Mannheim
Compact Memory

Jüdische Schulzeitung · 1926-02-15 · 2 (15.2.1926) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (15.2.1926)
Date
1926-02-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2825247-2825294-2825296--0043-2825614
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Jüdische Schulzeituug. .Kummer 2 gehört viel Takt und Beredsamkeit dazu, den 8jährigen Schülern Bibelstücke zu /erzählendie im Buche alle beginnen: Die Kinder Israels täten wieder, was böse in den Augen Gottes ist. Vielleicht ist es nicht verfrüht, hier schon einmal die Schüler auf die Eigenart der Bibel aufmerksam zu machen, die die Menschen schildert wie sie sind, mit ihren Tugenden und Fehlern, während man doch ans Märchen und vielen anderen Erzählungen an: „Hie Gut — da Böse" gewohnt ist. — Mancher Anschlußstoff findet sich im jüdischen Lesebuch vou Deutschländer, das in unserer Schule — allerdings erst in den Oderklassen benutzt wird. Aber man kann ja'vorlesen oder erzählen. Ich nenne nur: Der Sabbatengel (im Anschluß an das vierte Gebot) von Kuttner, Moses im Himmel (aus dem Midrasch), der Wanderer und der Baum in der Wüste, einen Stoff, den man natürlich in einfacheren Worten geben muß. An weltlichem Anschlußstoff finden sich Vergleiche: Der Fall von Jerichos Mauern: Gott kann Mauern stürzen; dazu: Die sonderbare Mauer: Gott kann Mauern bauen; der Mann im Mond (wieder zum Sabbatgebot), und manches andere. Viel Anregung gibt ein kürzlich in den Blättern für Erziehung und Unterricht erschienener Artikel von Bertha Sachs. Neben den biblischen Ereignissen geht ein ungeheuer großer Stoff für Erziehung und Belehrung. Welche Fülle von Gesprächen bieten allein die zehn Gebote, die wir zum Teil wohl noch in verkürzter Form lernen lassen wollen. Das 5., 6., 8., 9., sie können den Kindern besonders nahe gebracht werden. Wieviel können sie da wieder aus sich selbst bringen! Wie kann da — beim 8. die Zeitung helfen — Denn 9. der häßlichen Klatschsucht ein bißchen der Garaus gemacht werden. Biblische Belege suchen und finden wir auch genug. Wieder kann man Förster nennen, dessen Lebenskunde, an sich für reifere Schüler gedacht, doch schon für diese Stufe manches bietet. Auf die Feiertage können wir natürlich weit mehr eingehen als bisher, besonders dürste das bis jetzt etwas vernachlässigte Schowuausfeist Berücksichtigung finden; man kann schon vom Omer« sprechen, man kann vor Pessach die Hagada mitbringen,. daraus lesen und sie illustrieren. Man schreibt Rauschha schonoh Briese und lernt Chanukkahgedichte und macht freiwillig Niederschriften über beides. All das kann außerf halb des eigentlichen Religionsunterrichtes geschehen, ebenso wie die Anfertigung von Chanukkahbildern und -geschenken. Wo könnten wir eher die Brücke zwischen Elternhaus und Schule schlagen? Berücksichtigten wir im dritten Schuljahr gewiß die .Gesamtereignisse, so standen im Vordergrund doch noch immer die führenden Personen, denen das Kind die Hauptaufmerksamkeit widmete. Im vierten Schuljahr ist es gereift genug, die politische Entwicklung seines Volkes zu erfassen. Unsere Schüler wissen heute so viel von Volksstaat, Wahl, Volk, Präsident, daß wir das alles zum Vergleich heranholen können, wenn wir die Entstehung des.Königtums besprechen. Eine gar nicht besonders begabte Schülerin des vierten Schuljahres sagte mir vor zwei Jahren, als ich von Saul erzählte: dann war also das Land Israel vorher eine Republik. Es traf ja nicht ganz das Schwarze, doch dursten wir's von den Neun- und Zehnjährigen wohl annehmen. Als ich dann noch das Wort Republik mit Hilfe des bekannteren Begriffs :Publikum erläuterte, war die Freude am Selbstgefundenen noch größer. Der Gefchichtslehrplan des vierten Schuljahres gibt auch ausreichend Stoff zu Vergleichen. Handelt cs sich doch auch da um die Entwicklung eines Naturvolkes zum