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Jüdische Schulzeitung · 1925-12-15 · 3 (15.12.1925) · page 3

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (15.12.1925)
Date
1925-12-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nummer 3 Jüdische Schulzeitnng. ^eire 3 Kleine Schriften vermischten Inhalts) vorgenommen,.und die wir in aller Kürze dahin zusammen fassen: Ziel aller Kunst ist /Schölcheit. Das Schöne kann nur empfunden und nicht erkannt werden. Wenn wir empfinden, verhalten wir uns passiv, wir erleiden eine Veränderung an uns selbst. Unser Wissen wird also dnrch Urteile des Geschmacks nicht erweitert und keine Erkenntnis, selbst nicht einmal von der Schönheit, wird dnrch die Empfindung der Schönheit erworben. Wo also Erkenntnis der Zweck ist, da Tarnt uns der Geschmack, wenigstens direkt und inr mittelbar, keine Dienste leisten: im Gegenteil, die Erkenntnis wird ansgesetzt, solange uns die Schönheit beschäftigt. Unsere Lebensbestimmung aber ist, uns Er kenntnisse zu erwerben und ans Erkenntnissen und nichts ans Empfindungen zu handeln. Dazu gehört die Fertigkeit, von allem, was der Geist tut, die Sinne anszu schließen, weil bei allem Erkennen vom Empfinden und bei allem lnoralischen Wollen voll der Begierde abstrahiert werden muß. Da das Schöne also ganz ans Empfindung beruht, das Wahre gallz und gar auf Erkenntitis, schließen sich die beiden Vorstellungen gegenseitig nicht nur aus, solldern bedeuten auch eine große Gefahr für das menschliche Lebell, da die ästhetisch Gebildeten, die nicht ohne Bestimmung der Vernunft genießen, von dieser den-Gegendienst verlangen. Je stärker die ästhetische Ausbildung entwickelt ist, um so heftiger wird der Kampf werden, da der Mensch sich ja an und für sich schon von seiner Elnpsindnng bei seinen Urteilen leiten läßt, in diesem Falle aber gegen ein noch besonders gefördertes Empfindungsvermögen nur schwer angehen kann. So kain es, daß im Athen des Perikleischen Zeitalters nicht nur die große Masse sich dann schon für gebildet hielt, wenn sie gewisse formale, d. h. die For dernllg der Schönheit befriedigende Lebensbedingnngen erfüllte, solldern selbst bei den sogenannten Gebildeten wurde dieses ästhetische Prinzip so einseitig ansgebildet, daß allmählich die Ueberzeugnng herrschte, es beruhe jedes Urteil auf subjektiver Emvfindnng. So wurde schließlich der „Sovhist" der Lehrer des Lebens, der. Mann, der von der Grnndlehre ansging: Der Mensch ist das Maß aller Dinge, des Seienden für sein Sein, des Nichtseienderl für sein Nichtsein, d. h. es sei für jeden wahr und wirklich, was ihm so erscheint, es gebe aber eben deshalb nur eine subjektive und relative, aber keine objektive und allgemein gültige Wahrheit. Wenn es keine allgemein gültige Wahrheit gibt, kann es auch Teilt allgemein gültiges Gesetz geben; wenn für jeden wahr ist, was ihnl wahr scheint, muß anch für jeden recht sein, was ihm gut dünkt. Und in der Tat lehren die Sophisten: das natürliche Recht sei lediglich das Recht des Stärkeren; wer die Kraft in sich fühle, sich über die Gesetze hinwegzusetzen, der habe dazu anch das Recht. Um dem Volke diese Anschauungen auch mundgerecht zu inachen, bedient sich die Sophistik der Kunst der Sprache uub baut die Rhetorik ans. Leicht wilßte sich ihr Wort der Empfindung der Zuhörer anznpassen. Ter Mensch setzte sein „Ich" zum Maßstab aller Dinge, sein subjektives Wollen und Begehren darf alles verwirklichen, was es rednerisch verteidigen kann. Willkür war das Zeichen, in dem die Politik und mit ihr das soziale Leben des athenischen Staates stand und rasch ging das eben noch siegreiche Volk seinem Untergange entgegen. Zur Ansicht Ä. Rau's (die Ethik Jesu, <8.