Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 3 (15.12.1925)
- Date
- 1925-12-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2825247-2825307-2825310--0027-2825597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nummer 3 Dereinsberichte. 'Vereins sltzttng^ Israel. Lehrer imb Lehrerinnen ' '' in Frankfurt a. M. (165. Sitzung.) Rabbiner Dr. Friedmann referiert über die „Re vifwn des Lehrplans für Quarta und Untertertia". Er führt aus: :,Der Religionsunterricht hat sich in diesen »Nassen vorwiegend auf die biographische, stets mit dem Lehrziel in Beziehung zu setzende Darstellung des ä u st e - reu Verlaufs der jüdischen Geschichte zu beschränken." Das Lehrziel ist natürlich das gleiche wie bei der biblischen Geschichte: Der Schüler soll den ewigen, alle äußeren Wechselfälle überdauernden Gehalt des Judentunis kennen lernen, so dast er in seiner jetziger! Gestaltung die organische Fortführung des einst am Sinai begründeten Baues zu erblicken vermag.. Bezüglich der Wahl des Stoffes darf nur das hec'angezogcn werden, was zu dem Lehrziel in Beziehung steht und wofür bei der betreffenden Altersstufe die erforderlichen Apperzeplionsstützen voransznsetzen sind." - - Bei der einznfrhlagenden Methode setzt sich der Referent ^eingehend mit der Arbeitsschule und den Hauptfach Ochsten Vertretern dieser Richtung (mit Kcrschensteiner, Seidel, Gandig und dem Leipziger Lehrerverein) ansein--' ander, die von verschiedenen Gesichtspunkten her zu dem Gedanken des Arbeitsunterrichts kommen. Irr der alten „Lernfchnle" wird an das Kind eine vorgeschriebene Menge von Wissensstoff herangebracht;'es ist nicht - aktiv genug. Ferner wird der erzieherische Wert der .Handarbeit zu wenig berücksichtigt. An Stelle der vorherrschenden Mitteilung must nach dem Leipziger Lehrerverein das eigerre Beobachten, Wahrnehmen, Untersuchen treten, lvobei die Anschauung möglichst rnit Darstellung zu verknüpfen ist. K er scheu stein er fordert, daß die Schule das Kind vor allem im Dienste einer Gemeinschaft bezw. mittels der Arbeitsgemeinschaft zu arbeiten lehre; denn das Ziel der Schule sei nicht die Anhäufung' einer bestimmten Menge von Wissen, sondern dast der Schüler Von früh ans lerne, an der Entwicklung der' staatlichen Gemein schaft bewußt mitzuarveiten. Seidel betont sehr scharf die grundlegende Bedeutung der Handarbeit als Bildungs- Mittel für die Sinne, den Geist und den Charakter, und Gandig endlich das selbständige Arbeiten, nicht das passive Anfnehmen. Selbständiges Arbeiten entwickelt die Kräfte. Es kann kein Zweifel darüber sein, meint Referent gegenüber diesen Anschauungen, dast auch heute noch im Religionsunterricht die intellektuelle Bildung und die Uebernüttelnng des Wissensstoffes im Vordergrund stehen müsse; darum sei der extreme Standpunkt Seidels abzulehnen, so sehr auch das Judentum stets den Wert der Handarbeit zu schätzen gewußt. Freilich, zur Veranschaulichung ~~ etwa bei den Festtagen mit ihren Symbolen, bei Besprechung der Stiftshütte u. ä. -- soll der .Handarbeitsunterricht herangezogen und in den hierzu befähigten Kindern die Lust, fich so zu betätigen, früh geweckt werden. Die Erziehung zu selbständiger Arbeit.ist nur zu begrüßen, obrvohl von einer Zusammenarbeit der Schüler im gegenseitigen Erwägen der Gedanken und Antworten schon aus Gründen der Disziplin abzuraten ist. Grnridsätzlirh must der Schüler überall da zu Worte kommen, wo er etwas ans sich heraus beitragen, wo er selbsttätig sein kann. Referent empfiehlt ferner eine