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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 317 (sequence 68)
Language
German
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und Fruchtland. Es muß entweder eine Zeit oder ein Raum des Lebens entbehren, damit eine andere Zeit oder ein anderer Raum das Leben in Fülle habe. Von unserem Winter, der eine große Ähnlichkeit hat mit den Wüsten, wissen wir schon einigermaßen, daß wir ihm die ganze Fülle des sommerlichen Lebens verdanken. Von den Wüsten wissen wir schier nichts desgleichen, und noch viel weniger wollen wir es wahrhaben v on den Wintern und den Wüsten unseres eigenen kleinen Lebens. 5. Isaac der Syrer Nein, aus den geographischen und historischen Büchern erfuhr ich schier nichts von dem, was ich in jenem Augenblicke auf der Zitadelle von Kairo im Antlitz der Wüste zu lesen meinte. Und ich war traurig und sprach zu mir: „So war es wohl doch ein Traum, was mir gleich von Anfang an so traumhaft vorkam!44 Da läutete der Einsiedler vom Schlegler Berg die Abendglocke. Nur ein ganz leises Klingen drang durch die Doppelfenster meiner Studierstube. Dieser Klang und dieser Berg und dieser Einsiedler und der Friede und die ganze Innerlichkeit meines Lebens und weiter, weiter : alles Friedliche und Innerliche meiner ganzen Kirche — ich sehe den weiten W eg entlang, auf dem mir solches gekommen, und ganz in der Ferne sehe ich die Wüste aufleuchten in demselben Licht, wie ich sie von der Höhe der Zitadelle von Kairo aufleuchten sah. Schon einmal habe ich mit diesem Klange eine Erzählung beginnen müssen, die über den heiligen Hieronymus, den Einsiedler von Bethlehem. Schon damals verschmolz sich dieser Klang mit den Worten des Hieronymus, seinem Lobpreis der Wüste: O Wüste, frühlings duftig von Blumen Christi! O Einsamkeit, in der die Steine geboren werden, aus denen auferbaut ist die Stadt des großen Königs! Und nun wieder! Wieder sang die Glocke des Einsiedlers das Lied von der frühlingsduftigen Wüste und sang es zu Ehren der Frau, auf die unsere Kirche das Psalmwort bezieht: „Der die Unfruchtbare wohnen läßt in seinem Hause als Mutter von Söhnen in Freude/* Ich wollte mir den Hieronymus aus meinem Bücherschrank holen, traf aber unterwegs einen anderen Einsiedler oder Einsiedlerschüler, den Syrer Isaac von Antiochien. Bei ihm blieb ich den ganzen Abend sitzen und horchte und horchte. 317

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