Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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des aufzuweisen, den sie im Unterschied von dem heutigen Monde den Tertiärmond nennen. Diese Forscher glauben beobachten zu können, daß sich der Mond nicht in geschlossenen und stabilen Kreisen, sondern in Spiralen um die Erde bewegt. Auf diesem Spiralenweg kam er aus weitester Ferne auf die Erde zu, war einst ein Stern wie der Mars, der nach dem heutigen Monde daran sein wird, von der Erde eingefangen zu werden. Er kam auf die Erde zu und kommt immer weiter auf die Erde zu. Genau so muß es der Tertiärmond getan haben, und man kann sich nun alles weitere denken, was damals geschah und was wieder geschehen wird. Je näher der Mond kam, desto größer wurde seine Anziehungskraft auf die Gewässer, auf das Gew ölk und auf das Luftreich der Erde, und desto mehr glich er seine Geschwindigkeit der Bewegung der Erde an, bis er über dem abessinischen Hochgebirge in Afrika stehen blieb. Dem Augenschein nach! Denn tatsächlich wanderte er eben mit dem abessinischen Hochgebirge jeden Tag einmal um die Erdachse. Von seinem Stand- oder besser Wanderorte aus zog er nun Wasser und Luft der Erde auf einen einzigen Gürtel zusammen. Dort entstand eine Sintflut von grauenhafter Gewalt, während die Länder nach den Polen zu von der schützenden Decke der Luft entblößt und der Kälte des Weltraums ausgesetzt wurden, die ja auch im vorigen Winter während der sternklaren Nächte in unseren Ländern einbrach und uns zeigte, was sie vermag. Bis an die Alpen hin stand alles in strotzendem Eis. Der Mond kam immer näher, wurde immer größer, riß sich von seinem Standorte los, jagte wahnsinnig um die Erde, sog sogar an der Kugelgestalt der Erde, so daß die Erdkruste an vielen Stellen brach und gewaltige Erdbeben den Schrecken vermehrten. Das Eis des Mondes schmolz bei diesem wahnsinnigen Gerenne und fiel in riesenhaften Wolkenbrüchen auf die Erde. Die ältesten Bücher der Menschheit w issen noch von einer solchen Sintflut. Endlich zerbrach der Mond und sauste in gewaltigen Trümmern auf die Erde herab. Es müssen sich damals wie durch ein Wunder einige Menschen durch alle Schrecken hindurchgerettet haben, sonst wüßten unsere alten Sagen und Geschichten nichts mehr davon. Sie sprechen aber von einem Volk der Proselenen, also von Menschen, die vor unserem heutigen Monde gelebt haben; reden von einer Zeit, „da der Mond noch nicht war", erinnern 245