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Jüdische Schulzeitung · 1925-10-15 · 1 (15.10.1925) · page 7

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Journal
Jüdische Schulzeitung
Volume
1 (1925)
Issue
1 (15.10.1925)
Date
1925-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nummer 1 Jüdische Schulzeitung. .. T«üte 7 höre und das; keine. Gemeinde einen Beamten für dieses Fach anstelle, der nicht einen von einer zuständigen Be Hörde ansgestellte,Nachweis der Befähigung für dieses Amt besitzt.- 'Wir' verlangen, daß die Gemeindeverbände eine solche Behörde schassen, um diesem offenbaren Mißstände zu begegnen. Die zu gründenden Akademien werden wohl die geeigneten Stellen für diesen Zweck sein. — 3. Bon gegnerischer Seite wurde darauf hingewiesen, daß die von uns beschriebene Vorbildung des Religionslehrers sich von der des Rabbiners wenig unterscheide, daher diese Ausbildung auch dem Rabbinerseminar überwiesen werden könne. Darauf ist zu erwidern, daß in der zu gründenden jüdisch pädagogischen Akademie doch Pädagogik ein Hauptfach, die höhere talmudische wie die homiletische Ausbildung jedoch Nebenfach bleibe, während die Rabbinerscminare naturgemäß das Schwergewicht auf die letztgenannten Fächer legen müßten. Lassen Sie^mich hier auch auf die hoffentlich aus der Schaffung jüdisch-pädagogischer Akademie erwachsende Schaffung einer.Met h o d i k des jüdischen Religionsunterrichts Hinweisen. Wie sehr leidet der jüdische Religionslehrer und sein Fach darunter, daß man in dieser ,Beziehung fast ausschließlich auf christliche Quellen angewiesen ist. 4. Es wurde weiter der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß so akademisch vorgebildete Beamte nach so langer Studienzeit nicht aufs Land oder in die Kleinstadt gehen würden. Abgesehen davon, daß die gleichen Argumente auch von den Gegnern der akademischen Volksschullehrer-Vorbildung hervorgekehrt werden, ist doch auf die Gleichheit 'der Besoldung hinzuweisen, auf die Verschiedenartigkeit der Leistungen nnd endlich auch ans die manchmal vorhandene Neigung für das Land und die Abneigung gegen (die Stadt. In unseres Herren Garten wachsen vielerlei Pflanzen, und nicht alle haben die gleiche Rinde — der Ausgleich wird von selbst kommen. — 5. Auch «eine Aufrückungsmöglichkeit, sowie die Eventualität des Uebertritts in das Volksschnllehrerfach können vorgesehen werden — alles das sind keine unübersteigbaren Hindernisse. L. Ebenso wenig dürfte die Württembergische Regierung sich weigern, das nun genugsam in völliger Gleichwertigkeit geschilderte Religionslehrer-Diplom dem des Volksschnllehrers gleich zu stellen. Ueber alle Einwände, mögen manche sogar berechtigt sein, geht aber die Tatsache, daß wir vor der unabweisbaren Notwendigkeit der Heranbildung tüchtigster Religionslehrer und Kultusbeamten stehen, daß der Bedarf an solchen weit, weit den an Volksschullehrern übersteigt, daß endlich die Ausbildung nach beiden Seite n g l e i ch z e i t i g eine Unmöglichkeit darstellt. Es ist nicht Konjunktur — nein, es ist die Politik bitterster, ernstester Notwendigkeit, die wir treiben, wenn wir solche Anstalten gründen. Wollen wir dem Verfall des Judentums in Deutschland Vorbeugen, so können wir uns dieser unabweisbaren Pflicht nicht entziehen. Fort mit allen Gteichmachungsbestrebungen! Gleichwertigkeit, aber nicht Gleichartigkeit — das sei unsere Parole -im Interesse des jüdischen Lehrerstandes, im Interesse des Judentums! HJ? — es ist höchste Zeit! Mitteilungen -er Schrislleitung. Alle