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Jüdische Schulzeitung · 1925-11-15 · 2 (15.11.1925) · page 2

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
1 (1925)
Issue
2 (15.11.1925)
Date
1925-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Jüdische Schulzeitung. Plummer :l Gedankens.). „Die durchschnittliche Leistung, die Meinung des c^ofunbiMt N('enschenverstandes,lvird leicht gering geschätzt, das Eigenwüchsige,.'Persönliche treibhansartig gezüchtet; dem Ge-' däctztnis- und Bravheitsinnster entspricht dann das frühreife Muster an Anregbarkeit, Geistreichigkeit mrb gewandtem Allftreten, was im Leben ebenso, versagen wird; außerdem verdirbt die Anregnngs- und Arbeitsschule leicht gerade begabte, nervöse, deshalb leicht zu treibende Kinder, weil sie chie Ruhe durch Nichtanspassen erschwert (anch die Lehrer verbraucht sie viel mehr) und läßt Schwerfällige nicht zu Wart und Ansehen kommen. Jede Unterrichtsart hat ihre Gefahren, jede entartet schon durch ihre Mechanisierung in der Hand von Tausenden von Unberufenen und durch ihre Anwendung ans Tausende von Kindern, die Talent haben, zu scheinen, was eben von ihnen verlangt wird." (S. 331). „Die Berufsausbildung der Frau zu männlichen Bernsen ist heute durch Not bedingt, also muß ihre Berechtigung anerkannt werden; sie nniß als Not bedingt beschränkt werden, sobald das irgend angeht, soweit sie nur aus Freiheitsdrang, Bermögenssncht und Unlust an Hausarbeit angestrebt wird, sofort; jede Frau, die eine volle Männerstelle einnimnrt, hindert eine Frau zu Mann und Kindern zu kommen; und die Ehen, die an Unwilligkeit und Unerzogenheit der Frauen zn ihren Hanspflichten zn Grunde gehen, sind in allen Kreisen gleich zahlreich. (S. 327.) Die Fremdsprachen „sind heute Schmarotzer, die andern Fächern die Hauptzeit rvegstehlen und nicht einmal selbst dabei gedeihen, unzähligen Schülern unnützer Ballast . N n r die deutsche Sprache gehört in die deutsche Einheitsschule, die aber so wesentlich, in den Mittelpunkt als das Hauptfach, so ganz und betont wie irgend möglich. Bis heute weiß bei uns fast niemand, was er der deutschen Sprache verdankt und was er ihr schuldig ist; statt stolz ehrfürchtig, sorgfältig sind wir gleichgültig mit) schlampig im Umgang mit ihr; wir lassen uns von jeden! Fach- und Zeitnugskuli greuliche Fremdwörter und Mißbildungen znmnten, wir können selbst meist nur mangelhaft sprechen und schreiben und legen keinen Wert auf diese „Formeln". (S. 338.) (Ans der Stofsanswahl für die Einheitsschule.) Sehr wichtig ist das jüdische Schrifttum, von dem die Bücher Hiob und Ruth, Psalmen und Liebeslieder nicht nur dem Religionsunterricht überlassen bleiben sollten." (S. 343.) Der letzte Satz mag schon überleiten zn der Frage: wie steht der Autor zum jüdischen Problem, das nach der Ansicht mancher Leute von fundamentaler Bedeutung für Deutschland ist. Wenn man einige Wochen im Ausland leben durfte, ist inan glücklich, daß man nicht auf Schritt und Tritt auf dieses Problem, das anscheinend für Deutschlands Zukunft entscheidend ist, gestoßen wird. .Wenn man gar in der Schweiz Zeuge der Bnndesfeier war, die ein Volk, geeint in Gesinnung unb Wohltnn, begeht, so mag etwas Neid nuf- , kommen, besonders wenn man in einem kleinen zumeist von katholischen Schweizern italienischer Abstammung bewohnten Oertchen die Festrede eines reformierten Predigers aus dem Genfer Gebiet gehört hat. „Die kleine Schweiz ist groß genug, um Inden, Katholiken und Reformierte in sich einträchtlich zu vereinigen, die kleine Schweiz ist groß genug, um friedlich Schweizer, deutscher, französischer und italienischer Sprache znsammenzuhalten. Sie eint ein Geist, der Geist der Freiheit!" Man muß so dem Verfasser unseres Buches nachsagen, daß er der Erörterung nicht ans dem-Wege geht, wenn er auch mit seiner ruhigen Sachlichkeit das „Problem" nicht zn wichtig nimmt. . Er kennt die religiösen Klassiker des Judentums und schätzt