Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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Du ließest sie ruhen zu deinen Füßen wie Maria in Bethanien und sprachst zu allem anderen Land: Du machst dir viel zu schaffen, Martha, nur eines ist notwendig! Wir Menschen sind wie Wanderburschen, die nur jene Orte segnen, an denen sie Nachtquartier und reichliche Zehr bekommen haben. Sind wie die Söhne des Zebedäus vor der Stadt der Samaritaner, die den \\ anderem das erbetene Quartier verweigerten, weil ihr Angesicht nach Jerusalem gerichtet war. Als Johannes und Jakobus dies sahen, sprachen sie: „Herr, willst du, so sagen wir, daß Feuer vom Himmel falle und sie v erzehre!66 Jesus aber wandte sich ab, strafte sie und sprach: .Jhr wißt nicht, wessen Geistes ihr seid!44 Wohl findet sich mancher Lobpreis der Wüste in der Literatur. Aber wenn wir das Wort hätten, das alle Wüsten von der Erde weghöhe, wir würden es sogleich aussprechen und würden nicht einmal fragen : ..Herr, willst du?64 Wir fluchen der Wüste und berufen uns darauf, daß Gott gesagt: „Verflucht sei die Erde um deinetwillen! Dornen und Disteln soll sie dir tragen!" Und niemand achtet darauf, daß Gott mit diesen \\ orten der Erde einen Dienst aufgetragen, den sie in Gehorsam übernimmt. Gott hat die Erde nicht nur als Wohnstätte für die Menschen erbaut; er hat sie auch den Winden gegeben und auch dem Sande; er hat sie auch der Stille gegeben, die er so sehr liebt unter allen seinen Geschöpfen. Er hat sie auch den Geistern zum Wohnort gegeben. Als er zu den Menschen sprach: „Erfüllet die Erde und werdet ihrer mächtig!*\ da entzog er nieht sogleich all seinen anderen Geschöpfen das Wohnrecht auf dieser Knie. Die Erde war vor Erschaffung der Menschen nicht ein leerer Becher mit trockenem Boden. Die Menschen waren nur die letzten Tropfen, die den gefüllten Becher noch bis zum obersten Rande füllen sollten, bis er überfließt. Ich glaube darum nicht, daß die Wüste in den Bereich der Sünde und des Fluches und der Strafe gehört. Auch nicht, daß sie erst dann erfüllt ist, wenn es einmal gelungen sein wird, sie wirtschaftlieh ebenso ertragreich auszuwerten wie das andere Land. Gott hat den Sand und die Dornen und Disteln nicht minder lieb als den Menschen und den fettesten Weizen, denn er hat sie lieb, und seine Liebe ist immer unendlich groß. Eben darum hat er die Wüste geschaffen, damit das fette Land nicht 315