Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 2 (15.11.1925)
- Date
- 1925-11-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nummer 2 . ' Jüdische S 'iitotUH'ubuifcii sind. Der Erzieher, der die Jugend zur Achtung einer anderen religiösen Überzeugung führen soll, innß seicce Ausbildung dahin-verlegen können, wo sich die deutsche Jugend 'versammelt, die dem Lehr- und Erzieherbernf zicstrelst.' Das gegenseitige Verstehen, das gegenseitige Sichkennen-lernen, die' gegenseitige Achtung' wird niemals durch gegenseitige Absrhließnng -und scharfe Trennung herbeigeführt. Wie ist es denn mit dem Rabbiller, dessen Bildungsgang in der Absolvierung einer neunstufigen Vollanstalt und in einem mindestens sechssemestrigen Universitätsstndium besteht? Ist er deshalb ein weniger guter Jude? Leidet seine religiöse Überzeugung darunter? — Die Forderung der Lehrerbildung ans interkonfessioneller Grundlage entspricht durchaus, dem Standpunkt, den unser Verband schon seit Jahren Hinsichtlich der Gemeinschaftsschule einnimmt. ’ . Die Universität bleibt, wie Sie alle wissen, dem Anwärter des Lehrerbernses vorläufig verschlossen, dagegen wird von ihm die Absolvierung einer nennstnfigen Vollanstalt, bzw. der sechsstnfigen?lnfbaicschnle verlangt, also U n i v e r s i t ä t s r e i f e. Statt der von der Lehrerschaft geforderten pädagogischen Fakultät errichtet man pädagogische Akademien, die Hochschulcharaktcr haben werden. Mit den pädagogischen Akademien müssen wir uns nun absiirden, aber das Ziel der gesandten deutschen Lehrerschaft, also auch unseres Verbandes, bleibt unberührt bestehen. Denn: Die Aufgabe des Verbandes muß es sein, große, weit in die Zukunft reichende, Richtung gebende Ziele aufznstellen und deren Verwirklichung zu erstreben. Es müssen Ziele sein, die ans dem W.esen der Sache selbst hervorgehen, Ziele ans lairge Sicht, Ziele, - die bestimmten Prinzipien und Grundsätzen entspringen, nicht solche, die man von heute auf morgen ändert, die geboren sind aus den Zufälligkeiten der augenblicklich wirtschaftlichen und politischen, auch religiös-politischen Konstellation. Der Verband verlangt Gleichartigkeit der jüdischen L e h r e r b i l d u u g mit d e r allgemeinen Volks schullehrerbild u n g. Oder wollen tvir den jüdischen Lehrer von den: allgemeinen Bildungsgänge der Lehrerschaft etwa ausschließen? Die Frage ist nun einmal gestellt. Sie beginnt durch den bekannten Beschluß des Berliner Gemeindevorstandes praktische Formen anznnehmen; wir müssen uns deshalb mit dem Problem anseinandersetzen. Es steht außer allem Zweifel, daß der Stand der jüdischen Volksschnllehrer stark im 8iückgange begriffen ist, ''ebensowenig aber kann bestritten werden, daß, solange die konfessionelle Volksschule gesetzlich festgelegt ist, auch jüdische Volksschulen in den großen jüdischen Geineinden bestehen werden und bestehen bleiben niitffcn, ja, daß noch neue errichtet werden. Daß sich die Vorbildung der Lehrer, die einst an diesen Schulen unterrichten werden, auch in nichts von der allgemeinen Lehrervorbildc^cg unterscheiden-darf und unterscheiden kann, bedarf keiner Erörterung. Darüber gibt es keine Diskussion. Somit-haben wir uns in unserer Fragestellung rinr mit der Vorbildung der Religionslehrer zu befassen, bezüglich derer wir die Forderung aufstellen: . Der Religionslehrer darf an Allgemeinbild n n g und pädagogischer Bildung in keinem Falle d e m Volksschnllehrer n a ch ste h e n. Warum? Der Volksschnllehrer, hinter dessen Einfluß die Schüler die ganze Woche über stehen, hat gewiß viel größere Erfolgsmöglichkeiten, als der Religionslehrer. Wie . dürfte man diesem die Aussichten auf Unterrichts- und Erziehungserfolg dadurch noch mehr verringern, daß man ihm eine ungenügende Ausbildung zuteil werden läßt! Hinzu mlzeitung. Seire 