Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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glaube, Gott könne nur das Fette lieben. Es ist in Gott ein Gleichmaß und ein Gleichgewicht weit über unseren Verstand. Gott mußte, wie er gut und über all unsere Begriffe gut sein muß, die Wüste erschaffen, um fruchtbares Land schaffen zu können. Er mußte dumme Menschen erschaffen, um auch kluge schaffen zu können. Wer eine rechte Gotteslehre schreiben will, der darf mir nicht unterschlagen, daß Gott auch die Wüsten geschaffen hat. Gott ist kein Reichswohlfahrtsministerium, mit dessen Wesen man es freilich nicht für vereinbar halten könnte, daß es den fünfundvierzigsten Teil seines Erdgebietes eigensinnig als Wüste liegen ließe, sofern es doch ebensoleicht anders könnte. Gott ist eher wie jener Maler, unter dessen sechzig Werken wohl schier vierzig Bilder aus der Wüste waren. Verwundert befragt, antwortete er: „Wie soll ich denn anders den ganzen Reichtum meiner Farben und des von Gott geschaffenen Lichtes zeigen?" Ich habe natürlich, ehe ich diese Zeilen über die Wüste zu schreiben begann, mehrere Tage geographische, auch verkehrsgeographische und wirtschaftsgeographische Bücher ziemlich großen Umfangs studiert und auch fleißig in Reisebeschreibungen gelesen, war überrascht von der Fülle der Erkenntnisse, die der Forschergeist in der Wüste zusammengerafft hat. Ich öffnete auch wieder einmal die Schränke meiner historischen und archäologischen Erinnerungen, sah an den Rändern der Wüste große Völker und Reiche entstehen und vergehen, sah die riesenhaften Bauwerke jener Völker und wie sie zusammenstürzten und wie die Wüste kam, um sie zu begraben und an ihrem Grabe Wache zu halten bis auf den heutigen Tag. Ich will aber mit dem, was ich gelesen, nicht prahlen, indem ich es hier wiederhole. Es war auch mehr eine Beschreibung ihres Kleides und der Dinge, die sie mit ihrem Kleide zugedeckt hat, und allzu selten war dessen Erwähnung getan, was die Wüste dazu beigetragen hat, daß das Leben an ihren Rändern von so ungeheurer Fülle und Kraft und Gewalt war. Ich hörte jüngst einen Bergmann sagen: „Es müssen viele arm sein, damit einige reich sein können." Und er, obwohl selber arm, sagte dies nicht in Verbitterung; er sagte es zum Tröste eines anderen armen Menschen, und ich sah, wie beide getröstet auseinandergingen, als ob ein Wort von Gott tröstend zu ihnen gekommen wäre. Was in unseren Ländern das Nacheinander von Winter und Sommer bedeutet, das bedeutet für jene Länder das Nebeneinander von Wüste 316