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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 288

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 288 (sequence 39)
Language
German
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geschichtlichen Kirchen entzogen; ja mehr: den Segen eines Bekenntnisses, darin auch das historisch Bedingte seine Ewigkeit hat. So schwanken sie zwischen Gesetz und Subjektivismus. Ihre Entstehungsgeschichte macht dieses begreiflich. Wir Deutschen von heute teilen sie aber nicht. Wir haben die reinliche Mitte zu ziehen und weder zu prätendieren, die überhaupt an die Welt zu stellenden sittlichen Forderungen zu vertreten und in uns zu erfüllen, noch die Gestalten und Formen, in denen das Absolute sich im Bekenntnis ausspricht, sofern wir ihr Teil sind, entbehren zu können und überhaupt ersetzen und darstellen zu wollen. Wir haben uns nicht dem innern Licht zu überlassen, sondern dem klaren ort, aber haben stehen zu lassen tausendfältiges anderes echtes und unechtes Wort neben dem echten, d. h. neben den echten Worten, die zur Echtheit unserer Entscheidung sich uns geben. Wir können nicht unsere Mitte behaupten wollen, als sei sie die Mitte zwischen objektiver Starrheit und subjektiver Verflüchtigung; wir können dies nur je für uns angesichts je einer Gemeinschaftsentscheidung behaupten, die uns zwischen Objektives und Subjektives so mitten stellt, daß bei unserem Nichtfolgen wir freilich erstarren oder uns verflüchtigen würden. Ich darf zum Ende dieses lang gewordenen Briefes schreiten. Auf die Frage des Kosmischen und Metakosmischen gehe ich hier nicht ein. Selbstverständlich will meine Auffassung vom Wort als Gebot nicht das ort definieren, sondern nur unsere Aufmerksamkeit auf die uns zunächst treffende Spitze hinlenken. Was in der Schöpfung wäre nicht Wort Gottes? Aber ich meine, wir wollen Elementarschüler werden; was einer für Philosophie haben mag und für Gedanken über Gott und Welt, ist eine Sache: eine andere und die uns gemeinsame, ist, je ein Losungswort gewissensmäßiger Handlungsvereinigung zu finden. Wenn auch bei dem Suchen und Prüfen ein jeder aus seiner Philosophie und seinen Gedanken von Gott und Welt heraus reden muß. Und soweit auch diese zur Gemeinprüfung verstellen. Aber nicht um ihretwillen. Wenn die Ausführungen meines Briefes Wahrheit in sich haben, ist das nächste Wort, das sich uns zur Prüfung aufdrängt, das Wort Schule im entwickelten Sinn. Da es aber ganz praktisch entwickelt ist, wird seine Berechtigung sich nicht abstrakt durchprüfen lassen. Es wird eine praktische Gewissensanforderung gemeinschaftlicher Betätigung sich uns andrängen müssen, um an ihr, ob Gehorsams-Schule sein kann, zu prüfen. 288

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