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Jüdische Schulzeitung · 1925-12-15 · 3 (15.12.1925) · page 1

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
1 (1925)
Issue
3 (15.12.1925)
Date
1925-12-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nummer 3 1. Jahrgang Monatsschrift für Pädagogik und Schulpolitik Heransqegeben vom „Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche" Ünmoitq] Nicht Mitglieder: M. l.Ltt pro Quartal. - Ferilsprecher: Elbe 7i)l(), 71)11, Halfan 8n8:i. für die «gespaltene Nonpareille-Zeile. -Inhalt dieser N n in m er: Geschichtsphilosophische Betrachtung zum Verständnis der Offenbarnngsreligion, vonDr. B.May, Franlsurt a.M. Die Ausbildung des znkiinstigen Religionslchrers, von Th. Rothschild, Ehlingen. Wissen und ttönnen, von A. Nnffbannl, Wiesbaden. Vcreinsbcrichtc. Literarisches. Eingegangene Bücher. Geschichlsphilosophische Betrachtung zum Verständnis der Osfenbarungsreligion. Eine Studie aus der vergleichenden Religionsphilosophie von Dr. B. M a y, Frankfurt a. M. (am Realgymnasium der Israel. Gemeinde). Wir wissen, das; in . Heine bis zu seinem letzten Hauche zwei Welten kämpften, zwei weltgeschichtliche Bildungsprinzipien: die keusche Sittlichkeit des Judentums und die Formenschönheit des Griechentums. „O, dieser Streit wird enden nimmermehr, stets wird die Wahrheit hadern mit dem Schönen." Weil er die Vereinigung dieser beiden Elemente in sich nicht zu voll ziehen im Stande war, blieb er ewig ein zerrissenev Mensch Biele geistig hochstehende Inden des neun zehnten Jahrhunderts teilten dies Geschick mit ihm. Viele haben sich gleich ihm taufen lassen trotz einer Reform, die .sicherlich nötig, aber in ihrem Aufbau ganz gewiß grundfalsch war, weil sie der geschichtlichen Grundlage entbehrte. Geschichtliche Forschungen hat man in der nachmendelssohnschen Zeit, in der ganzen ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, speziell als Unterrichtsdiszipliu nicht gekannt. Wie hätte sonst ein Schleiermacher so laienhaft über die Beziehung zwischen Judentum und Christentum urteilen können? - Von Mendelssohn aber wissen wir's ans seinem eigenen Munde und erkennen es aus grundlegenden Werken, wie „Jerusalem", daß ihm jedes geschichtliche Verständnis abging. Gerade weil sich die Unkenntnis der Geschichte so tragisch bei uns auswirkte, erachten wir heute eine vergleichende Betrachtung der Ideen, die bestimmten, zum Teil noch "lebenden, zum Teil unser. Leben tief beeinflussenden Völkern Leben gestaltend innewohnten, als notwendiger denn je. Denn heute, mehr denn je, ringt die Menschheit und harrt der Erlösung. Goethe hatte einst, verzweifelnd an der Möglichkeit einer Lösung, seine Arbeit an dem Rätselwerk „Mensch" aufgegeben, weil er unter dem Einsichtszwange stand: das Böse kann nicht überwunden werden, christlich ausgedrückt: die Welt, des Teufels wird immer die Macht haben über die Welt des Guten! Bis Schiller ihn auf die Bibel verwies, auf die Gestalt des Mose und auf das Buch Hiob. Und „nicht mehr als schwankende Nebelgestalt erschien der Faust der neuen Dichtung, er sollte gehoben und gefestigt werden durch Steigerung zum menschlichen Typus, sein Ende nach der ins Menschliche, Typische hinanfgelänterten Judenfabel!" Warum hat Goethe nicht bei Buddha, nicht in dem Schrifttum der Griechen, auch nicht in den Werken der Scholastik eine Antwort auf die jedes Menschengeschlecht so tief erschütternde Frage gefunden: Gibt es für des Menschen Sehnen eine Befriedigung? Warum erlöste ihn selbst gewissermaßen der sein Land nur von Ferne schauende Mose? Wie haben denn die großen Denker der anderen Kulturvölker, der vorklassischen, aber auch der Inder und' Griechen über das Verhältnis van Mensch und Welt gedacht und wie ist ihnen gegenüber ~ die jüdische Auffassung? Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigt sich die nachstehende religionsphilosophische Skizze. Die v o r k l a s s i s ch e n Völker. Erkenne dich selbst! lautet die Grundforderung der Philosophie. Aber was ist das „Ich"? Wie haben die Menschen darüber gedacht, die vor Jahrtausenden schon, nehmen wir als ihren Prototyp etwa die Aegyvtec, eine gewaltige Kultur hervorgebracht? Die Aegypter haben in der Zeit, wo sie uns ge schichtlich entgegentreten, bereits einen hohen Grad äußerer Kultur erreicht. Ihre Könige haben volkreiche Städte erbaut. Die Banterhnik, die Wasserregulierung und was damit zusammenhing, die Meßkunde, ferner die Heilkuust und das Einbalsamierungsgeheimnis, welches die Verstorbenen für die Ewigkeit erhalten sollte, auch die Er. richtung jener Pyramiden, die, wie die Gegenstände der Prachtliebc in Gold, Silber und Stein — man denke. an die Grabkammer Tut-Ench Amons — die Eitelkeit der Könige gebieterisch verlangte, alle diese .Künste haben die Aegyvter zu erstaunenswerter Vollendung gebracht. Auch die für die Menschen so wichtige'Schreibkunst haben sie erfunden. Sie zwangen mit Zirkel, und Meßschunr das Chaos in seine Schranken! Doch ohnmächtig und machtlos waren sie gegenüber den Trieben und Begierden, die des Menschen eigene Brust durchwühlen, und wußten die dort entfesselten Leidenschaften nicht zu zügeln und nicht zu dämmen, so daß sie verheerender den Naturkatastrophen in das menschliche Leben eingriffen. Ter Mensch der Antike wurde der Spielball seiner ungezügelten . Begierden. Er gebrauchte seine Vernunft nur „um tierischer als jedes Tier zu sein". War doch in der Tat das ägyptische Volk geradezu unüberbietbar in der Art, wie es dem wildesten Sinnentrieb huldigte. Deshalb gab es ' auch seinen Göttern Ticrgestalt und verehrte niedrige Tiere als göttliche Mächte. Weil der Mensch das Tierische in sich vergötterte, darum sank er unter das Tier herab. Keuschheit war in Aegypten ein Männern und Frauen

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