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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 301

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 301 (sequence 52)
Language
German
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nach dem Paar Droben und Drunten, wohl aber Heilige nach dem Paar Draußen und Drinnen. Sie offenbart das Drinnen und heiligt dadurch das Draußen. An dieser selben Heiligung geht Ottilie zugrunde, während Eugenie sie am strengsten, am asketischsten vollziegt, und Charlotte um ihretwillen, um der Heiligung des Draußen willen, ihr Drinnen absterben lassen muß. Die Reihe der Asketen und Asketinnen Goethes ließe sich mehren. Goethe selber erfährt die Askese in voller Wucht erst verspätet, in Marienbad als noch jugendlicher Greis, nachdem er sie so lange und so oft in das Blut seiner Dichtung eingespritzt hatte. Darum hat Goethe nie ..ge funden". Darauf, was Weib als Glück, was Frau als Segen, was Geliebte als Seele bedeutet, auf das ganze Hohe Lied der Liebe, körperlich, geistig, seelisch, hat Goethe resigniert. Die Resignierten dieser Erde haben einen großen Menschen notwendig gehabt, sie haben ihn erhalten. Nichts war ihm daher so zuwider, wie Leidenschaft, Schwärmerei, Pathos. Rhetorik, Geschwollenheit, Ideologie. Ein großer Mann ohne Pathos, das ist selber eine höchst pathetische Sache. End aus Resignation wirft sich Goethe auf — Pädagogik: ,,Die Entsagenden" heißt der zweite Titel von \\ ilheltn Meisters Wanderjahren! Man könnte erstaunt sein, daß Goethe überhaupt so etwas unternimmt. Warum gerade er, der aller Schulgeisterei und Schulmeisterei Abhoble, eine Pädagogische Provinz ersinnt, erdichtet, aufbaut, erscheint abstrus. Wer wäre wohl weniger Erzieher gewesen als Goethe?! sowohl im Leben wie auch im Werke! Ob erzogen, ob unerzogen, er verändert o keinen Menschen. Da gilt geprägte Form, da gilt Dämon : nach dem Gesetz, wonach du angetreten so mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen! Verneinung aller Pädagogik! Auch die pädagogische Provinz gibt Schulmeistern nichts, ist auch nicht Geist vom Geist eines Pestalozzi. Da ist ja alles Bild geworden, nichts ist Werden, nichts wirklieh Er-ziehung, nichts Strafe, nichts Gesetz, nichts Schule, nichts Ziel, nichts Prüfung, nichts Vorbild. Eine Pädagogik ohne Vorbilder ist ein Monstrum, \\ iderspruch wider sich selbst, kein Ideal, nichts für junge Menschen, keine Begeisterung, kein Mitsichreißen — eine wahrhaft resignierte und vielleicht deshalb eine wahre Pädagogik. r> c Diese Pädagogik wird von einem einzigen Worte beherrscht, dem Worte Ehrfurcht. Vor wem? vor dem Erzieher? vor dem Zögling? vor r* 301

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