Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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wie das ja im Tierreich gelegentlich begegnet. Und eben indem er diese Keimform bewahre, schreite er gerade dadurch über das Tierreich hinaus. Auch Schindewolf, ein Paläontologe, spricht im Grunde dasselbe aus: Die Embrvonalform des Menschen und der Menschenaffen ist rein menschlich: sowohl die Menschenaffen, wie der in vielem pithekoide Eiszeitmensch entfernen sich mit dem individuellen Alter von dieser reineren Urform: ja auch der jetzige erwachsene Mensch: wir selbst. Hier muß auf eine Erörterung dieses anatomischen Fragekomplexes verzichtet werden. Doch das eine sei gesagt. Wenn irgend etwas daran ist, daß der Mensch in seiner naturhistorischen Gestalt sowohl sehr primitiv ist innerhalb seines Tvpus, wie auch, daß die übrigen Wirbeltiere — von den niederen ist das ja selbstverständlich — ihm gegenüber seitlich abgeirrt sind, so heißt das zweierlei: 1. Der Mensch ist sein eigener Typus, seine eigene Urform, und mit dem Stammbaum ist es zu Ende; 2. der Mensch ist in seiner denkbar ursprünglichsten Form, nämlich als Keimform, schon grundsätzlich Mensch. Er ist also, wenn wir uns noch einen Rest entwicklungstheoretischen Denkens für einen Augenblick bewahren wollen, schon in seinem Urzustand ,,Mensch" gewesen. Dies mündet in meine anderwärts vertretene Theorie ein, daß der Mensch uralt sei und sein eigener Stanm. Will man aber an der Grundidee der Entwicklungslehre als solcher festhalten — und man wird es als Naturforscher wohl noch müssen—, so kommt man notwendig dazu, nun den Menschen als Urform allem Lebendigen zugrunde zu legen. Nämlich so: Keine irgendwie bekannte lebende oder fossile Form ist so gestaltet, daß man sie in den Stammbaum des Menschen als des höchsten Geschöpfes hereinnehmen könnte. Alles ist seitab entwickelt von der Bahn zu dieser Höhe. Ist aber alles seitab entwickelt und besteht dennoch, wie wir alle glauben, irgendein entwicklungsmäßiger, naturgeschichtlicher Zusammenhang zwischen allen Lebewesen und dem Menschen, dann ist eben der Mensch als das zuletzt höchste eben zugleich auch die durchgehende Urform". Da wir gesehen haben, daß etwa die Menschenaffen, also Tier vom Menschen herkommt, nicht er von ihm, so haben wir das Recht, an einer natürlichen Entwicklungslehre festzuhalten, wenn es auch nicht die alte naive Stammbaumtheorie sein kann. Es ist also anzunehmen, daß sich das Tierische immer menschenähnlicher gezeigt hat, je später am 230