Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
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Männer und Frauen sind, hätten von einem solchen frommen, kirchlichkatholischen Leben gleich gesagt: „Wir wissen, was noch fehlt: Alle diese sieben heiligen Sakramente müssen erst eingetaucht werden in den Krug des Geistes. Das Fleisch nutzet nichts, der Geist ist es, der lebendig macht. Das Bild des Menschen ist erst dann vollkommen entwickelt, wenn die Sakramente in sein wirkliches Leben verwandelt sind und wenn die sieben Gaben des Heiligen Geistes wie die feinen Goldtöne einer guten Photographie erscheinen : der Geist der Weisheit und des Verstehens, der Geist des Rates und starker Hilfsbereitschaft, der Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit und der Geist der Gottesfurcht!66 So weit hatte ich damals meine Schulkinder erzogen, daß sie so gewitzte Antworten geben konnten, und einige sagten mir später, daß sie wohl bei jedem Sakramentsempfang dächten: „Dieses war das Sakrament. Das habe ich empfangen. Nun aber muß Geist und Leben werden, sonst ist das Sakrament vergeblich empfangen." Und ich hatte einen so ganz richtigen Lehrerstolz bei solchen Antworten und Reden, eine tiefe innige Freude. Aber ach! Hunderte von meinen priesterlichen Mitbrüdern unterrichteten mindestens ebensogut wie ich, und Tausende von Katholiken hatten solche Lehre begierig aufgenommen und waren ehrlich bemüht, in ihrem Leben ernst damit zu machen. Ja, alle Priester lehren so, und wer schon auf Priester hört, der hat auch ehrlich guten Willen, nach ihrem Worte zu leben. ie kommt es, daß einer der besten Priester, die ich kenne, in die Klage ausbrechen mußte: „Das Ergebnis unserer Erziehung sind nur selten Vollmenschen, also Menschen voll der Kraft und voll der Gnade, nicht selten aber religiös unselbständige, unfreie, scheue, ängstliche, enge Gemüter - seelische Krüppel?" Er hätte weiter sagen können: „Gerade die, die sich unserer Erziehung entziehen, werden nach allerlei innerem und äußerem Bruch mutige, offene, starke Charaktere, an denen wir selber Freude haben müssen, so sehr wir uns auch gegen diese Freude wehren. Wir sprechen nur dann gar zu leicht: ,Letztlich haben sie dies doch von uns!' Und manche von uns verschüeßen mutig die Augen, dozieren mutig weiter und sind sehr mutig gegen die, deren Augen nun einmal offen bleiben, und andere verfallen einer Mutlosigkeit, in der sie nur das Bewußtsein tröstet, daß sie ja ihre Pflicht getan hätten." Ich weiß auch nicht, wie ich da helfen soll. All mein Reden und Schrei- 240