Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht gegensätzlich, ähnlich und unähnlich. Zur ästhetischen Betrachtung der Geschichte mag eine solche zweifelhafte Problematik ausreichen, für die Verantwortung in Gegenwart und Gemeinschaft aber bedeutet sie eine Gefahr, denn die Versöhnung der Gegensätze ist nur Einbildung und schöner Schein. Der Charakter des Gestaltsystems ist mythisch und ästhetisch. Wenn auch seine geschaute Struktur nicht logisch erdacht wurde: sie bleibt in ihrer Gestalt nicht weniger Ideologie als der Idealismus, zur Deutung des Erinnerten wohl dienend, aber für die Gegenwart und ihre Verantwortung gefährlich. Dieses neue Denken fordert, das ist seine Konsequenz, die Ausbildung des geschöpflichen Ichs und seiner egoistischen Sorge an der Umwelt absolut, solange in der Dialektik der Prinzipien im Gegensatz zum Idealismus das objektive Prinzip, die Natur als Ursächlichkeit und das Absolute als Ursache der Schöpfung betont bleibt. Solche Ausbildung zu einer natürlich existentiellen Eigentlichkeit bleibt jedenfalls humanistisch. Der zugrunde liegende Glaube führt auf den Gipfel der Humanität. Eine Monarchie des natürlichen Menschen wird in Volksbildung, Jugendbewegung, in neuer Pädagogik, Rechtsreform, in philosophischer und theologischer Dialektik beispielsweise gefordert. Man kann das auf Grund des Paradox natürlich wieder bestreiten, denn die Herrschaft ist ja auch an das Absolute zugleich abgegeben. Da aber der Gegensatz eigentlich in der Harmonie immer schon aufgehoben ist, so bleibt die Herrschsucht des Menschen im einzelnen auch da betont, wo er in der Fragehaltung sich von Augenblick zu Augenblick in seinem Sein neu auszulegen sucht. Das heißt doch auf dem Boden des Willens nichts anderes, als das individuelle Gesetz aus seinem Triebe sich geben lassen, um sich damit gegen die allgemeine Norm und ihre Ordnung aufzulehnen. Hier wird der Gegensatz und Widerstreit von Idealismus und Voluntarismus deutlich. Dieses eingebildete natürliche Bild des neuen Denkens ist also in Wahrheit nur eine andere prinzipielle Ansicht des Menschen und seiner Welt, nicht mehr und nicht weniger zureichend als die Systeme der Idealisten. Es stellt freilich einen anderen Gegenstand dar, der aber nicht mehr und nicht weniger wirklich ist, als die Welt der Idealisten. Eine neue Begründung der Wissenschaft und Erinnerung tritt in den Wettstreit der Systeme ein, ein Streit, der nicht erst heute entbrannt ist. Die Geschichte 274