sie hoch ein, das bewahrt ihn auf diesem Gebiete vor gehässigen Urteilen, wenn er anch die religiösen Anschannngen des Judentums der Gegenwart und die Schicksale der deutschen Jndenheit in ihren Auswirkungen nicht genügend berücksichtigt. „Indischer kreist" erscheint ihm nur als' ein ungenauer Ansdrnck für Geist der kapitalistischen Selbstsucht, den er auch bei deutschen Fürsten sestznstellen sich nicht schellt. „Der deutsche Kapitalismus, riicht der jüdische in Deutschland, ist der Feind des künftigen Deutschtums, wie der ausländische; er ist heilte stärker als je, die eirizige gefestigte unb geschlossene Macht in Deutschland; wir werden Mühe haben ihn niederzuringen." (S. 108.) Und weiterhin:- „Nicht ein-. mal die Schieber dürfen mir totschlagen (im .Krieg hätte sie eine entschlossene Regienulg erschießen müssen, heut ist's z»-! spät) — nicht die jüdischen allein, das würde nichts nützen, wenn die deutschen leben bleiben; llicht die deutschen nrit, mir müßten ja halb Deutschland totschlagen." Und die Anmerkung ist vielleicht noch gestattet, daß die „Deutschen" schon durch süllf Jahre eines Kriegs so hervorragellde Schieber-' neigllilgeil lind -sähigkeitm gewonnen haben. Mllß nmn du nicht anerkelmell, daß „die Inden" die über mehrere Hunderte von Jahren durch eine korrumpierende Gesetzgebung zum Schacher und Wucher gezwlmgen wurden, eine rclntr: so hohe sittliche Stnltnr sich gewahrt haben? Ich will feine:. Wert darauf legen, wenn Schneider vielleicht der begilemerer:' Ansdrncksweise wegen, Deutsche und Inden unterscheidet, statt voll Deutschen jüdischen und nichrsnoischen Stammes zu reden. Wir tvollen überhaupt nicht empfindlich fein einem Alltor gegenüber, der die ihm der Religion und der Abstarnmnlig nach näherstehenden Dentschell nicht mir strenger Kritik verschollt. Wir haben unsere Fehler, nicht urtümlich durch Blut nlid „Lehre", sondern zumeist als Folgeerscheinungen mittelalterlicher Einwirkungen. Wir haben unsere Fehltr und lvollell an uns arbeiten. Wir wollen auch nicht jede schiefe und ungerechte Beurteilung in dem Buche hier aus Licht stellen, nur einige charakteristische Behauptungen sollen gekennzeichnet werden. Er meint: „Wir sind an 70 Millionen Deutsche — die paar hunderttailsend Juden (selbst die Ostjuden in Derrtichland eiilbegriffen) verschwinden in wenigen Jahrzehnten in unserer Nation, tvenn der Parteihaß anfhört, den Eindentschllngsvorgang zn hindern und zn stören." Oder noch deutlicher: „sie. werden ihre Rechnung dabei finden (ich hätnin des Autors Stelle das anders ans ged rückt! Sp). unsere .Vir!- tnr zn verbreiten und zu erhalten, und werdet! dem deutschen Volke, nicht nur als Sprachgemeinschaft, sondern als kulturelle Wittellsgelilelnschast angehören wollen, zuletzt freiwillig in unsere Blntgelneinschaft eingehen und anfgefogen werden." (S. 112.) Man mag es dem Autor verzeihen, daß er in einem leidenschaftlichen Bestreben nach einem in sich geeinten und gefestigten Deutschtum die Macht des Religiösen ignoriert und anscheinend nicht bedenkt, daß der stammesbewnßte und seiner Religion treue Jude, ohne sich untren zu werden, in aller Zukunft gut deutsch sein kann. Bezeichnend ist, daß Schneider auch von einer Verschmelzung' des Katholischen und Protestantischen spricht. Das geht uns nichts an. Aber ' was er bei dieser Gelegenheit von einer Einigung in der Lehre; sagt — als ob durch diplomatische Verhandlung Religions- veroiniglmg möglich wäre! — zeugt von einer solchen Verkennung der Macht ererbter Religionsvorstettungen und-i -Übungen, daß man ihm auch seine irrige Anschauung über i die Zukunft des Jndeirtums nicht übclnehmen kann. I „Ein Volk ist eine Willensgemeillschast — wer den guten f Willen hat, Deutscher zu sein, die deutsche Volks- und Menschheitsknltnr mit zu verwirklichen und zn vertreten, wer sich; mit Taten frei Helfend Und sich einsetzend zn uns gesellt, der fl

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