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Jüdische Schulzeitung · 1925-12-15 · 3 (15.12.1925) · page 4

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (15.12.1925)
Date
1925-12-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 '_._IübtscheJ5chulzeiUmg. kannt zu machen mit der Geschichte unseres Volkes und seiner großen Männer, sie vertraut zu machen mit unserer Gebetssprache, so ^genügt das heute nicht mehr. Heute muß die Religionsstnnde zu allererst eine Erziehnngsstunde sein. Der Religionsunterricht muß re- ' ligiöses Leben spürbar machen, muß religiöse Kräfte erwecken, muß das Kind zum inneren Sehen, zur Wesensschan anhalten, muß den Schüler znm religiösen Erleben mitreißen, das Gemüt in Erregung versehen, die Seele in Schwung bringen und dadurch den Weg offnen znm Willen, denn nur starke Erlebnisse gestatten den Willen. Der Wille muß sich tätigen können. Das ist schwerer und größer nls nur S'osf übermitteln. Der Religionsunterricht mnß eine religiöse Lebensgemeinschaft, eine Arbeitsgemeinschaft darstellen. Das Problem ist nicht leicht zu lösen. In der jüdischen Schule könnte es jedenfalls leichter gelöst werden. Dazu kommt notwendig eine andere Arbeitsweise. Die Seele ist ein lebendiges Ding, ein Wesen, das sich ständig entfaltet. Sie soll nicht nur ansnehmen, sich mit Stoffen füllen lassen, sie soll in Erregung kommen, soll gespannt sein. Nicht nur im . V e r st and, im G e d ä ch t n i s soll sie tätig sein int Unterricht, nein, auch mit dem Gemüt, der Phantasie, der Intuition. Es kommt nicht darauf an, viel Stoff dem Schüler zn bieten, sondern recht wenig. Dieses Wenige aber so, daß er es sich selbsttätig.aneignet und daß er den warmen Pulsschlag des Lebens verspürt, der hinter jedem Stoff liegt. ' Es kommt noch ein Drittes in Frage» Wo muß der Religionslehrer zumeist unterrichten? An Volksschulen, an den unteren und mittleren Klassen der höheren Lehranstalten. Die . drei letzten Klassen der höheren Lehranstalten kommen für ihn kaum in Frage. Für die erstgenannten Schulklassen handelt es sich nicht tu erster Linie um die Fähigkeit zur rein sachlichen Einstellung des Lehrgntcs, um völliges Aufgehen in den Stoff, in den in ihm liegenden Gesetzen, in seinen Darstellnngsmöglichkeiten, d. i. also um eine vollständig wissenschaftliche Beherrschung aller Stoffgebiete mit allen einzelnen Tatsachen, Begriffen, Gedanken, Formen. Nein, für diese Schulklassen ist viel wichtiger die persönliche Einstellung auf das Kind und die Gestaltung des Lehrstoffes, daß er bei der jeweiligen Entwicklungsstufe des Kindes wirksam wird. Der sachlich eingestellte Lehrer, der besonders vom Stoff beherrscht ist, ist der Lehrer der drei übereil Klassen der höhe.en Shn'en und der Hochschullehrer. Der persönlich eingestellte Lehrer, der hauptsächlich pädagogisch orientiert ist, gefesselt ist vom Schüler und seiner Ansfassnngssähigkeit, der ist der Lehrer an Volksschulen und an den unteren und mittleren Klassen der höheren Schnlanstalten. Welche Ausbildung soll nun der Religionslehrer haben? Diese Frage berührt nur sekundär die Frage nach der augenblicklichen Ausbildung als Uebergangsstadium und zur Behebung der gegenwärtigen Religionslehrernot. Wir können es bedauern, wenn die Not hier zu Hilfsmaßnahmen zwingt, die sich späterbitter rächen werden und können nur die Mahnung aussprechen, nicht zu übereilen und zu überhasten. Uns berührt nur die Frage, wie wird er morgen ausgebildet und in normalen Zeiten. - Alle, die sich mit der Frage zu befassen haben, sind sich darin einig, daß die Vollreife notwendige Voraussetzung, notwendige Grundlage der Ausbildung der Religionslehrer ist. Daran kann gar nicht mehr gerüttelt werden, denn die Vollreife ist Voraussetzung .für die. hochschulmäßige Fachausbildung. Sie