Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
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liehe Tatsachen, bringt, wie schon anderwärts einmal ausgesprochen, nun auch die innere, die sinnvolle Versöhnung und gegenseitige Abklärung zwischen einem religiösen Urwissen und einer aus anderen Quellen der Ehrlichkeit fließenden Naturforschung. Er bewährt von neuem die nun reifer aufgenommene Schöpfungsidee und nimmt die neuzeitliche Entwicklungslehre in sie auf. Was für eine andere und tiefere Erkenntnis sollte auch dahinterliegen, wenn es in dem Schöpfungsbericht des Moses heißt, Gott brachte die Tiere zu dem Menschen, damit er ihnen ihren Namen gäbe. Den Namen: die höchste innere Wirklichkeit, das lebendige Wesen, das in dem uralten Sinn des Namens liegt. Es ist der Schern, die Entelechie, das innere Gestaltungswesen, das innere Gesicht, der lebendig ideenhafte Typus, die „Urform"*. So müssen wir bewußt unterscheiden zwischen der sinnenhaften äußeren Gegenständlichkeit und dem, was sie lebendig darstellt, wovon sie Ausdruck, Manifestation, wofür sie lebenswirkliches Symbol ist. Wir müssen, philosophisch ausgedrückt, aus dem plumpen Realismus einer äußerlich mechanischen Entwicklung- und Abstammungslehre zum cj C Sinn, zur Bedeutung der Formen hinsichtlich der Menschenurform kommen. Das Außere, die Individuen, die Arten, die Reihen, welche über die Bühne der Erdgeschichte dahingingen, sind dafür Symbol. Damit drängt alle Beschreibung und Erklärung organischer Formen, wie zuletzt überhaupt alle Erforschung der Natur, zu einer Symbolik. Die ganze neuzeitliche Abstammungslehre war, ohne daß sie es wußte, eine besondere Art metaphysischer Symbolik von der Entstehung und Entfaltung des Lebens auf der Erde. Und da nach dieser Lehre in ihren verschiedenen Abarten der Mensch, sei es die letzte Spitze, sei es ein alter Typus oder sei es, wie wir meinen, der innerlich zentrale Stamm dieses Lebensganges erseheint, so ist jene Lehre — in modernem Zeitgewand — zugleich eine neue Form, eine neue Umschreibung und Wahrmachumg des uralten Mvthus vom Werden des Menschen. Ein nevierer Schriftsteller hat wohl recht, wenn er sagt: Jede spätzeitliche Wissenschaft am Ende einer Kultur gibt die erneute Wiederholung und Bestätigung uralter naturphilosophischreligiöser Überzeugungen in neuem, intellektualistischem Gewand. Wir erkennen, daß auch die moderne Abstammungslehre, zu Ende gedacht, den Menschen wieder in die zentrale Stellung hineinrückt, aus der man ihn — gerade durch die Abstammungslehre - verstoßen glaubte.