Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (15.2.1926)
- Date
- 1926-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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2. Jahrgang Nummer 2 Monalsschrisi für Pädagogik und Schulpolilik HeranSgegebe» vom verbände der jüdische» Lehrervereine in» Deutsche» Reiche" Die „Jüdische Schul,^'ilunlV erscheint am 15. jj einesjedenMuiiulsuudwildallen Mitgliedern «!' der dem „Verband derjüdischen Lehrervereine l| im Deutschen Reiche" angeschlossenen Vereine!! kostenlos zngestellt. - Post-Bezugspreis für f Nicht Mitglieder: Alk. 1.20 pro Quartal. Ji Hanrbura, 15. Februar 11>20 Druck, Verlag und Geschäftsstellen M. Letz manu, Hamburg, ABC-Stratze 57. Fernsprecher: Elbe 7010, 7011, Vulkan 8I5HO. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: M. S t e i n h a r d t - Magdeburg, für den Inseratenteil: E. L o os, Hamburg. Anzeigenpreis 40 Z für die «gespaltene Nonpareille-Zeile. I n halt dies e r 4k ll nr m e r: Der Arbcitsschulgedanke im Religionsunterricht der Grundschule, non Cilly Marz-, Köln (Schlntz). Der (vottesstaat, non Dr. David Hartmann, Frankfurt n. M. Ein Nachwort zur Lehrcrbildungsfrage, non Hanptlelirer Dnrtacher, Heidelberg. Ansprachen beim Iugcudgottesdienst (! Bescheiden!,eit) von Rabbiner Dr. Gvtt schal k, Berlin. Vereiusbcrichte. Literarisches. Eingegangene Bücher. Der Arbeilsschulgedanke im Religionsunterricht der Grundschule. .Referat gehalten auf der jüdischer/ Lehrertagung, -Köln,. Pfingsten 1925, von Cilly Marx, Köln. - (Schluß.) Die Kinder des dritten Schuljahres sind geistig schon sehr weit gereist, sie haben schon mehr Gefühl für ursächliche Zusammenhänge; sie begreifen schon leichter das Werden und' Wachsen des jüdischen Volkes. Wir dürfen ihnen ruhig den Unterschied klar machen zwischen dem Wollen und Handeln der einzelnen Personen, von denen wir ihnen bisher sprachen und dem Gemeinsamkeitsgefühl des in Aegyptep im Leid zusammengeschmiedeten Volkes. Da stehen sie stantlend vor dem riesenhaften Wachsturn, das mit der Familie Jakobs vorgegangen ist. Eine völlige Klarheit ist noch nicht da, doch sind sie ja auch heimatkundlich weit genug gebildet, ltin dem Begriff. Volk doch 'in etwas zu ermessen, um ein leises Verstehen-- für staatliche Institutionen, Herrscher uiib Untertan, Unterdrücker und Unterdrückten aufzubringen. Es ist also wohl an der Zeit, mit der Geschichte Israels zu beginnen. Und doch ist das Bedürfnis des Kindes nach Heldentum, nach einem einzelnen Heros, nach dem Vorbild immer noch größer . als nach den Erlebnissen Her Blasse. Und bindern wird die Mosesgeschichte und die Geschichte der Richter, die auch zum Stoff des dritten Jahres gehört, gerecht. .Hier haben wir Geschichte und Geschichten, die Volksmenge geführt von dem' gewaltigen .Heros. Der Anfang der Mvsesgeschicbte bildet den natürlichen Uebergang von den einfach ausgebauten Stoffen der Familiengeschichten zu der gewaltigen Volkstragödie. Die Kritik seitens der Kinder wird schärfer, ihr Urteil, ihre Wertung treffender. Sie .lesen selbst. Sie suchen: Hat. der Lehrer viel hiuzngetan? Hat er nichts vergesseic? Sie sind gern bereit, zum Ende der Stunde den Gedankengang des Bibelstücks herauszusinden, ohne daß dlcrch eine allzuscharfe Systematisierung der Gcsamteindruck zerstört wird. Im dritten Schuljachr kann das Kind auch schon Verhältnisse