Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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woher die wirkliche, die durch Typen als solche, nicht durch Anpassungsvorgänge bedingte Weiterentwicklung des Lebens, woher die wirkliche Höherentwicklung kommt, nicht bloß wie die Spezialisierungen verlaufen. Und eben in dieser Kernfrage bleibt alles, wie nur je zuvor, Rätsel. Nicht aus einem Ineinanderfließen, nicht aus einem steten oder zeitweiligen Spezialisieren kommt der Fortschritt zum Höheren im organischen Reich; sondern dadurch, daß Typen, daß grundsätzlich neue Formbestimmtheiten, grundsätzlich verankerte Charaktergestaltungen da sind, oder nacheinander folgen. Solange sie nicht da sind, wird aus all dem Spezialisieren und Verwandeln und Anpassen und Nachahmen nur ein Vortreiben der Einseitigkeit, zuletzt Erlöschen, weil es eben kein innerer ganzer, sondern ein äußerlich bedingter, einseitiger „Fortschritt"6 ist. Selbst die bedeutendste Hochzüchtung ist immer nur einseitige, oft verderbliche Spezialisation, nie etwas innerlich Neues, Höheres. ★ ★ ★ Fragt man nun auf Grund des Vorstehenden nach der naturhistorischstammesgeschichtlichen Charakterisierung des Menschen, so sieht man alsbald, daß er vor allem typenhaft durchaus geschlossen ist, Er ist grundsätzlich ein Vierhändler, weil auch sein Fuß durchaus die Anlage der Hand zeigt. Unter Hand ist die Greifhand mit opponierbarem Daumen gemeint. Er kann also nie ein Säugetier im typenhaften Sinn der übrigen Säuger gewesen sein; denn diese sind grundsätzlich Vierfüßler. Es weist ferner diese Vierhändigkeit auf allerälteste Stadien des Landtierdaseins hin. Denn nur in sehr alten geologischen Epochen finden wir Andeutungen, daß Vierfüßler so etwas wie einen opponierbaren Daumen primär hatten. Will man also auf Grund dieses Merkmales einen „Stammbaum" ideell konstruieren, so muß man den Menschen, wie Westenhöfer gezeigt hat. unmittelbar an die hvpothetische „Urform" der gesamten Wirbeltierreihe ansetzen und von dieser Urform aus einerseits den gesamten Wirbeltierstamm, andererseits den Menschenstamm divergierend ableiten. Damit scheidet, allein schon durch dieses Merkmal — es ist kein Raum, es für andere hier durchzuführen —, die ganze Wirbeltiersippe seit älterer erdgeschichtlicher Zeit aus dem hypothetischen Menschenstammbaum aus. Aber trotzdem gibt es Säugetiere, die mit ihm zu einem Typus gehören. Das sind die Menschenaffen. Da sie aber sämtlich einseitiger spezialisiert sind als er, so können sie niemals als Voreltern in Betracht 228