Jüdische Schulzeitung
- Journal
- Jüdische Schulzeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 1 (15.10.1925)
- Date
- 1925-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer l Jüdische Schulzeitung. ‘ire'r» Geist einzüsühren, aus dem Mischne Tora und dem Schulchan aricch, bei deren Auswahl auch aus die Be dürsuisse.des künftigen Kantors Rücksicht zu nehmen ist, dann Bibelkunde einschl. Bibelwissenschast, jüdische Geschichte, allgemeine Philosophie, Religionsphilosophie und systematische Rcligionslehre, Psychologie, Geschichte der Pädagogik, allgemeine Erziehnngs- und Unterrichtslehre, Methodik des Religionsunterrichts, Einführung in die Unterrichtspraxis durch Muster- und Probelektionen, eigenes unterrichten in einer Religionsschule und Schulkunde, homiletische Uebungen nebst Midraschlektüre und für stimmbegabt^ Schüler Unterricht in Mpsik und liturgischem Gesang.' Der Unterricht unlß hochschnlmäßigen Charakter tragen, darf allerdings nicht allein in Form von Vorlesnngen, sondern vornehmlich in der von Uebungen er-, teilt werden, wie sic an. den Universitäts-Seminaren, üblich sind. . Es wäre, wie schon oben ausgesührt Wörden ist, wünschenswert, baß der junge Lehrer, der die Volksschnllehrerprüsung abgelegt hat, auch die Hochschule für Kultnsbeamte besuchte. Für ihn dürfte, da er eine pädagogische Prüfung abgelegt und die Qualifikation für den Religionsunterricht an Volksschullehrer bereits erlangt hat, ein abgekürzter Lehrgang wohl möglich sein. Diese Ausführungen treten nicht grundsätzlich für eine Trennung des Amtes des Volksschnllehrers von dem des Knltusbeanlten ein, sie wenden sich aber - dagegen, daß die Vorbereitung für beide Acmtcr gleichzeitig geschehe. Die Seminare haben allerdings versucht, diese doppelte Aufgabe zu lösen. Unter den heutigen Verhältnissen aber ist eine solche Verbindung nicht mehr möglich. Es ist sogar wünschenswert, daß sehr viele junge Männer das Opfer bringen, ihre Ausbildungszeit so zu verlängern, daß sie 'für beide Berufsarten vorbereitet seien. Doch kann ein solches Opfer nicht von jedem verlangt werden. Mancher befähigte junge Mann würde durch eine solche Forderung davon abgeschreckt werdew, den Beruf des Religionslchrers zu ergreifen. Zn dieser Frage ganz unbefangen Stellung zu nehmen, wird für viele Lehrer, besonders aus dem Westen und Süden Deutschlands, schwer sein. Hier ist seit 100 Jahren der Kultusbeamte in den meisten Fällen gleichzeitig Lehrer an einer jüdischen oder städtischen Volksschule, und der sozi^e und moralische Aufstieg des Lehrers kam' beut Kultusbeamten zugute, der vorher oft als der Meschores der Gemeinde angesehen worden war und nur in geringer Achtung stand. Hier fürchtet man wohl einen Rückfall in die alte Pariastellnng^ wenn eine Verbindung gelöst wird, die sich so segensreich erwiesen hat. <Aber abgesehen davon, daß zu erwarten ist, daß diese 'Verbindung in diesen Gegenden weiter bestehen wird — denn nur wenige Gemeinden werden in der Lage'sein, einen Volksschullehrer und einen Kultusbeamten zu besolden —, ist nicht zu befürchten, daß man dem Religionslehrer die ihm gebührende Achtung versagen wird, wenn er eine Bildung empfängt, wie sie hier in ihren Grnndzügen dargelegt worden ist. Die Ausbildung des jüdischen Lehrers- Kantors und Kultusbeamten. Von I. V. Leoy. (Auszug aus dem Referat, gehalten auf dem Lehrervcrbandstag zu Köln.) Meine Lage ist. in diesem. Augenblick in gewisser Beziehung eine