stärkere Betonung der Knlturkunde, der Kultnrbilder ans der Vergangenheit, sowie regelmäßige Verwendung der Agada. Schließlich weist Referent noch auf die sogenannte Praktische Erziehungsarbeit des Religionslehrcrs hin, Seite 7 : die von großer Bedeutung sei. Der Religionslehrer soll nicht nur der Fachlehrerseiner Schüler sein, sondern ' erweise sich als Mensch, der Freud und Leid mit ihnen teilt, dem sie ihre Wünsche und Anliegen ossenbalen können, der mit ihnen und für sie lebt. Dieses Ver . tranensverhältnis muß sich besonders bekunden durch Besuche und Ansprachen, etwa anläßlich der Bar Mizwah> einer Krankheit, eines Gesuches um ein Stivendium oder bei der Berufsberatung nsw. Ein solcher religiöser Dienst , an der-Jugend hebt das Ansehen des Lehrers, was hin --, wiederum dem Religionsunterricht zugute kommt. Dr. Hart m a n n. Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens am 1. Juni 1925 in Köln. Diese diesjährige Hanvtversammlnng fand am Vortage des Verbandstages statt; deshalb wurde von wissen fchaftlichen Vorträgen abgesehen. In Vertretung des Vorsitzenden, Rektor Abraharn, Essen, leitete der stellvertretende Vorsitzende, Seminarlehrer .Keßler, Münster, die Versammlung. Er begrüßt insbesondere die anwesenden Ehrenmitglieder, ferner den Vertreter des Saargcbietes, Heß-Saarwellingen, und gedenkt des kürzlich verstorbenen . Lißner, Saarbrücken. - An dein von ihr» erstatteten Jahresbericht knüpft sich eine rege Ansprache. - Der Kasfenführer ist persönlich am Erscheinen verhindert. Oppenheim Wattenscheid berichtete nach dem schriftlich eingereichten Kassenbericht. Der Verein zählt 155 Mitglieder. Andorn-Hattingen berichtet über die Kassenprüfung '„mb beantragt Entlastung des Vorstandes, die einstimmig erteilt wurde. An den Bericht Katzensteins Steele über den Lehr», plan des Religionsunterrichtes in der Grundschule -chliestt sich eine längere Ansprache. Ter Plan wird demnächst im Druck erscheinen und den Vereinsmitgliedern zngehen. Ein Vorschlag Reinhardt Köln, einen besonderen Betrag jährlich zur Finanzierung der Berbandstage zu bestimmen, wurde einstimmig angenommen. In Abwesenheit des Geschästssührers, Herrn Kauf mann Gelsenkirchen, wurde der schriftlich eingegangene Jahresbericht dec Pensionskasse (Oppenheim-Wattenscheidverlesen. Rach diesem beträgt die Zahl der Kassenmit glieder 70. Unterstützt wurden 1924 23 Lehrerwitwen. Die Verrechnung für 1924 lautet: 1 Einnahmen: 7219,80 Mark, Ausgaben: 4834,80 Mark. Zwei Drittel (3222 Mark) gelangen zur Verteilung. Bei 189 Anteilen ist der Betrag eines Anteils ans 70.— Mark festgesetzt. Die von den Kassenvrüsern beantragte Entlastung wird einstimmig erteilt. Reinhardt Köln spricht zur Re organisation der Kasse. Die Verhältnisse seit Gründung der Kasse haben sich geändert, die Gründung einer Rechts-- lasse ist praktisch nicht mehr möglich. Deshalb tritt er für den Antrag des Vorstandes, Gründung einer Hilfskaffe, ein. Rach längerem Meinungsaustausch, bei dern auch die gegenteilige Meinung, Fortführung der Rechts kaffc, zu Wort kam, führt Ran fenberg-Neuwied, ans, daß eine Diskussion über Errichtung einer Hilss- oder Rechtskasse in diesem Augenblicke zwecklos sei, worauf Liepmannssohn Minden, beantragt, der Frage erst vann näher zu treten, wenn sich der Landesverband Preußischer Synagogengemeinden entschieden habe, was auch ange nommen wurde. Die Mitteilung von Hauptlehrerin Paula Loeb-Köln, , daß die für ein israelitisches Lehrerinnenheim gesammelten Jüdische Schulzeitung.