5) kommt, daß in dem Religionslehrer, der in pädagogüv)- inethodisch-psychologischer Hinsicht nicht voll ansgebiloer ich sich'natllrgernäß der Gedanke festsetzen nmß, daß der givnsnnterricht ein ellvas Mindenvertigeres, nicht so er.rst zu ccehmeirdes Urcterrichtsfach sei, als alle cnweru, s:':r die nur Lehrer'mit Vollbildnng zicgelassen werden, und ix» zcc einer Zeit, da alles nach Verbesserung, nach Hebung des Religionsunterrichtes schreit, weil man den geistigen Niedergang dem angeblich schlechten Religionsunterrichte in die Schnhe schiebt. Der Religionsunterricht ist in Gefahrer ist in der Gefahr, für weniger wertvoll gehalten zu werden, leichtgenommen zu werden, das Vrrantwortlichkeitsgefn hl. wird nicht die notwendige Stärke haben können, weil der nur als Religionslehrer ansgebildete Lehrer seinen Unterricht von einer niedrigeren Warte aus bewerten wird. Das wäre Sünde am Lehrer selbst, all den Kindern, air der Gemeinde und am Judentum. Ich habe es außerordentlich begrüßt, daß irr der Reihenfolge der Verbandsthemeu das Thema über die Anwendung des Arbeitsschnlprinzips auf ibeu Religionsunterricht vor dem heutigen Referat über die neue Lehrerbildilngsfrage behandelt worden ist. So schön, io klar, so überzeugend lvie die beideli Referenten und der Vorsitzende K'ollege Stern kann ich die Notwendigkeit einer allseitigen,^ gründlichen psycholvgischen-pädagogischen und ' methodischen Vorbereitilng des küllftigen ^ieligionslehrers nicht schildern. Diese Frage ist aber so wichtig, daß ich dach etwas länger dabei verweilen muß. Wenn ich vor meiner Klasse stehe, dann lasse ich mich nur von psychologisch-methodischen Gesichtspunkten leiten. Im Mittelpunkt meines Unterrichtes — ich denke jetzt nur an den Religionsunterricht — steht das Kind mfo nur das Kind, das ich zil einer Persönlichkeit heranzubilden bestrebt bin, dadurch, daß ich alle im Kirrde schlummernden Kräfte ' anrege und zur Eutfaltung bringe; vornehmlich dllrch das Prinzip der freien geistigen Arbeit, wie ich das Prinzip des Ärbeitsnnterrichtcs verstanden haben möchte. Das Kino steht im Mittelpunkte, und von ihm gehen nach allen Seiten n'.'.d Richtungen hin die Verbindungsfäden aus, die der Lehrer zil knüpfen in der Lage sein muß. Es genügt nicht für den Religionslehrer nur die Methodik des Religionsunterrichts zu treiberi. Das Arbeitsprinzip im Unterricht verlangt griuidliche Ausbildung in der Methodik aller Fächer. Psychologie, Pädagogik ilnd Methodik bilden ein untrennbares Ganze. Und wenn es wahr ist, wie gestern behauptet wurde, daß der Religionsunterricht es gewesen ist, der J){ eligion s m ü d i g k e i t hervorgerufen habe, dann haben wir die unbedingte Pflicht, für den zukünftigen Religionslehrer wissenschaftliches, nach allen Seiten hin sich erstreckende Studium der Pädagogik zu verlangen. Nicht der jüdische Lehrer, der über ein gründliches hebräisches Wissen verfügt, ist der beste Lehrer, sondern der, der sich einzustellen vermag auf die Seele des Kindes. Im Interesse des Religionsunterrichtes verlangen mir nicht nur gediegene Allgemein- und pädagogische Bildung, sondern auch gediegene hebräische Vorbildung, sowohl für den Volksschnllehrer, als aicch für den Religionslehrer. Gewiß, Religiofität ist eure Sache, die nicht „angebildet" werdecc kann. Ein Religionslehrer ohne religiöses Gefühl wird mit der besten pädagogischen Ausbildung lvenig erreichen. Aber ccmgekehrt wiod ein tief religiös Veranlagter ohne pädagogische Gabe und Bildung wenig Erfolg haben. Muß also der jüdische Volksschullehrer pädagogisch auf der Höhe sein, um als Erzieher zur »ietigioix erfolgreich zu arbeiten, so muß es der Religionslehrer erst recht. — In den letzten Jahren des wirtschaftlichen und kulturellen Niedergangs, der auch an unserm jüdischen Genceiudeleben