-29): Gerade der Polytheismus sei die Grundlage der Wissenschaft und Kunst, wie die Kultur der Griechen und Römer lehre, äußert sich Cornill (Geschichte des Volkes Israel, S. 137): Gerade bei den Griechen hat es sich so recht deutlich ge zeiht, wohin eine Kultur führt, die der religiösen und sittlichen Grundlagen entbehrt und lediglich ein Erzeugnis des selbstherrlichen Menschengeistes ist. Mir der geistigen Blüte ging ein sittlicher Verfall Hand in Hand, desj.c-a schaurige Tiefe anch dnrch die am Rande des Abgrnnde-s blühenden Rosen nicht verdeckt werden konnte. (Schluß folgt.) Die Ausbildung des zukünftigen Religionslehrers. Von Theodor Rothschild, Eßlingen. Ueber die Ausbildung der Religionslehrer ist noch nicht das letzte Wort gcfvrochen. Das ganze Gebiet der Erziehung ist eingebettet in die Epochen der Menschheitentwicklnng. So muß das Erziehnngs- und Bildung-' wesen in den Gang der Entwicklung, den die Menschheck geht, hineingerissen werden. Unser Erziehungs und Bi'idnngswesen muß immer den Menschen der Zeit, der Gegenwart, erfassen, den Menschen, der eben ein Produkt der herrschenden Epoche ist. Es ist unmöglich, den Menschen nach einem Ideal -formen und bilden zu wollen, dessen Wurzeln nicht in der Wirklichkeit Fuß gefaßt haben.- Alle Bildnngsideale, die nicht in wesenhaster Beziehung zur heutigen GeisteSstrnktnr stehen, müssen erfolglos bleiben. Unser Ziel muß immer sein, die Schule au' zufinden, die der jeweiligen Zeit konform ist. Deshalb braucht jede Zeit ihr besonderes Bildungsideal. Dasselbe kann nicht Formen und' Ausflüsse einer vergangenen Geistesstruktnr aufweisen, die von unserer heutigen grundverschieden sind. Daher notwendig, zwangsläufig das rasche Veralten unserer Lehrpläne, der häufige Wechsel der Seminar - pläne. Noch hat sich ein Lehrplan nicht ansgewirkt und schon ist ein anderer notwendig. Daher ist anch die Frage der Ausbildung der Religionslehrer mit den Beschlüssen des 8. Lehrerverbands tages in Köln nicht abgetan. Der Religionsunterricht ist ein wesentlicher Ausschnitt ans dem allgemeinen Unterricht. Er muß ebenso wie dieser dem Leben, dem heutigen Menschen gerecht werden. Das Fundament für den Unterricht ist das Leben und der Mensch als Gemeinschafts menfch. Der heutige Religionsunterricht entsvricht nicht mehr dem Leben, der Wirklichkeit, darum muß er umgestaltet werden. In früherer Zeit war die Familie eine Lebens gcineinschaft, in der das religiöse Leben gevslegt und geübt lvurde. Die heutige Zeit mit ihrem Haßen und Drängen, mit ihren wirtschaftlichen Sorgen und Kämpfen, hat die Familie als religiöse Lebensgemeinschaft aufgelöst. Der Religionsunterricht ist für eine große Anzahl unserer Kinder die einzige Stelle, an der sie religiösen Einflüssen ausgesetzt sind. Der Religionsunterricht muß daher eine Erziehnngsanfgabe übernehmen und sie als eigene Aufgabe zu lösen versuchen, wenn unsere Glaubensgemeinschaft nicht schwere Einbuße an religiösen und inneren Werten erleiden soll. Dazu kommt, daß gerade Juden es sind, die im aufreibenden Wirtschaftskamvf stehen und der gewaltigen Technik unserer Tage Zeit und Kraft widmen. In diesem äußeren Kamps gehen unberechenbare innere Werte verloren, die Seele leidet Not und religiöse unk geistige^ Kräfte verkümmern. Die Religionsstunde muß der äußeren Mechanisierung des Lebens entgegenarbeiten und dafür sorgen, daß innere Kräfte geweckt und zum Durchbruch kommen.. Wir müssen dafür Sorge tragen, daß unsere Glaubensgemeinschaft nicht entgeißigt wird. -Wenn es seither genügte, dem Kind in den RcligionSstnnden ' religiöses Wissen zu übermitteln,-die Kinder be-

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