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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 252

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 252 (sequence 3)
Language
German
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den an, das nicht besser benannt werden kann, als es (im Gespräch) Buber benannt hat: ein Empfinden von „Richtigkeit", Richtigkeit des Worts, der Folge von Worten, des Rhythmus und der Folge von Rhythmen im Ganzen des W erks. Eine Richtigkeit, die uns nun recht verstehen läßt, wie Goethe in dem Satz, den ich anführte, das Erstehen des Gedichts in seinem Innern als Gleichnis für das Erstehen wissenschaftlicher Erkenntnis in seinem Innern hat brauchen können, so augenfällig verschieden doch beides ist. Wie der Mathematiker weiß, daß ein Satz, den er einsieht, gültig ist kraft einer Richtigkeit, die war, ehe ein Mensch den Satz kannte, und sein würde, wenn Menschen ihn nicht mehr kännten, so weiß der Dichter von der Gültigkeit des „richtigen" Gedichts. Wandelbar wie die Formen der Sprache sind freilich auch die Formen des Vorstellens und Fühlens, Denkens und Strebens, die jeweils im Gedicht sprachliches Leben haben. Daß aber eine bestimmte Wesenheit in dem ihr historisch zugeordneten bestimmten Sprach- und Seelenstoff eine und nur eine bestimmte adäquate dichterische Form hat, das bleibt unwandelbar, und wenn uns in W ahrheit gelingt, wieder an den Ort einer solchen verschollenen Wesenheit zu kommen, etwas im eigenen Innern zu ihr zurückzuwandeln, so kann die Gedichtgestalt, die ihre adäquate Form ist. in uns wieder Leben erlangen. Die Wesenheit mag einen Augenblick lang nur in der Geschichte der Menschheit und eines dichtenden Menschen erschienen sein — die Proportion zwischen ihr und ihrer adäquaten Gestalt galt vorher und wird nachher gelten. Um diese Proportion an unserer Seele als wirklich zu spüren, lernen wir die fremde oder tote Sprache eines ewigen Gedichts, versetzen wir uns, so gut wir können, an fremden historischen und geographischen Ort, machen wir aus der leisesten Möglichkeit unserer Seele fremdestes Wesen in uns wach. Alle Aktivität des Dichters wird von dieser Proportion in Passivität gegen ihr Gesetz gebunden. Wo das Tun des Dichters dem Gesetze folgt, wo es des Gesetzes Fügung erkennt und verzeichnet, da gilt sein Tun; wo er solcher Fügung eigene, willkürliche entgegensetzt, hat er das Werk verscherzt. 2 Haben wir so die Aktivität des Dichters im Dienst seiner Passivität gefunden, so gilts nun auch die Passivität des Hörers als etwas zu erkennen, was nur kraft seiner Aktivität sich erfüllen kann. Vergegen- 252

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