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Jüdische Schulzeitung · 1926-01-15 · 1 (15.1.1926) · page 9

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
2 (1926)
Issue
1 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung. ..Seite 7 besonders gut., Ihr habt ju noch nichts geleistet, denn ihr konntet noch nichts leisten, ihr habt von Gott und euren Eltern nnoemststinczen, aber ihnen nichts geben können; und ihr solltet nicht täglich, ja stündlich von dem Gefühle lebhaften Dankes durchdrungen sein? Dankgefnhl gegen Gott, liebe Kinder, wird uns in unserer Religion immer wieder und wieder eingeschärst. Für eine wohlschmeckende Frucht, eine Speise, einen erfrischenden Trunk, ein neues Gewand, ein frohes Fest solleil wir immer llilsern Dallk p erkennen geben. Wer aber gegen Gott dankbar ist, wird es and) gegen Menschen sein. Und an wen denke ich hierbei vor allem? An eure Eltern. Aber es scheint mir, als brauchte ich hiei> bei gar nicht viel Worte zu machen. Ihr könntet es wir sogar übel nehmen, wenn ich euch erst uns etwas Hinweisen wollte, was selbstverständlich ist. Da hättet ihr recht. Was kann das für ein Kind sein, dem man erst sagen müßte: sei dankbar gegen deine Eltern! Und dabei könnt ihr euren Eltern niemals völlig vergelten, was ihr ihnen an Mühe und Arbeit, Sorgen und Kosten verursacht. Wenn ihr noch junge Geschwister habt, wenn ihr seht, daß sie fast jeden Augenblick die Hilfe der Eltern in Ailsprnch nehmen, dann denkt daran, daß auch ihr so schwach' und hilflos wart, daß ihr ebenso mühevoll gepflegt nub gehegt werden mußtet. Doch welches ist der Dank, den eure Eltern von euch erwarteil? Doch nicht etlva der, daß ihr die Kosteil, die eure Pflege und Erziehung verursacht habt, ihneil ersetzen sollt. Nein, die schönste und beste Dankbarkeit besteht darin: daß ihr ihnen Ehre und Freude machet, daß Frömnligkeit und Fleiß, Anstand nild Bescheidenheit euch zieren. „Eiil weiser Sohn erfreut den Vater, ein törichter ist ein Gram für die Mutter, steht im Buch der Sprüche Salonlos." Aber ilicht nur den Eltern, auch den Lehrern sollt ihr Dallk erzeigell. Sie bilden eure geistigen Fähigkeiten aus und pflegen sie. Nicht viele von euch versteheil, welch ein schweres Amt der Lehrer hat, ilicht viele bedenken, daß sie das schivere Amt des Lehrers ilvch schiverer machen. Bei dem einen hat er gegen die schwachen Anlagen, bei dem andern mit Schlaffheit des Geistes und Unlust zur Arbeit, bei einem dritten mit absichtlichem Widel'strcben, bei einem vierten mit Unordnung und Unsanberkeit, bei einem fünften mit Lngen- Hastigkeit und Unredlichkeit zil kämpfen. Und doch will er and) den Schwachen fördern, den Unvl-dentlichen zllr Pünktlichkeit und Ordnungsliebe gewöhnen und überhaupt schlechte Angewohnheiten mit der Wurzel vertilgen. Das erfordert viel Arbeit, viel Ausdauer, viel Geduld. Liebe Kinder, zu den dankbarsten Menschen gehört das Ehepaar Montefiore, Moses nild Judith. Sie waren sehr reiche nub, wie ihr vielleicht schon hörtet, sehr wohltätige Menscheil. Der Wahlsprnch des Mannes lalltet: „Deuke und danke", der Wvhlsprnch der Frau: „Danke Gott und sei zufrieden." Möchten das allezeit, liebe Kinder, auch eure Wahlsprüche sein! ' Amen. Vereinsberichle. Wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. In der Sitzung vom 8. September 1925 sprach Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn über: „Bild und Sinnbild in der Biblischen Geschichte". Indem der Vortragende von der p ä d a g o g i s ch e n Bedeutung des Themas ausging, behandelte er zunächst die Bedeutung des Bildes i n d e r Poesie, als der versinnlichten Idee, kam dann auf das Malerische zu sprechen, zeigte die voraussetzungsvolle Art des historischen Bildes auf und hob besonders hervor, dab es in jeder Erzählung schließlich einen Bildpunkt gebe. Diesen Bildpunkt zu finden, sei aber die Aufgabe der malerischen Komposition. Zum Sinnbild übergehend, erläuterte Redner diesen Begriff an der Allegorie und kam auf die Stufenfolge des Erzählerischen zu sprechen. Erzählung, Mythos und Epos unterscheiden sich durch Sinnbildgehalt. Epos ist versinnbildliches Volk. Mythos Versinabildlichung des Göttlichen.. Unsere biblischen Erzählungen rufen nach malerischer £'«:> stellung, weil sie alle den starken Bildpunkt haben. Sie sind aber auch alle Sinnbilder, und zwar Israels, wie Gottes. Sie sind Epos und Mythos (aber keine Mythologie!) zugleich und darin ruht ihre grobe Wirkung. Das wurde an den Beispielen der Vütergeschichte, vor allein der Atedoh und Jakob