leichte: ich kann den Ausführungen des . ersten Referenten, des Herrn Direktor Dr. Gutmann, im ganzen beipslirhtcn und mich ans diese Jnstimmur.g nach der positiven Seite beschränken. Andererseits ad'c bin ich gezüngen, dem eben gehörten Referat des Kollegen Buchheim*), das mir ganz unbekannt war, ans dem Stegreif entgegen zu treten, und diese "Aufgabe'.wird mir nicht leicht. Ich habe sie dennoch übernommen, da ich hier Hauptsächlich als Vertreter des Kantorennrd Kultusbeamtenstandes stehe und spreche und von diesem Standpunkt ans die Frage selbstverständlich wesentlich anders beurteilt werden muß wie von dem des Volksschullehrers. Schon in Cassel bei einer gemeinsamen Besprechung dieser Frage zwischen dem Lehrer- und dem Kantoren- Verband im Jahre 1010 hatte ich die Ehre, dieses Then a zu behandeln und habe damals u. a. folgende Theftn ausgestellt: ' 1. Der Bedarf an jüdischen Volksschnllehrern n Deutschland war bisher schon ein sehr geringer und wi .d . . . noch mehr schwinden. Das Bedürfnis der jüdischen Gemeinden drängt vielmehr nach der Ausbildung von Religionslehrern und Kantoren. 2. Die bestehenden jüdischen Lehrerbildungsanstalten konnten-dieser Tatsache nicht gerecht werden, da sie ihrer Bestimmung gemäß das Schwergewicht ihrer Tätigkeit auf die Ausbildung von Volksschnllehrern legen mußten und ihnen zur Heranbildung von Religionslehrern und Kantoren nicht die nötige Zeit zur Verfügung stand. 3. Die Angliedernng von Parallelkursen an die alten Seminare zum Zwecke der Ausbildung von Religion;- tehrern und Kantoren würde nur eine Halbheit bedeuten und die Beseitigung der bisherigen Mängel nicht herbeiführen. 4. Die zu fordernde religionswissenschaftliche Artbildung des jüdischen Religionslehrers und die grnndliaie fachliche Durchbildung des Kantors kann nur durch Einrichtung ausschließlich für diesen Zweck bestimmter Vildungsanstalten erreicht werden . . . ' ' 7. Den Abschluß des dreijährigen Lehrgangs soll eine behördliche Prüfung bilden, die in.ihren Forderungen auf dem pädagogischen Gebiete denen der Volksschul lehrerprüsnng entspricht. Wie Sie sehen, haben sich diese von mir verfaßen Thesen schon damals in meinen noch heute für mich maßgebenden Gedankengängen bewegt. Die Verhältuis e, die mich zu diesen Forderungen anregten, haben sich inzwischen nicht geändert; vielmehr haben sie sich aurs schärfste zngespitzt. . - In einer Beziehung dürfte uns die Entscheidung heute leichter fallen als 1010: Die Seminare sind inzwischen der Auflösung verfallen; nur zwei in Preußen und eines in Bayern bestehen noch und — auch diese, schon geborsten, können über Nacht stürzen, in Preußen sicherlich, da, wie heute schon vielfach erwähnt, die Lehrervorbildnng ja grundsätzlich völlig geändert lind den Seminaren entzogen wird. — Der in der ersten Casfeler These bezweifelte Bedarf an jüdischen Volksschnllehrern hat sich inzwischen noch stark verringert. Eine große Zahl alter jüdischer Volksschulen ist, wie Ihnen allen leider nur zu sehr bekannt, inzwischen aufgelöst worden; es werden etwa noch 120 in ganz Deutschland bestehen, von denen auch noch einige auf dem Aussterbeetat stehen. *) Anmerkung der Red.: Das Referat des Haern Buch- Heim ist uns für diese Nummer zu spät zugegangen: es wird in der nächsten Nummer erscheinen. In dieser kommen auch noch die Auslassungen anderer Kollegen über die Lehrerbildungsfrage. die uns schon bald nach der Kölner Tagung zugegangen sind,, zum Abdruck. -