Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrigel selbst folgt in seinem Brief einem solchen Ultimatum. Er folgt der Paradoxie des Widerspruchsrechts, daß er um der Gemeinschaft willen gegen die Gemeinschaft protestiert. Aber dieser Protestantismus darstellt nur die Negative. Und darin hat er recht, daß vom Bekennenmüssen aus — denn es ist ein Prinzipielles! — Gemeinschaft stiftende Positive es nicht gibt. Darin aber unrecht, deucht mir: zu einem neuen Bekenntnis zu kommen, sei uns allen wohl das Ziel. Nein: sondern zu dem gemeinsamen Gehorsam eines Tuns zu kommen! Eines, weil gehorsamenden, unprinzipiellen! Mit Bewußtsein in der Sphäre der Bedingtheit sieh haltenden, aber unbedingt gerade dahin hineinbefohlenen, und dies nicht allgemein-prinzipiell, sondern an einem konkret gestaltigen Punkt, von dem aus Prinzipien nicht entwickelt werden dürfen. Beispielsweise: angesichts der Möglichkeit eines neuen Kriegs, ähnlich wie der eben hinter uns liegende geführt, mit jeder Art von Mordtechnik und Verwendung der Menschen zu seelenlosen Trägern derselben, kann es Pflicht sein, die Teilnahme an seiner Führung zu verweigern, und Sinn einer Gemeinschaft: diese Verweigerung zu verstärken; aber dieses Ge- O C5 wissensultimatum muß sich gänzlich freihalten von dem \ ersuch, prinzipielle Linien dahin zu ziehen, ob Krieg, ob Tötung überhaupt unstatthaft oder unter welchen Umständen nicht, und was dergleichen ist, wofern sich es nicht alsbald ad absurdum führen will und durch ^eine eigenen Konsequenzen sich unmöglich machen. Nun kann aber der Mensch nicht unterlassen, seine Unendlichkeitsanforderung geltend zu machen, und muß also aus seiner Aktion und Passion ein unendliches Prinzip machen, es sei denn, daß er eine andere Sphäre gefunden habe, darin er sich unendlich gewinnt. Er kann sich aber auch nicht in zwei Sphären zerlegen, ohne Verneinung des einen L nendlichbegeliren-. Er kann also jene unprinzipielle Selbstbeschränkung vollziehen nur auf dem Punkt oder innerhalb der Sektion, an dem oder in der die zwei Sphären sich berühren oder schneiden. In der die Sphäre des Absoluten die der Bedingtheit erreicht, ohne sie zu durchdringen. I nd nur der Mensch kann absolut Gebotenes tun im Reich des Bedingten, der sich zum \ ereinigungspunkt dieser zwei Sphären erschließt: worin eben die Freiheit seiner Verantwortung steht: sittliche Handlung übersittlich zu tun. Ist es aber nun Tatsache, daß die Sphäre des Absoluten so jeweils und jewo die des Bedingten erreicht? Da die Erreichung sich denken ließe 279