Mitteilungen über Vereinsangelegenheiten, welche in der nächsten Nummer veröffentlicht werden sollen, müssen stets-spätestens bis zum 28. d. M. in meinen Händen sein. — Vereinsberichte werden in der Regel nicht mehr in den Bl. f. Erz. u. Untere., sondern in dieser Zeitung veröffentlicht werden; ich bitte die Herren Schriftführer, bei der Abfassung dieser Berichke sich einer gedrängten Kürze zu befleißigen. Es liegt in unserem eigenen Interesse, daß die Jüdische Schulzeitnng in den weitesten jüdischen Kreisen gelesen wird. Tie Kollegen müssen es sich darum angelegen sein lassen, Abonnenten zu werben; vor allem ist dafür zu sorgen, daß die Gemeindevorstände, Vereine und Bibliotheken sie abonnieren. M. Steinhardt. Ansprachen beim Ingendgokkesdiensl. (Teilweise nach Cassel „Sabbathstnnden".) Von Rabbiner Dr. Gottfchalk, Berlin. 1. Verträglichkeit. *) „Laß doch nicht Streit sein zwischen mir und dir, denn wir sind Verwandte." Amen. Liebe Kinder, diese Worte Abrahams, die euch wohlbekannt sind, sollten in jedem Hause und in jeder Familie mit großer Schrift angeschrieben sein, damit sie sich jeder fest in sein Herz einpräge. Ich bin leider schon so oft Zeuge gewesen, wie gerade unter den nächsten Verwandten, unter Brüdern und Schwestern, Uneinigkeit und Streitsucht herrschte und daß man so selten des schönen Wortes Abrahams achtet. Nur zwei Fehler will ich heute hervorheben, welche Uneinigkeit und Streitigkeiten unter den Menschen herbeiführen: Selbstsucht und Eigensinn. Selbstsüchtig ist derjenige Mensch, der bei allem, was er tut, nur an sich selbst, an sein Vergnügen, an seine Bequemlichkeit, an sein Recht denkt; dabei vergißt er aber, daß andere Menschen dasselbe Recht auf Lebensgenuß und Lebensfreuden haben wie er. Ein selbstsüchtiger Mensch glaubt, alle Menschen seien nur seinetwegen da; wenn er einen Wunsch hegt, müßten sich alle bestreben, ihm diesen Wunsch zu erfüllen; wenn er einen Fehler begangen, so müßte ihn jeder entschuldigen. Habt ihr euch noch nie dieser Untugend schuldig gemacht? Ihr seid noch jung, ihr lebt in einer Familie. Ihr eßt und trinkt zusammen, ihr macht eure Schularbeiten zusammen, ihr spielt miteinander oder geht spazieren. Da mag es oft genug Vorkommen, daß der Raum nicht ansreicht; daß ein Buch, das der eine benutzen will, gerade von einem anderen gebraucht wird; daß die Hilfe, die der Aeltere dem Jüngeren gewähren soll, als eine Last, eine Unbequemlichkeit, eine Störung beklagt wird. Und so hört inan heftige Worte, Klagen, Beschuldigungen, ja, sogar Schimpfreden, und die Ruhe des Familienlebens wird in häßlicher Weise gestört. Ich habe aber noch einen Fehler genannt: den Eigensinn. Und das ist ein böser Fehler. Nichts entstellt ein schönes Gesicht mehr, als wenn sich der Eigensinn in dieses Gesicht eingeprägt hat. Denkt euch, daß ein solcher Mensch mit anderen leben soll. Es ist nicht möglich. Es kann nur fortwährender Krieg unter ihnen herrschen. Liebe Kinder, laßt mich euch zum Schluß folgendes erzählen: Der jüdische Schriftsteller Berthold Auerbach hatte 11 Geschwister, 6 Schwestern und 5 Brüder. Wenn' -unter ihnen Streitigkeiten entstanden, dann sagte die Mutter: *) Anmerk. der Schriftleitung: Der gesch. Herr Verfasser hat uns 20 solcher Ansprachen zur Verfügung gestellt, die wir nach und nach zum Abdruck bringen werden. In einer der nächsten Nummern wird auch ein größerer Aufsatz Herrn Dr. Gottschalks über „die Iugendpredigt" an dieser Stelle veröffentlicht werden.

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