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Jüdische Schulzeitung · 1925-12-15 · 3 (15.12.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (15.12.1925)
Date
1925-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung. Nummer 3 fremd gewordener Begriff. Wie Herodot cs uns schildert, und wir in Leviticus18,3 ff. es lesen können, war. Unzucht selbst mit dein Tiere geradezu Ausdruck „heiligen Tuns" geworden. Daß sich solche Gesinnung auch sozial auswirkt, ist geradezu unausbleibliche Folge. Wo der Mensch das Naturhaste vergöttert, da kann keine Kenntnis und keine Erkenntnis, -vor allem keine Achtung des Menschenwertes erstehen. Mit dem Schwinden der Selbstachtung muß die Achtung vor dem Nebenmenschen, dein Menschen schlechthin, verloren gehen, andererseits die Stellung des Königs ins Gotthafte gesteigert werden (s. Ezech. 29,3). Dem König geennber ab es kein Volk, gab es nur Leibeigene. Die Priester waren der Könige und ihrer Götter würdig: Betrogene Betrüger, trotz alles Wissens Ovferer der Menschenwürde, die sie auch in sich nicht empfanden. Und wie die Aegypter, lebten die Völker Kanaans, Assurs, Babylons. In ihrem eigenen moralischen Schlamm versanken diese Völker, „das Land spie seine Bewohner aus!" Der Buddhismus. Fast zur selben Zeit als. der letzten der orientalischen Despoten Einer den Hellespont mit Ketten geißeln ließ, weil er „seinem" Willen zuwider war, ihn gleichsam daran hinderte, sein großes Reich zu zerstören, war auch bei den indischen Völkern nach einer in kriegerischen Taten auflodernden Lebensgier die Seele müde geworden und es folgte eine Zeit der Besinnung des Menschen ans sein Selbst und andächtig lauschten die Inder der neuen Offenbarung, die dem Erleuchteten „Buddha" zuteil ge worden. Sie wollte den „Pfad" zeigen, den der Mensch betreten muß, um von den Leiden, die mit dem Zustand „Menschsein" gegeben sind, befreit zu werden. Hinweg vom Lande des „Samsara", hinweg von der Welt des Scheins und hin znm „Nirwana", zum Lande des Seins, sollte sich das Schiff finden, das Meditation, d. i. eine aus übersinnliche Ziele gerichtete Methode der geistigen Konzentration, zum Steuermann und .Höchstmaß des Willens als Ruderer benutzt, um durch das Meer der menschlichen Leidenschaften hindurch zu segeln. Die gemeinsame Quelle aller „Beschwerden"»ist,.so lehrt Buddha, das Nichtwissen, die Verwechslung des Ewigen, Reinen, mit dem Nicht ewigen, Unreinen, Leidensvollen, des' wahren Selbst mit dem, was nicht das wahre Selbst ist. Die Wahnideen der sündigen Leidenschaft bewirken die Wiedergeburt (das Karma), das Schicksal, die ganze Summe von Lust und Leid, die die Seele als eine Folge ihrer früheren Tat in aufeinanderfolgenden Inkarnationen auszukosten hat. Zur Uebcrwindnng des Leidens gelangt die Seele durch einen Läuterungsprozeß, der den Irrtum, die Wurzel des Wahnes der sündigen Leidenschaft, 'vernichtet und das geistige Leben aus seiner Verstrickung in die Welt der Sinnlichkeit befreit. Dieser Läuterungsprozeß ist der achtgliedrige Pfad, dem der rechte Glaube voraugehen muß,, der Glaube, daß der Asket Gautama Buddha die wahre Norm verkündet. Mitleid ist das erste Wegziel, das auf dem Pfade selbst zu erreichen ist. Das Mitleid hat sich nicht nur in der Schonung des Lebens aller Wesen, auch der Tiere, zu erweisen, sondern vermeidet selbst das unfreundliche Wort. Auch die Tugend der Keuschheit liegt auf diesem Pfade. Vor allem aber die Forderung der wachsamen Besonnenheit, die Buddha den Jüngern anzuempfehlen nicht müde wird. Es muß das Bestreben des Jüngers sein, in allen Lebenslagen, beim Gehen, Reden mib Sitzen, ja, im