dargctan. Im letzten Teil behandelte der Vortragende die Schlubfolgerungen für den Religionsunterricht, für den er Bilder und Bild-. stellung (Drama) für unerläßlich hält; dessen wesentlichste Forderung er aber in der Herausarbeitung des Sinnbiidhaften sieht, weil darin vor allem das Seelenoolle liegt. „Am farbigen Abglanz haben mir das Leben . . und gerade das Sinnbildliche gibt eben den farbigen Abglanz und damit das wahrhast religiöse Leben. Am Ul. Oktober 1925 hielt Herr Zeichenoberlehrer GeisMar einen Lichtbildervortrag 'über die neuesten Ausgrabungen am Sinai. Seine lehrreichen Ausführungen, fein Bienenfleiß, mit dem er die verschiedenen Arten semitischer Schriften ausgezeichnet und. gemalt hat; mit dem er insbesondere aus groben, langen Papierrollen ur-d Tafeln die Entwicklung der alt-hebräisch-sinairischen Schtift zur heutigen Schreib- und Druckschrift im Vergleich zur aramäischen Quadrarschrift (handgedruckt) aufzeigte. verdienen höchste Anerfen inng. Der Vortragende setzte sich mit den Theorien Professor Grimmes, die zur Zeit im Vordergründe des Interesses stehen, auseinander und versuchte ihm gegenüber eigene Wege zu finden. Die Sitzung vom 10. November 1925 brachte uns ein eingehendes Referat des Herrn Rabbiner Dr. Salomonsti über den „Jüdischen Iugendgottesdienst". Der Referent erinnerte zunächst daran,, dab, smo nge die jüdische Jugend in der jüdischen Volksschule ausgewachsen sei, ihre Teilnahme am gottesdienstlichen Leben der Gemeinde an den Freitagen und Sonnabenden ein lebendiges Iud« n- ' tum gewährleistet habe. Mit dem Tahinschwindcn der Provinzialgemeinden und der hierdurch hervorgerufenen Auflösung jüöi|d)cr Schulen, mit dem Erstarken der groben Gemeinden und der Unterbringung der Jugend in öffentlichen Schulen sei dieser Konnex in kurzer Zeit geschwunden. So entstand zunächst in Berlin (und bald darauf im ganzen Lande) als Institut der hiesigen Gemeinde vor 95 Jahren die Idee eines Sabbat-Rachmittagsgoitesdienstes für die Jugend. Rach 15 Jahren glänzenden Aufstieges, der der jüdischen Lehrerwelt zu danken sei und in Berlin sich dadurch erklärt habe, dab sehr grobe Religionsschulen nach dem Parochialjystnn bestanden, die den benachbarten Synagogen viele Hunderte Kinoer zuführen konnten. Mit der Dezentralinerung der Schulen und -»er Einrichtung des Religiousunterrichtes ohne hebräische Kurse an allen höheren Lehranstalten sei aber allmählich ein Rückschlag ecugetreten. Dieser Rückschlag dauere immer noch an und habe den Sabbat-Iugend-gottesdienst vernichtet. An den Herbstfesttagen blühe die Iugendandacht scheinbar, in Wirklichkeit sei aber auch in ihr, in der Anlage, in der Form, im Inhalt, in der Wirkung sehr viel Unerfreuliches. Die Kernarbeit des Iugendgottcsdienstes müsse in der Einführung des jüdischen Kindes in der Andacht aller bestehen. Die Befürchtung, dab das Kiib sich bei mancher Fremdheit unseres Kultus den Verständnisweg nicht allein bahnen werde, fei irrig. Die Erziehung zur Andacht könne nur erfolgen in der Oeffentlichkeit und im Kreise der Erwachsenen. Das Ziel müsse lauten: „Erziehung zur Andacht" und schon darum sei auch der Lehrer, der das Vertrauen seiner Kinder habe, der gegebene Führer des Jugend-. gottesdienstes. Darum versuche man, ohne Preisgabe der Iugendnachmittagsandacht am Sabbat, schon am Vorabend den allgemeinen Gottesdienst so zu gestalten, durch Predigt und auch Schriftvorlesung so auszubauen, dab die Jugend in Gegenwart der Erwachsenen sich dort heimisch und wohl fühle und mit der ganzen Andacht vertraut werde. Auch der Festtagsgottsdienst solle etwas Ganzes bieten, und stets mögen die Erwachsenen angeeifcrt werden, sich zu beteiligen. Bei diesem programmatischen Punkt des Judentums müsse es so sein, wie im Leben überhaupt: Die Eltern sind der Kinder wegen da! Gelänge es, auch die Eltern zu erwärmen, dann hätten wir einen doppelten Erfolg. " Eine indirekte Voraussetzung zur Verwirklichung dieser Ideen sei die Entfernung des unzureichend bleibenden, hebräischen Unterrichtes aus dem Rahmen der höheren Schule, da wo er etwa versucht wird und ferner, was äuberft wichtig wäre, die feste Ein-, wurzeluug von Lehrern an den einzelnen Religionsfchulen. Der Vortragende schloß seinen mit starkem Beifall ausgenommenen Vortrag durch Bekanntgabe von 7 Thesen. ' Eine Kommission wird die Thesen beraten uM> die gemachten Vorschläge prüfen; dann erst wird die ,.W. V." Beschlüsse fassen. Mit der Dezember-Sitzung wird die „W. V." die Arbeit dieses-

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