Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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einmal von der Seite Gottes her denken lernte. Aber der alte Geist dieser Wissenschaften hat sich derartig fest auf die andere Seite postiert, daß er vor lauter Bäumen — den Herrgott nicht mehr sieht. „Da versteckten der Mensch und sein Weib sich unter den Bäumen des Gartens." 13. „Du Gott der Schau!" Die Völker der Wüste sehen in der Wüste nicht ein beklagenswertes Schicksal. Sie haben keine Sehnsucht, daß die Wüste in Fruchtland oder in Industriegebiet umgewandelt werde. Keppler, der verstorbene Bischof von Rottenburg, schrieb in seinen „Wanderungen und \& allfahrten im Orient44, „daß auch dieses vegetationslose Land seine Bewohner hat, daß auf diesen Sandwüsten, aufweichen die Lebenspulse der Natur erstorben erscheinen, Menschenherzen pochen und ein Volk wohnt, welches stolz ist, Herrscher dieses Landes zu sein". Warum stolz? Was hätte ein Beduinenscheich gesagt, wenn er dabei gesessen hätte, als preisend mit viel schönen Reden ihrer Länder Wert und Zahl saßen viele deutsche Fürsten einst zu Worms im Kaisersaal? Die Gründe des Länderpreises der deutschen Fürsten steigen aus der Tiefe der sächsischen Silbergruben empor zur Ebene der rheinischen Saaten und zur Höhe der bavrischen Stadt- und Klosterkultur, bis der Württemberger den Ruhm seines Landes im Grunde des treuen Schwabenherzens verankert, so daß er als der reichste Fürst aus dem \\ ettstreit hervorgeht. Der Beduinenscheich war nicht dabei. Er hätte wohl von Allah reden müssen, von dem „Gott allein in der \\ üste"\ Aber da wäre sicher auch ein deutscher Bibelexeget dabei gewesen, der mit bedeutsamer Miene an das Wort Gottes über Ismael, den Stammvater des Wüstenvolkes, erinnert hätte. Da stehe geschrieben: „Er wird ein \\ ildesei von Mensch sein; seine Hand gegen alle und aller Hand gegen ihn; fern von seinen Brüdern wird er sein Gezelt aufschlagen." Ich schlage diese Stelle nach, die ich immer als Fluch Gottes vernommen. Ich schlage nach und sehe zu meiner freudigen Überraschung, daß sie ein Segen ist. Gottes Bote spricht zu Hagar: ,,Gebären wirst du einen Sohn, seinen Namen rufe: Gottvernimmt, 327