Schweigen, ans dem Unterbewußtsein alles'heraufzuholen und in die Sphäre des Bewußtseins zll erheben. So wird er des „Karma" allmählich Herr und geht ein in den -Zustand des „Nirvana". Es ist wohl zu beachten, was Beck sagt (Buddhismus i. und 2. Sammlung Göschen): mit unserem materialisti scheu Denken, auch mit der Anschauung, als ob wir es in der Lehre Buddhas mit einer Philosophie zu tun haben, werden wir diesem System, das befreien will, von der Gewalt, „die alle Wesen bindet", nie gerecht. Diese Lehre ist von überirdischer, wunderbarer Kraft des Schauens und der Schönheit, aber ihr Pfad führt nicht in diese Welt." Tie Lehre Buddhas hat die Frage nach der Befreiung des Menschen insofern nicht gelöst, als fie nur das Sein des Ich negiert. Sie hat bei ihren Bekennern das Persönlich keitsgesühl so' geschwächt, daß das Weltgeschehen aus sie lediglich betäubend wirkt. Irr dieses unheimliche Chaos ist der Mensch hineingebannt. Ohne Kampf, ohne aus dem Innern flammende Begeisterung, nein, stumm und resignierend, gibt sich der heutige Buddhist dieser Gewalt eines Uebermächtigen. hin, nichts verlangend als die Ruhe. Die dreihundert Millionen der Bekenner sind am Anfang des Pfades, beim Glauben, stehen geblieben und haben als Masse den Weg der Meditation nie beschreiten können. Ein die Seele und das Denken ermüdender Gebetskultus, man kann arrch sagen Gebetsmühlenkultus, ist Ausdruck dieser Lehre geworden. Zum Gott wurde Buddha erhoben und neben ihm existiert eine weibliche Gottheit, und viele Untcrgotter und Heilige verehrt man in den buddhistischen Tempeln. Der Lamaismus mit seinen geschorenen Priestern, Glocken, Rosenkränzen, mit seinen Prozessionen und mystischen Bräuchen beim Gottesdienst, dem der Laie nur als Zuschauer beiwohnt, mit seinen Mönchen und Nonnen und seiner mächtigen' Hierarchie hat besonders in Tibet die Erbschaft des Buddhismus angetreten (f. Rhns Davids der Buddh. S. 25, Ausgabe Reclam 394 k 42). Die Griechen. Während der Inder durch eine Ueberwindung der Welt das ganze restlose Getriebe einbetten will in den Schoß der Ruhe, führt die griechische Kultur uns macht voll hinein in das Gebiet des Werdens. Bürger dieser Erde will der Grieche sein, im Lichte des Glückes sich ergehen und nichts wäre ihm unverständlicher als jenes Glück der Abgeschiedenheit der indischen Heiligen, das weglockt vom sozialen Verbände. Und doch führt gerade hier der Weg der philosophischen Spekulation zu Ergebnissen, die neuere Forscher einen Zusammenhang zwischen der griechischen Philosophie und der indischen Buddhalehre annehmen lassen. Das Griechentum stellt den Versuch einer neuen Losung des Lebensrätsels dar. Tie Welt, der es den Todesstoß versetzt, war in sich morsch geworden, das Ich dieser Menschheit hatte sich tierisch sinnlich ausgelebt, war an der Schrankenlosigkeit der Begierden zu Grunde gegangen. Diese Begierden sollen jetzt eingedämmt werden durch die Form! Form ist Bindung, ist Einschränkung! Ter formalgebildete' Mensch, er wird auch der gesittete Mensch sein. Kallokagathia heißt das neue Erziehungsideal und schließt in sich die Forderung: Von der Schönheit durchzudringen zum Gutsein! zur Gesittung! Es ist die ästhetische Kultur, die hier vor uns ersteht! Kann sie das ungeheuere Ziel, das sie sich stellt, den Menschen zu versittlichen, erreichen? klm diese Frage zu beaut Worten, bedarf es einer strengen Untersuchung der In halte der beiden Grenzgebiete, der Aefthetik und der Ethik, wie sie Schiller in seinem Aufsätze: „Ueber die not wendigen Grenzen beim Gebrauch schöner Formen" (vergl.

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