Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2823768-2823769-2823773--1276-2825092- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beispielsweise habe ich drei solcher Fragen genannt, alle drei ganz aus dem Reich der Bedingtheit erwachsen: aus den gegenwärtigen deutschen Zeitumständen: die der Kriegsteilnahme, der Erziehung und der (ieldzinswirtschaft. Daß ich sie beispielsweise nennen konnte, bezeigt, daß sie mir noch hypothetisch sind, noch nicht so angedrungen, daß ich verlangen dürfte, um des Gewissens willen müßten die Freunde sie mit prüfen. Dennoch steckt in allen Gewissensunruhe. Mich persönlich hat die letzte letzthin angefaßt, weil hier in Braunfels ein ernster Mensch lebt, dem sie gewissensmäßig geworden. Das große Wort Christi — es ist übrigens durchaus nicht so, daß jedes Losungswort gerade ein historisches Christi sein müsse — geht mir durch Kopf und Herz: yr/rtü<k ixarm toiu(Zit<m „Werdet mächtige Bankiers!44 Was wir doch auch ja nicht spiritualisieren wollen. Da wir nun bescheiden sein müssen, wie wir es auch waren bei der Wahl des neulich besprochenen Worts, das auch nicht mit alleinherrischer Wucht sich als selbstverständlich alleiniges zum Programm aufdrang, sondern es schien wohl, daß auch andere Worte hätten gewählt werden können, aber es ergab sich doch, daß eben dies Wort sich recht eingestellt hatte: so dürfen wir auch einem leisen Zug folgen und also unserer schon wieder in absehbarer Zeit nötig werdenden Besprechung auch eins dieser drei beispielsweise vorgelegten Worte — oder zu wortenden Fragen — zur Prüfung aufgeben, oder andere, die aus dem Kreise sich melden; es dürfen ja wohl auch mehrere Worte sein, mehrere Fragen; denn wir werden nicht glauben, in einer Besprechung über die allerersten Anfänge herauszukommen, wie weitere Klärung soll erfolgen. So erbitte ich die Meinung der Kreisteilnehmer —selbstverständlich sämtlicher—, die wohl am besten zu Händen unseres neulichen \ ersammlungsleiters Buber geschieht (ich erhoffe Dein Einverständnis, lieber Buber), über Herrigels und meine Anregungen und, wenn sie Echo rinden (ob auch nicht durchaus zustimmend), um Äußerung insbesondere, ob w ir in nicht langem uns wollen wieder versammeln und mit welchem Programm. \\ ird meinen Anregungen insoweit recht gegeben, so w ürde ich insbesondere die j üngeren Männer bitten, weil sie dies vorab betrifft, zu erwägen, ob die Frage der Teilnahme an einem Krieg wie gekennzeichnet soll zur Beratung gestellt werden. Desgleichen die Freunde vom erzieherischen Beruf, ob ihnen aus ihm ein zu Entscheidendes sich kundgibt. Und so jedem aus seinem Bereich. Genug! Mögen wir vorerst wieder in betendes Schweigen zurücktreten! 289