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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 251

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 251 (sequence 2)
Language
German
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in Frankreich berichtet aus der Zeit jenes Feldzugs ein eigenes Gesprächswort über die Farbenlehre: „Denn es ging mir mit diesen Entwicklungen natürlicher Phänomene wie mit Gedichten: ich machte sie nicht, sondern sie machten mich." Das Wort wiegt doppelt im Munde des Dichters, der immer wieder den Zusammenhang von Erlebnis und Dichtung, den Bekenntnischarakter des Gedichts betont hat. Wie konnte denn gerade ihm das Gedicht als etwas vor ihm und seinem Erlebnis Seiendes erscheinen. das ihn macht, nicht von ihm gemacht wird? Ein Gleichnis des Tschuang-T>e hebt uns über den Schein des Widerspruchs hinaus. Der Meister des Glockenspielständers, der wie von Geisterhand geschürten ist, erzählt das Geheimnis seines Schaffens: alles, auch sich seilet hat er vergessen und geht im Hochwald, bis er einen Baum sieht, der „„die rechte Form** hat. Und nun heißt es (nach Bubers Übersetzung) mit wunderbarer Genauigkeit: ,,Da erschien mir der Glockenspielständer.** .Nicht: nach dem Baum formte ich das Werk — sondern: als ich den Baum sah, erschien mir das Werk. Die gewachsene, im Leben begegnende Form des Baums ist die rechte, nicht weil sie etwa die Form des Glockenspielständers wäre, sondern weil sie fähig ist, diese andere, ewige Form erscheinen zu lassen, an sie zu erinnern. Der Baum ist das Erlebnis, der Glockenspielständer die Dichtung. Was im Erlebnis der über ihm auftauchenden ewigen Gestalt nicht entspricht, erscheint im Gedicht getilgt oder gewandelt, was ihm an der Ganzheit jener Gestalt fehlt, ergänzt. L nd : un ist. der Dichter weiß es, nichts Neues gemacht, sondern ein Ewiges gefunden, und so gilt Schillers Distichon: Aber das Glückliche siebest du nicht« das Schöne nicht werden. Fertig von Ewigkeit her steht es vollendet vor dir. <D O Soviel der Dichter bessert und „feilt", Wort mit Wort. Rhythmus mit Rhythmus vertauscht — es ist darin kein willkürliches Spielenlassen des Gehalts durch viele Formen, damit endlich die reizvollste bestehen bleibe. Es ist der Vergleich von Form um Form mit der erschienenen ewigen und das Prüfen, ob die in Wahrheit festgehalten sei. Erst wenn das erreicht ist, nichts erfunden, sondern das von Ewigkeit her Fertige entdeckt, ist der Dichter in Frieden mit seinem Werk. Die Übereinstimmung ' o des Verzeichneten mit dem Erschienenen kündet sich durch ein Emptin-

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