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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 331 (sequence 82)
Language
German
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MARTIN BUBER GANDHI, DIE POLITIK UND WIR 1. Die Frage nach dem Erfolg Als Gandhi im Gefängnis saß, äußerte sieh ein hoher britischer Beamter folgendermaßen über die damals jüngstvergangene Zeit, als der Mahatma vom Kongreß von Ahmedabad (Dezember 1921) weitgehende Vollmachten empfangen hatte und sodann das Ultimatum an den Vizekönig erließ (Februar 1922), es aber wenige Tage danach, auf den Ausbruch der l nruhen von Chauri Chaura hin, widerrief: ,,Er jagte uns einen tüchtigen Schrecken ein. Sein Programm füllte unsre Gefängnisse - man kann aber nicht immerzu einsperren und einsperren, zumal wenn es sich um ein Volk von 319 Millionen handelt. Und wenn sie einen Schritt weiter gegangen wären und die Steuerzahlung verweigert hätten - wer weiß, wohin das geführt haben würde! Was Gandhi unternahm, war das gewaltigste aller Experimente, die die Weltgeschichte kennt, und nur noch wenig fehlte, so wäre es ihm gelungen. Doch ging ihm der Blick für die menschlichen Leidenschaften ab." Das war falsch formuliert. Was Gandhi abging"", war nicht der Blick für die menschlichen Leidenschaften, sondern die Bereitschaft, sie auszunützen. In dem Widerruf des Ultimatums spricht sich beides, der vorhandene Blick und die mangelnde Bereitschaft, eindeutig aus, wenn darin der Ausbruch der Unruhen eine Warnung Gottes genannt wird, „daß es in Indien noch nicht jene wahrheitliche und gewaltlose Atmosphäre gibt, die und die allein den Massen-Ungehorsam rechtfertigen kann-". Das End- D o urteil des hohen britischen Beamten bedeutet also im Grunde nicht: „Politischer Erfolg ist nicht möglich ohne Blick für die menschlichen Leidenschaften44, sondern: Politischer Erfolg ist nicht möglich ohne Aus- 7 r? r> nützung der menschlichen Leidenschaften. Das ist doch wohl nicht wahr. Aber von hier aus ist weiter nach dem Verhältnis Gandhis zum politischen Erfolg zu fragen. Als, keine zehn Tage nach dem Widerruf, Gandhis Haltung auf der Tagung des allindischen Komitees in Delhi einer starken Opposition begegnete, und er, „um eine peinvolle Erörterung zu vermeiden"*, darauf verzichten mußte, daß die Bezeichnungen „wahrheitlich*" und „gewaltlos46 in die programmatische Resolution aufgenommen würden, schrieb 331

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