Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
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idealen Stammbaum es seitwärts entsproßt ist. Darum erscheinen im Lauf der erdgeschichtlichen Epochen ganz folgegerecht immer menschenähnlichere Tiere; zuletzt die Menschenaffen, dann ganz vor kurzem der noch etwas pithekoidere Eiszeitmensch, die Australier usw. enn man also überhaupt an dem naturhistorischen Prinzip der Entwicklung festhält—und man muß dies meines Erachtens — so ist die Lehre, daß das Tierreich der auseinandergelegte „Mensch" ist, ein den wissenschaftlich gegebenen Tatsachen besser angepaßter Ausdruck als die bisherigt» Stammbaumlehre, wonach der Mensch ein spätes Ergebnis, womöglich noch eine Art Zufallsprodukt sei. Das sieht nun so aus, als ob damit der stärkste Widerspruch gegen die ältere Stammbaumlehre aufgestellt sei. Und doch hat auch sie, ohne es sich jemals erkenntnistheoretisch klar gemacht zu haben, im Grunde dasselbe gemeint. Sie sagte: der Mensch hat, wie in seiner Embrv ogenie. m> auch als erdgeschichtliche Artenreihe viele Stadien, und zwar vom ursprünglich einzelligen Tier ab durchlaufen. Es geht also der Stammbaum und damit der Menschenstamm bis auf das „Urtier"- zurück. Aber - so sagte die Deszendenzlehre weiter — nicht ein heutiges Säugetier, nicht ein heutiger Fisch, nicht ein heutiger Wurm, nicht ein heutiger Einzeller sind Ahne des Menschen, sondern irgendwelche, noch unbekannte vorweltliche Stadien oder Gattungen. Nun kennen wir aber, wie schon gesagt, gar keine vorweltlichen Gattungen und keinen Tvp, den man für den Menschenahnen ansprechen könnte; alle sind sie aus der idealen Stammbahn herausgetreten, alle sind sie einseitig spezialisierte ..Sackgassen64, die nicht weiter hinaufführten. Sie sind, projiziert auf die hv pothetische Gesamtstammbahn, die ja die des Menschen ist, alle einseitig abgeirrt. Wo sind also in der Erdgeschichte und unter den realen, nicht hypothetisch konstruierten Formen, die Ahnen des Menschen'/ Nun, sie existieren und existierten gar nicht in Form wirklicher Tiere. Mit anderen Worten: Der „Mensch44, d. h. die Entelechie Mensch ist der umfassende Grundstamm; ist die Urform, die aber durch alles fortbesteht und die gegen das Ende der Zeit mehr und mehr erscheint. Die Tierwelt zeigt auseinandergelegt alles, was der ideelle Menschenstamm, die ..L rform" potentiell entelechisch enthält. Es ist also— und die alte Stammbaumlehre enthielt unbew ußt denselben Sinn — der Mensch die grundsätzliche Urform, weil er das Höchste ist. 231