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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 321 (sequence 72)
Language
German
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in eurem Lande sagen? Siehe doch diese unübersehbaren Scharen! Eurem Lande ist eine Stunde gekommen, die ihr noch nicht kennt!"* Und nach einer Weile sprach er wie betend: „Auch dies wird eine Stunde des Segens sein!44 Nein, das wollte ich nicht verstehen. Es fiel mit vielmehr ein nettes Erlebnis ein: Auf einer unserer Fahrten durch die Städte des Orients ward uns eine Amerikanerin zugesellt, die es sehr liebte, ihre Gedanken über Land und Leute hörbar auszusprechen. Sie reiste wie eine Oberinspektorin des Landes Amerika durch das Heilige Land, um vor allem zu sehen, wo das viele Geld hingekommen sei, das „,wir Amerikaner in dieses Land gesteckt haben44. Sie sah aber viele Männer, die müßig auf der Straße standen oder gar auf dem Erdboden ausgestreckt schliefen. Da vermaulte sie sich und sprach: ,,Die könnten nun doch wirklieh arbeiten! Das Volk hier ist sehr faul! Wir in Amerika . . Sie konnte nicht weiter reden. Denn Asis Raschid, unser Führer, ein Landsmann jenes Isaac, kannte sie und wußte, daß sie schon seit mehreren Monaten von einer Sehenswürdigkeit zur anderen reiste. Und er fiel ihr in die Rede und sprach: „Was arbeiten Sie denn?" Nein, ich will schon gestehen, daß eine Umwandlung unseres abendländischen Ethos vielleicht gar notwendig sein kann — wie sie möglich sein soll, kann ich freilich nicht sagen. Daß eine Stunde kommt, die wir nicht kennen, das sagen uns ernste Propheten. Ich habe nur einige Erfahrungen mit der geistigen Arbeit. Auch deren Hochschätzung ist bei uns auf das höchste gesteigert. Manche Menschen meinen gar nicht leben zu können, ohne eine Antwort auf diese oder jene geistige Frage zu tinden. Das ist ein Gequäle und Gestreite; sogar zu mir kommen sie und fragen, der ich doch nichts zu sagen weiß außer daß dies alles nicht notwendig zum Leben ist — daß nur Eines notwendig ist! 7. Fatalismus Und dieses Eine, dieses W issen um das Eine, habe ich bei den Menschen in der Wüste stärker gefunden als bei den Menschen im Fruchtland. Ich muß mich hier selber sehr arg bezichtigen, denn ich habe sehr viel über das eine Notwendige geschrieben und über das Gottvertrauen, das die Antwort der Seele auf die Offenbarung des Einen Notwendigen ist, so daß man mich sogar des Passivismus und des Quietismus beschuldigte. Habe ich aber wirklich einmal nur das Eine Notwendige, dann kriege 321

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