ist schon darum Nummer notwendig, weil dadurch die Entscheidung znm Lehrerberuf in ein Alter hineingelegt wird, in dem die Schicksalsentscheidung dem jungen Mann anfgebürdet werderi kann! Die Entscheidung für den Lehrerbernf fällt dadurch nicht wie bisher in ein so frühes Alter, in dem den, jungen Mann die innere und äußere Reife abgeht. Nicht mehr äußere Gründe, Zufälligkeiten sollen die Entscheidung treffen, sondern der innere Drang. Dadurch erhält die Lehrerbildung nicht nur neue Formen, sondern den jungen Menschen durchdringt eine ganz anders geartete Einyteüuiig zn seinem Berufe, und es ist zn hoffen, daß keine ungeeigneten Elemente sich dem Lehrerberuf mehr widmen. Von da ab gehen die Meinungen auseinander. Die einen meinen, der Religionslehrer braucht in erster Linic eine Ausbildung in den Disziplinen, die er später zn unterrichten hat. Freilich soll er auch in den Erziehungswissenschaften einigen Unterricht erfahren, aber in erster Linie steht die Ausbildung in dem Lehrgnt, das er zu unterrichten hat. Der Religionslehrcr ist Fachlehrer, wie der Mathematik-, Sprach oder Zeichenlehrer, also muß er in erster Linie seinen Stoff beherrschen, er muß in dem weiten Gebiet der jüdischen Religionswissenschaft und der hebräischen Sprache Bescheid wissen. Herr Se. minardirektor Dr. Gutmann hat in Köln ein stattliches Bündel von Fächern anfgezählt, in denen der Religion^ Lehrer beschlagen sein soll. Je größer sein Wissen, desto besser kann er sein Lehramt ansführen. Von der Bibel spräche bis znm Neuhebräischen, von Moses bis zu den jüdischen Neligionsphilosophen, vom ersten Wort der Bibel bis zum Letzten mit wichtigen Bibelcrklärnngen, dazu Bibelwissenschaft, vom Midrasch bis zn den Religions kodieis, Gebetbuch, Machsor, und ich weiß nicht, was noch. Allüberall soll der Religionslehrer sich zu Hans.' fühlen und ein Meister sein. Ich verstehe diese Forderungen nicht recht. Jedenfalls gehen sie abseits von den modernen Ansichten über Lehrerbildung. Diese gehen dahin: Das' Nielwissen und Vielkönnen, das bisher vom Volksschnllehrer verlangt worden ist, ist zn vermeiden; denn das macht nicht die Bildung ans. Wichtig ist die Bildung der Lehrerpersönlichkeit, die Beschränkung ans Weniges und Wichtiges. Der angehende Religionslehrer muß empfänglich sein für alles Menschliche, eine Sicherheit des Urteils sich erwerben, selbständig sein im Er fassen und Durchführen einer Aufgabe; Ansicht, Wille und Handlung müssen übereinstimmcn. Je höher diese vier Eigenschaften entwickelt sind, desto besser und tiefer ist seine Bildung. Das große einheitliche, geschlossene Arbeitsgebiet kann nur die Pädagogik mit ihren Hilft Wissenschaften sein. Nun soll freilich auch diese Erziehung« Wissenschaft gelehrt werden, aber sie steht doch erst in zweiter Linie. In erster Linie muß er das Stoffgebiet des Religionsunterrichts, des Predigers, des Kantors, beherrschen und nur nebenbei die Erziehungswissenschaften. Auf besonderen hoch schulmäßigen Akademien für den is raeliti scheu Religionslehrer mnß sich der angehende Reli gionslehrer das Rüstzeug seiner Arbeit holen. Mit Ber lanb: Wer schafft und unterhält diese Akademien? Woher nehmen sie ihre wissenschaftlichen Dozenten? Mit einer solchen Akademie müssen Uebungsschulen verbunden sein. Wo sind die wissenschaftlichen Lehrer für sie? Wie'sollen sie eingerichtet sein, da nur Religionsunterricht ihr Lehr gegenständ ist? Woher nehmen sie die wissenschaftlichen' Apparate für experimentelle Psychologie? Wir fürchten: das - gibt Zwrrganstalten, .die niemandem gerecht werden. Soll ich weitere Fragen stellen? Wie sollen die Akademien weltanschäuungsmäßig eingerichtet sein? Orthodox, libe ral? Welche Instanzen und Behörden nehmen die Prüfung

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