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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 278 (sequence 29)
Language
German
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IRI
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EIN BRIEF VON FLORENS CHRISTIAN RANG Braunfels, 10. August 1921. Liebe Freunde der Gelnhaarer Zusammenkunft. Insbesondere Herrigel, Buber und Spira. Herrigel hat in dem mir zugegangenen Brief an Buber (der sich mit einem von mir an Herrigel gekreuzt hat) die Wellen unserer Zusammenkunft schriftlich weiter gewogt. Vielleicht ist dies Zwischenstadium nicht vermeidbar. Aber doch wohl nur in dem Sinn, daß wir uns in ihm aufklaren, ob die Gemeinschaft auf Gegensätze geführt hat, vor denen als dem letzten uns Faßbaren und Fassenden wir ehrfürchtig stillstehn müssen und gehn auseinander, gewiß zwar unserer Verbundenheit im uns Unfaßbaren; oder aber ob ein Drittes sich schickt, jene Gegensätze, ohne sie um ihre Wahrheit zu betrügen, in ihrer Sphäre beruhen zu lassen und in anderer Sphäre gemeinsam zu arbeiten. Was denn ein demnäehstiges zweites Zusammenkommen erheischt. Die Frage ist: gibt es einen Treffpunkt zwischen der Sphäre des Unbedingten und Bedingten (ich lehne mich an den Sprachgebrauch Herrigels und der Diskussion an) — und wo? Herrigel erläutert die Frage zutreffend: ..Was ist das Letzte, das wir nicht können, und das Erste, das wir müssen?" Aber mir scheint: dies „müssen" muß in seinem doppelten Sinn klar werden: in dem von Nezessitierung und dem von Gehorsam. Gibt es Gewissensgehorsam in dem Sinn, daß der Mensch etwas zu tun (lassen, leiden) sich verbunden erkennt, was er materialiter anerkennt als nicht unbedingt gültig und im Verhältnis wozu er sein Pflichtbewußtsein ebenfalls anerkennt als in der Welt der Bedingtheit verwurzelt (wie denn Gewissen selbst ihr mit angehört) — welchem Bedingten er aber dennoch auch unbedingterweise sich verbunden erkennt? Wo die Unendlichkeit der Seele einströmt in ein Gebot, das nach Inhalt wie Form sie doch als endlich erkennt und außerstande, ihre unendlichen Ansprüche zu befriedigen? Die Frage darf nicht psychologisch bejaht werden von einem: „Hier stehe ich. Gott helfe mir, ich kann nicht anders. Amen" aus. Aber diese subjektivisch-individuelle Grenzfühlung gibt doch auch für den objektivgeistigen Bereich zu erkennen : es handelt sich um den Gehorsam an einem bestimmt-einzelnen Punkt, im Gebiet des Handelns also in einer einzelnen Tat. Tatweise, Tatreihe, aber nicht um ein Prinzip von Betätigung überhaupt, überhaupt nicht um Prinzip—nicht principium, sondern Ultimatum. 278

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