Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 2 (15.11.1925)
- Date
- 1925-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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bilden und ei? nicht schwelgerisch zu genießen, sondern realpolitisch und sittlich in Taten wirklich werden ,yu lassen." (S. 2G5.) Die Aenor-nung -er Lehrerbildung. (Referat, gehalten auf dem Lehrerverbandstage zu Köln.) Von W. Buchheim, Essen. Daß die Frage der neuen Lehrerbildung endlich uns dein Nahmen der theoretischen Erörterung heransgetreten ist und - praktische Gestalt anznnehmen begonnen hat, haben wir nicht nur dem Politischen Umschnumg in Deutschland zil verdanken, auch nicht den veränderten Verhältnissen ans wirtschastlichem und nnterrichtlichenl Gebiete, sondern in der Hauptsache der über ein halbes Jahrhundert sich erstreckenden, zielbewussten uitö zähen Arbeit der größten Lehrerorganisation Deutschlands, dem Deutschen Lehrerverein. Nur einige'Kernsähe, die in den jahrelangen Kämpfen der dciltschen Lehrerschaft inn die der Bedeutung und Wichtigkeit des Erzieherberufes entsprechenden notwendigen Vorbildung ansgestellt wurden, feien erwähnt: 1818 stellte der „Gesellige Lchrerverein" in, Berlin die Forderung auf: „Die Lehrerbildungsanstalt ist ein Zweig der Universität uitb gibt theoretische, und pr a k t i s ch e A n s b i ld u n g." Im Laufe der Jahrzehnte stellte der Deutsche Lehrerverein den'Wunsch nach Universitätsbildnng immer wieder in den Vordergrund seiner Bestrebungen. Die letzten diesbezüglicheil Forderungen des Deutschen Lehrervereins wurden 1919 in Berlin in die Worte gekleidet: „Die grundlegende Vorbildung wird aus den zur Hochschule führenden allgemeinen und Berufsschulen gemeinsam/mit den Anwärtern anderer wissenschaftlicher und technischer Berufe, keinesfalls auf gesonderten Anstalten, vermittelt. Die erziehnngsw i s s e n s ch a f t l i ch e F o r t b i l d n n g erfolgt auf der dn'rch eine erziehuglgswissenscha ftliche Abteilung (Fakultät) erweiterten Universit ä t." Und so wurde, dank der jahrzehntelangen Arbeit des Deutschen Lehrervereins, Baustein auf Baustein znsammengetragen, bis das Gebäude seinen Abschluß, ferne Kröuung fand in der neuen Verfassung des Deutschen Reiches: „Die L e h r e r b i l d 11 n cj i st na ch d e n Grunds ä tz e n, dies ü.r die höhere Bildung allgemein gelt e n, f ü r d a s R e i ch -e i n h e i t l i ch z n r e g e l n." Welches waren die Gründe, die den Deutschen Lehrervercin zur Ausstellung und Erstrebnng der kurz skizzierten - Forderungen hinsichtlich, der Lehrerbildung veranlagten? Es ist notwendig, mit einigen Worten darauf einzugehen: Der Zusammenhang mit unserem speziellen Thema ist leicht ersichtlich.- ' . Zunächst: Die bisherige Lehrerbildung war eine sogenannte Abseitsbildnng: Der Bildnngsweg der Anwärter des Lehre ebenstes verlief abseits der großen Heeresstraße, auf dem sämtliche arideren Anwärter wissenschaftlicher Bentte ihrem Ziele znstrebten, sie fristete ein beschauliches, kümmerliches Leben, weil sie nicht aus dem starken, lebensspendenden Stamme der allgemeinen Bildung ihre Nahrung sog. Die Lehrerbildung war in eine Isolierung, in eine schmale Gasse hineingedrängt, in eine Gasse, von der keine Seitenstraßen und Verbindirngswege nach oben führten. Der Zögling mußte sich schon mit seinem 14. oder 15. Lebensjahre - für einen Beruf entscheiden und sich für einen Beruf vorbereiten, für den noch gar keine offenkundige Neigung oder Nummer '! gar Befähigung deutlich zu erkennen war, lnochte auch eist-, gewisse Allgemeinbegabung vorhanden sein.. Ein Zürne! war mit großen