und Einrichtungen jener Zeiten und Länder begreifen. Es kann in gewissem Maße übertragen. Es kann Vergleiche mit ' der'Jetztzeit«ziehen. Hier würde wohl also die manuelle Betätigunghier würde auch schon bas fertige Bild Platz finden. Hier, würden — Konzentration ist nun einmal das Wichtigste — andere Fächer dem Religionsunterricht nutzbar gemacht werden.; ich denke vor allem an. Deutsch und. Zeichnen; im vierten Jahr können schon in der Ge- - schrchtsstiinde Vergleiche gezogen werden nsw. Znm Klarerwerden vielleicht ein Beispiel. Wir besprachen die Wüsten- ~ Wanderung. Früher hat nur das Wort des Lehrers ge- , wirkt, wir überließen es der Phantasie des Kindes, sich, die Wüste jedes in seiner eigenen Weise vorzustellen, ohne, daß wir ganz unterließen, das Wort Wüste dem KirDe näher zu bringen. Heute würde das -8- und 9jährige unbefriedigt sein, wenn es da nicht sehen oder schassen dürste. Wir haben ja den Sandkasten. 'Run die Felsen hine n '/ ans Ton — Felsen haben wir in den 2^ Jahren scheu, in Wirklichkeit oder in einem Schulpark — in Köln gibt's so etwas — gesehen. Ein paar ganz Geschickte machen itarf) einem Holzmodellchen oder ans dem Gedächtnis (Zoo) die Kamele. Die andern schassen die Laste t, wieder andere formen Palmstämme und befestigen die. aus Papier geschnittenen oder -gerissenen Blätter daran. Eine Quelle haben wir im Park — wie sind doch die Landkinder bevorzugt! — gesehen. Aus Ton werden die Zelte hergestellt, und wir haben das schönste Wüstenunb Oasenbild. Kommen wir dann nach vier Jahren in die Oberklasse und lernen außereuropäische Erdteile, so ist uns . die Oase schon bekannt. Die Sache war nur ein Weilchen unter.die Bewußtseinsschwelle gesunken. Nun ist sie wieder da und uns fast so geläufig wie die Gesteinsschichten, wie Sumpf imb- Moor unb Heide unserer engeren Heinrat. Man könnte vielleicht einwenden, die Kinder seien nicht imstande, sich das kleine Bild ins Große zu übertragen. , Ich glaube doch.^.Vor atletzr^ sie^ haben es plastisch vor / sich, während' dem Papierbila doch stet^-has Greifbare' abgeht. Ganz fehlen soll es nicht, aber gerade bei fernliegenden Gegenständen ^dürste es erst in zweiter Linie kommen. Wenn wir darkn als Hausaufgabe oder in der Zeichenstunde noch einmal das Wüstcnbild mit leuchtend - blauenl Himmel, mit gelbem Sand und weißen Zelten, mit seinen Palmen und Quellen Herstellen, so glaube ich doch än ein Nacherlebnis. In ähnlicher Weise ließe sich vorher auch einmal 'eine 'Nillandschaft darstetten, wenn man das darin liegende allz.n Fremdartige den Schülern nicht noch vorenthalten will. Für zu verfrüht hatte ich es nicht, denn im Deutsch und Heimatkundenunterricht müssen - sich die Kinder des dritten Schuljahres ja auch schon mit allerlei Begriffen befassen, die nicht mehr so ganz nah.e-/^ liegend und greifbar sind. Wenn wir Gelegenheit haben, ~ den Kleinen einen Teich, einen- Bach- oder Flußlaus mit hohem Schilf zu zeigen, so mögen wir auch einmal die Geschichte von Moses Geburt im Freien erzählen. Das.- Hineinversetzen fällt gewiß leichter. Es wäre auch ratsam,-' wenn die Schulen die kleinen, jetzt vielfach ausgestellten . Baukästen anschafsten, die Anschauung von Gebäuden und Landschaft all dieser Länder ermöglichen. Auch der Projektionsapparat finde Anwendung.' Der zweite Teil des dritten Jahres vermittelt die Kenntnis der Richterzeit. Es