Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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die sich als Rückbildungen zu erkennen geben. Das primär Primitive kann aber grundsätzlich nicht von dem schon einseitig Spezialisierten abgeleitet werden. Es war daher eine erkenntnistheoretische Notwendigkeit, wenigstens hypothetisch einstweilen Formen auszudenken, die dem Erfordernis einer auf den späteren Menschentyp hinweisenden Primitivität genügten und als Vermittler dieses aufsteigenden Vorganges naturhaft erscheinen konnten. Daraus entsprangen die methodisch wohl einwandfreien Idealkonstruktionen Haeekels, der nicht nur für den Menschen, sondern für alle Gruppen des vermeintlichen „Stammbaumes" Urformen. Ahnengestalten, Ausgangstypen forderte und angab, wie sie etwa anatomisch beschaffen sein müßten, um als solche mit Recht bezeichnet zu werden. Man erwartete, daß sich solche Typen da und dort unter den vorweltlichen würden nachweisen lassen, wenn nur erst die Urweltformen zahlreicher und gründlicher bekannt geworden wären. Daß sich durch die unglaublich vermehrte Kenntnis des fossilen Tier¬ und Pflanzenmaterials die Unmöglichkeit, aber auch die positive Unrichtigkeit des Stammbaumbildes herausgestellt hat, ist Tatsache. Je reicher unsere Kenntnis woirde, nicht um so klarer wurden der Stammbaum oder auch nur einzelne Linien und Äste des Stammbaumes, sondern um so unverständlicher, um so verwirrter. Es löste sich alles in eigene Typen, in eigene Zeugungskreise, in eigene Stammlinien auf, so daß wir heute zwar auf gewissen Linien eine Umwandlung verfolgen können, aber stets nur eine, die sich innerhalb enger Typengrenzen hält. Statt des erhofften Stammbaumes löste sich alles in ein unübersehbares Buschwerk auf. und zahllose eigene Bäumchen und Sträucher stehen nebeneinander und verwachsen oft so ineinander, daß ein großes Gewirre entstanden ist. Es wurden zwar Grundformen gefunden, iVusgangsformen, Mischformen, wie man sie theoretisch wohl erwartet hatte. Und jedesmal, wenn dies geschah, glaubte man, nun einen eindeutigen Stammbaumbeweis zu haben. So hat man ,,Übergangsformen" zwischen Reptil und Säugetier, zwischen Reptil und Vogel, zwischen vielen Gruppen der Mollusken, Krebse, Korallen, Fische, Reptilien und Säugetiere und hat auch Ubergangsformen zwischen Mensch und Säugetier. Aber jedesmal, wenn solche Skelette der Vorwelt nach und nach durch vermehrtes Material, durch eindringendere anatomische Erkenntnis wirklich verständlich wurden, ergaben sie sich als so einseitig spezialisiert, ergaben sie sich als 224