Kulturvolk. Die Charakterisierung, die Verurteilung der Persönlichkeiten bleibt wie vorher. Davids Sünde und Reue: Welche Gelegenheit zur Wiederholung. der Gebote! Dann später die gewaltige Eliasgeschichtc; nach Mose wohl die den Kindern am größten erscheinende ' Persönlichkeit. An Ethischem finden wir also genug; da- ' gegen lassen sich Gesetze und Gebräuche nicht mehr aus dem biblischen Stoss ableiten. Ihnen müssen wir darum besondere Stunden zukvmmen lassen, soweit sie nicht aus. dem hebräischen Unterricht heraus entwickelt werden können. Für den Stoff des vierten Schuljahres finden wir auch zur Illustration und Erläuterung passende Bilder und Kunstwerke, die auf dieser Stufe wirklich mit Nutzen angewandt werden können, ebenso wie der Projektionsapparat. Das jüdische Lesebuch bietet wieder Möglichkeiten. Ich nenne Saul bei der Hexe von Endor von Münchhausen (nur zum Vorlesen). Einiges aus den Sprüchen Salomos in der Nachdichtung von Klausner, Jerusalem von Trietsch, Maasser bezahlen von Fitger u. a. Das Manuelle läßt sich in ähnlicher Weise anschließen wie im dritten Schuljahr, bedarf also wohl keiner besonderen Belegung und Erläuterung durch Beispiele. Für Aufsatz, Niederschrift und gemeinsam zu erarbeitendes Diktat bietet der ^Religionsunterricht genügend Stoff, vor allem das Besprechen der Feste, doch nur keine langweilige Wiedergabe, sondern ein packender Gesichtspunkt, z. B. wie wir eine Laubhütte bauten oder sahen. Was unser Chanukkahleuchter erzählt. . Aber.das gehört ja schon zum Aufsatzunterricht. Das Hebräische: Das dritte Schuljahr der Grundschule ist wohl für die gesinngemäße Erlernung des He bräischcjn das Bedeutendste, d. h. soweit man die so überaus wichtige Vorstufe zum hebräischen Uebersetzunqsunterricht mr notwendig hält. Ich weiß, daß man leider noch an vielen Schulen von der Fibel sofort zum Gebet buch übergeht. Meine Meinung darüber soll nur folgender Satz ausdrücken: Wie wäre es, wenn man im französischen Unterricht nach dem phonetischen Vorkursus, der das Lesen ermöglicht, sofort zur Übersetzung Racinescher Werke überginge, vorn Stoff dabei abgesehen? Nein, da muß ein Uebergang sein. Den Gedanken daran verwirklichen wohl anr besten die Tesillah kezara von Abraham und die Schaare Thora von Lcvy. Die erste in ihrem logischen Aufbau' uud auch zürn Teil ihrer Stofsauswahl würde den Zweck ganz erfüllen, wenn noch einige kindertümliche Stoffe hinzu kämen. Die fehlen mir sehr und sind bei den Achtjährigen wohl notwendig zur Erlernung der Fremdsprache. Vielleicht folgt der schon angekündigten Fibel auch eine Neuauflage der Tefillah kezara. Schon vorhanden sind diese kindertümlichen Stoffe in der Schaare Thora von Lcvy, — auch unser lieber Kollege Reinhardt-Köln ist an ihrem Entstehen in ihrer neuen Form beteiligt. Ein solches Buch ist unbedingt erforderlich. Schreitet etwa das Gebetbuch — dem in allen andern Fächern gültigen Satz gemäß — vom Leichten zum Schweren vorwärts? Der Inhalt der in Betracht kommenden Gebete wäre vielleicht — vielleicht! auch schon den Kindern des dritten Schuljahres nahe zu bringen. Wie aber steht es mit grammatischem Aufbau? Soll man die Grammatikmengen, die sich ausdrängen, etwa ans einmal bewältigen? Soll man sie garnicht berücksichtigen und hübsch sinnlos vor- und nachübersetzen? Wo bleibt da der arme Arbeitsunterricht? Nein, der hebräische Unterricht ist Sprachunterricht und bleibt Sprachunterricht und der übrige Sprache unterricht unserer deutschen Schulen war schon Arbeits unterricht, ehe man dieses Schlagwort so oft anwandtc nämlich 1. Logik durch den grammatischen Unterricht 2. G e m ü t s b i l d un g durch den brauchbaren Inhalt. 3. Kindertümlichkeit durch die Auswahl der ersten Lehrbücher. Die Schaare Thora macht die Schüler in f i WWWWHWW8DKßWNMWWMWUH!WMMM»».WM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.