellnngen bei den Behörden erzwingen mußteri. Reichtum aber ist Macht, namentlich, wenn ec geschickt benutzt wird, und das verstanden die ägyptischen Priester; sie verstanden es, die Krone ihren Zwecken dienstbar zu machen und ihren Einfluß in allen Staatsangelegenheiten zu ihrem Nutz' und Frommen in die Wagschale zu . werfen. Wohl wußte Mose, daß Gott als König feines Volkes Israel irdische Diener haben müsse, die in seinem Namen geheiligten Priesterdienst zu vollziehen hätten. Aber es ist, als ob er nicht nur durch Rückschau ans Aegypten, sondern auch in weiser Vorschau ans spätere Jahrhunderte geschaut habe, daß die Heiligkeit eines Priesterstandes, der mit großem Besitz ausgestattet . *) Dr. Adolf Jacobns: Der Eottesstaal. Berlin, E. 'A- Schwetfchke Sc Sohn. *