Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 433

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 433 (sequence 62)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2823768-2823769-2823774--1421-2825238
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wir erledigt das Es nicht. Das Es bleibt da, mindestens für das Ich. Ich habe mindestens meinen Leib. Ich esse und trinke. Da hört das Wort auf, wenigstens das gegenseitige. Es ist wie in der Schöpfung; sie wird gerufen und genannt, aber angerufen schweigt sie sogar noch im Menschen Adam— geschweige" denn in den Tieren, Bäumen, Steinen. Soll ich („Jehl") mir nun einfach „Herr46 sein? Meinen Nächsten soll ich um Gottes willen lieben. Soll ich mich der Dinge nicht auch um Gottes willen bedienen? Das Gesetz weist mich grade dazu an. Es läßt mich Herr sein, nur indem es meine Herrschaft überall wieder beschränkt. Das Opfer ist die sichtbarste dieser Beschränkungen, weil es 1. ein Gebot ist, kein Verbot (nur Gebote wirken Sichtbarkeit) und 2. weil es ganz aus meinen weltliehen Zwecken herausfällt. Warum opfern wir dann nicht heut und hier? Wie wir doch heut und hier die B'rochoh1) sagen oder am Jaumkippur2) fasten. Schieb die Frage mal 3000 Jahre zurück! Warum wurden die Höhenopfer von der Thora verboten und nur das in Jerusalem geboten? Da muß etwas ganz Wichtiges dahinterstecken. Alles Menschliche hat kein Maß (vgl. die berühmte Mischnah im .Morgengebet: die Wohltätigkeit und das Lernen3). Alles Dingliche hat sein Maß. Das Wort läßt sich keine Grenze ziehen. Die Dinge verlangen nach c? D Begrenzung. Hier muß es stecken. Was zu Gott geschieht (das Wort, auch das zum Menschen, geschieht zu Gott), kann gar nicht genug geschehen. Aber, was vor Gott geschieht. Denn es bezeugt, daß es noch Dinge gibt. Das darf nicht geleugnet w erden. Aber es ist auch kein Staat damit zu machen („Meine Herrn, mer habbe nichts zu prange" soll der alte Rothschild einmal eine Generalversammlung eröffnet haben). Die Schöpfung verschwindet nicht. Sie verschwinden machen ist Askese. Der Buddhismus ist die legitime Konsequenz der altindischen Opferreügion. Das jüdische Opfer ist die strenge Ablehnung der Askese. Es wird da „nur4i geopfert. Nicht je mehr um >o besser. Es wird das Vorhandensein der Welt anerkannt. Sie wird nicht ,,au/**ge« opfert. Sondern es wird nur von den Dingen geopfert. *) Segenspruch. (Anm, d. Red.) 2) Versöhnungstag. (Anm. d. Red.) 3) Unter den Dingen, für die kein Maß gesetzt ist, werden .,dte Krweisuni; von l lebe^taten und lan Lernen der Thora*4 genannt. (Anm. d. Red.) 133

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.