Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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so sehr in ihrer eigenen Entwicklungsbahn, in ihrem eigenen Typenkreis befangen, daß man sie aus dem idealen Entwicklungsgang zur Stammbaumhöhe, also zum Menschen, wieder ausschalten mußte. Ja, ^ie ließen sich nicht einmal als Mittelformen oder genetische Ausgangsformen der in ihnen scheinbar verbundenen engeren Nachbarkreise aufrechterhalten. Dieses Ergebnis ist grundsätzlich und ausnahmslos - die \^ orte in ihrer stärksten Bedeutung genommen—ein Erfolg paläontologischer Forschung. Wo man jetzt noch von Höherentwicklung redet, wo man den Stammbaum über engste Typenkreise hinaus noch konstruiert oder auch nur den Glauben an ihn aufrecht erhält, bleibt man stets in einem das Physisch-Anatomische ideell umdeutenden Formalismus befangen; die konkrete Natur spricht anders. Gab so die Vorweltforschung allmählich das Stammbaumbild als eine Fiktion zu erkennen, so wurde auch von anderer Seite her der Glaube an die stammbaummäßige Höherentwicklung erschüttert. Man he-ann sich allmählich darauf, daß die These, der Mensch sei das höchstentwickelte Geschöpf, in anatomischer Hinsicht nicht so klar liege, wie man es, ohne es überhaupt zu durchdenken, von jeher auf Grund der Gedankenerbschaft aus dem 18. Jahrhundert angenommen hatte. Was heißt denn überhaupt genetisch-naturhistoriseh ..höher" und „niederer"? Die Vermehrung und Spezialisierung der Organe, gleichzeitig die Konzentration der Einheitlichkeit des Gesamtorganismu>, die Vereinheitlichung der Herrschaft des Organismus über die \ ielgestaltigkeit der Organe — das ist der Maßstab für das „Höher*". Vielfach wurde dies zusammengeworfen und verwechselt mit dem Begritldes mehr oder weniger Spezialisierten. Am Beispiel wird es klar. Die Muschel des Meeres ist ein Typus, niedriger organisiert als das Säugetier. Innerhalb der Muscheln gibt es nun wieder verschiedene Untertypen und jeder dieser Typen ist mit vielen Arten mehr oder weniger spezialisiert. So auch bei dem Säugetier. Niemals führt nun eine Spezialisierung, mag sie geartet sein wie -ie will, mag sie getrieben sein, soweit sie will, zu einem Hinübergehen in einen anderen Typus, in eine andere Grundorganisation oder in das „„Höhere". Wenn wir — was oft der Fall ist — durch die vorweltlichen Zeitalter schön geschlossene Formenreihen haben, an denen oft Schritt um Schritt die Wandlung eines solchen Tvpus in Reihen aufeinanderfolgender Arten sichtbar wird, so sind solche Formenreihen niemals Stammbahnen in dem 225