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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 328 (sequence 79)
Language
German
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denn vernommen hat er deine Not. Ein Wildeselmensch wird der; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn; all seinen Brüdern sitzt er im Gesicht." Sie aber rief den Namen Gottes, der zu ihr redete: „Du Gott der Schau!" Denn sie sprach: „So schaute ich hier dem mich Schauenden nach." Freilich, in Deutschland ist dieser Gott, der den Wildesel zum ehrenden und segnenden Gleichnis erhebt, ein „Unbekannter Gott". Anders, wenn er den Adler oder den Löwen oder sonst ein sympathisches Wappentier herbeigezogen hätte! Und daß es ein Segen sein kann, „allen Brüdern im Gesicht zu sitzen", das wissen nur wenige, obwohl einmal alle an dem Spruch Gefallen fanden: „Viel Feind, viel Ehr!" Daß aber die Geschichte des Volkes Ismaels mit dem Gottesnamen „Du Gott der Schau" beginnt, das hat doch einen sehr hellen Sinn. Wir beten Gott als das oberste Kulturprinzip an und wollen ihn darauf festlegen. Wo wir andere Erfahrungen machen, schreiben wir eine Theodizee. Es steht aber im Buche Jeremia eine merkwürdige Geschichte. Auf Geheiß Gottes ladet der Prophet die Rechabiten ein in die Schatzkammer der Söhne Hanans, des Sohnes Jegedelias, des Mannes Gottes, welche neben der Fürstenkammer ist, oberhalb der Kammer Maasias, des Sohnes Sellums, des Türhüters, also in eine wohlbewachte Stätte reichster Kultur. Und er setzte den Söhnen des Hauses der Rechabiten weingefüllte Becher und Kelche vor und sprach zu ihnen: Trinket Wein! Sie aber antworteten: Wir trinken keinen Wein, denn Jonadab, der Sohn Rechabs, unser Vater, hat uns gesagt: Nimmermehr sollt ihr Wein trinken, noch eure Söhne, und sollt kein Haus bauen, keine Saat säen und keinen Weinberg pflanzen noch besitzen, sondern sollt euer ganzes Leben lang in Zelten wohnen, auf daß ihr lange lebet in dem Lande, in dem ihr als Fremdlinge weilet. Wir haben also dem Befehle Jonadabs, des Sohnes Rechabs, unseres Vaters, in allem Gehorsam geleistet, was er uns geboten hat, so daß wir unser ganzes Leben lang keinen Wein trinken, auch keine Häuser bauen, um in ihnen zu wohnen; auch Weinberge, Äcker 328

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