Schwierigkeiten und Schädigungen für feig ferneres Fortkommen verbunden. Ein H'müberwechjeln von der Lehrerbildungsanstalt zur höheren Schule war eine glatte Unmöglichkeit. — Daß neben diesen und anderen ideellen 'Momenten auch Momente sozialer und wirtschaftlicher Natur mitsprachen — wer will das bestreiten? ' Wer will das einem Stande übelnehmen, der so im Volke wurzelt und sv an der Volksbildung aktiv beteiligt ist? Förderung der Volksbildung ist bedingt durch Hebung der Schllle und diese wieder durch Hebung eines wohl ausgebildeten und wohl vorbereiteten Lehrerstandes. Somit ist die Lehrerbildnugssrage, die inan so oft und mit Recht als das Kernstück der gesamten Schulpolitik itub der gesamten. .Schul- und Volksbildung bezeichnet, das Problem, das uns als Verband sowohl, dessen Mitglieder sich als Glieder der gesamten deutschen Lehrerschaft verbunden fühlen, als auch die gesamte jüdische Dffentlichkeit, soweit sie an der Hebung und Förderung des jüdischen Lebens interessiert ist, eingehendst beschäftigen muß. Die Seminare'gehören der Veri gangenheit an, etwas Neues ist noch nicht an deren Stelle getreten. Was soll werden? Im Interesse des deutschen Judentums, im Interesse eines gesunden Lehrernachwuchses.' müssen nur zu einem unseren Forderungen entsprechenden, uuserm Judentum zum Heile gereichenden'Ergebnis kommen. Wir verlangen vom Standpunkt der jüdischen Religionsgemeinschaft ans, zu deren Führer der Lehrer doch gehört, wir verlangen im Interesse der jüdischen Jugend, die den bestmöglichsten Religionsunterricht erhalten muß, und last bnt not least, wir verlangen im Interesse des wissenschaftlich, sozial und wirtschaftlich nnfwärtsstrebendeu jüdischen Lehrers das Universitö tsftudi n m. Das ist das, Ziel der gesamten deutschen Lehrerschaft, und das muß auch das Ziel des Verbandes jüdischer Lehrervereine sein. Warum? Die einzige für uns mögliche Fragestellung muß d ie sein: Durch'welche Mittel verschaffen wir uns tüchtige, ans der Höhe'stehende Lehrerpersönlichkeiten? Die Lehrerbildung war, wie schon erwähnt, eine Abseiisbildung, der werdende Lehrer war abgesperrr und isoliert vom allgemeinen Bildungsgänge. Dieser Mangel kann nur dadurch überwunden werden' daß ment die zukünftige Lehrerbildung in die Universität verlegt, denn nur hier, am Quell der Wissenschaft, wo.akademische Lehr- und Lernfreiheit herrscht, sind die Bedingungen vorhanden, den Heranwachsenden jungen Mann zu einer Lehrerpersölüichkeit mit einem' abgerundeten vertieften Wissen und mit einer w'stfenschaftlicheu-Fundierung seiner Berufsarbeit heranznbilden und ihn ausznrüsten für die gesteigerten Ansprüche, die an ihn als Kulturträger, auch über seine Schule und sein Knltusamt' hinaus, gestellt werden. Deshalb verlangen wir, — der Verband jüdischerDehrervereine im Deutschen Reiche —, Universitätsbildnng für den werdenden Lehrer, damit er,, ausgerüstet mit der von ihm zu fordernden Weite des Blickes und der umfassenden Kenntnis Lebens und der Menschen, angeeignet und gewonnen am Born deutscher Gcistesknltur, die jüdische Jugend in einen immer innigeren und lebendigeren Kulturzusammenhang mit dom Deutschtum zu bringen in der Lage ist. Das führt mich zur zweiten Forderung: Die Lehrerbildung muß auf interkonfessioneller Grundlage erfolgen. Gerade der Erzieherbernf verlangt, daß der Lehrer stets in engem Kontakt mit den geistigen Zeitströmnngen bleibt. Deshalb muß ihm Gelegenheit gegeben sein, neben seinem eigentlichen Berufsstudinm auch diejenigen Studien zu treiben, die für ihn als künftigen Führer und Erzieher eine unbedingte I üb i f che jä d) u lzeit ung.