Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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ist der Kampf ums Dasein mit allen anderen, ebenso sich verhaltenden Organisationen. Aber der Fortschritt des Lebensreiches von der wirklich niederen zur höheren Organisation kam immer nur dadurch zustande, daß o eben höhere Typen kamen; aber nicht kamen durch Spezialisierung der vorhergehenden, sondern dadurch, daß sie eben dawaren, aus jetzt noch ganz unverständlichen Gründen und auf jetzt noch ganz unsichtbaren \\ egen. Dies ist ja das Merkwürdige, aber auch das, was uns unmittelbar eine Wandlung durch Spezialisation unterscheiden läßt von dem wirklieh Neuartigen und dem wirklich Höheren: jede Spezialisation innerhalb von Gruppen und Typen können wir durchaus verstehen als Anpassung der Körperform an Erfordernisse der Uniwelt in mannigfaltiger ^eise. In einer Krebsgattung vom gleichen Habitus hat die eine Art breite Extremitäten und auf dem Rücken hegende Augen; die andere schlanken Körper mit kurzen Schwimmextremitäten, deren Augen vorne liegen; und es gibt noch viele andere davon. Die erste ist angepaßt an das Liegen auf dem Boden des Meeres; sie braucht gestreckte Beine, damit sie nicht versinkt, und weil sie nur nach oben guckt, kann sie die Augen nur obenauf brauchen; die zweite schwimmt eilig durchs Wasser, braucht kurze Beine, um sich nicht zu hemmen, diese müssen rudern und die Augen müssen vorne sitzen, weil sie vor allem nach vorwärts zu sehen hat. Da verstehen wir die Spezialisierung durchaus als biologische Nutzmäßigkeit, wenn man will als Anpassung. Daß dagegen eine Grundorganisation da ist, auf Grund deren eben die eine Art so angepaßt sein kann, die andere so — dies ist das Rätsel und ist durch alle erdenklichen Formenreihen und Anpassungsvermutungen einfach nicht zu begreifen. An anderer Stelle habe ich dieses letztere Phänomen die innere Zweckmäßigkeit genannt — es ist der Typus — im Gegensatz zur ersteren als der äußeren Zweckmäßigkeit — die Anpassung -, die sich allein deszendenztheoretisch begreifen läßt. Der Mangel an dieser grundsätzlichen Unterscheidung läßt die bisherige Stammbaumlehre stets an der entscheidenden Frage blind vorübergehen; man wirft innere, typenhafte, urbildhafte Grundorganisation mit Anpassung und Spezialisierung unbesehen zusammen. Daher die Unklarheit über den „Fortschritt**. Also immer wieder — und dies ist das ausnahmslos sich ergebende Bild der Forschung — versagt gerade dort die Kenntnis des Stammbaumes, wo sich Entscheidendes zeigen sollte; wo sich erkennen lassen sollte.