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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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auskomme, aber die „Natur" werde von der Liebe immer nur das annehmen, was ihr Wachstum fördert, nie aber einer anderen Kraft folgen als der physischen Gewalt. Und dieser Skeptiker hat die Majorität der Menschen auf seiner Seite, sogar — wenn wir nicht die Zeit haben, uns ernstlich zu besinnen — uns selber. Er behauptet sogar, daß kein vernünftiger Mensch je auf einen anderen Gedanken kommen könne, außer etwa ein Dichter und Träumer, und was an gegenteiliger Erfahrung erzählt werde, gehöre in das Gebiet der Legenden und Märchen und könne vor der historischen Forschung nicht bestehen. Selbst Christen, die sich ihrer Bereitschaft rühmen, für jedes Wort des Evangeliums ihr Blut zu vergießen, wagen nicht zu widersprechen, weil es doch gar zu einfältig wäre, etwas Gegenteiliges zu sagen. Aber über dieser ganzen skeptischen Gesellschaft leuchtet auf das Wort, das Jesus zu seinen Jüngern sprach: „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben haben werdet und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht nur das am Feigenbaume tun, sondern wenn ihr zu diesem Berge saget: Heb dich und stürze dich ins Meer, so wird es geschehen.44 Wenn die neue Macht, durch die wir der Erde mächtig werden sollen, stark genug sein wird, dann wird die Kreatur erlöst sein von der phvsischen Kausalität, in die wir unsere Gewalttätigkeit eingebaut haben. I nser Wort wird eindringen in die innersten Kräfte der Kreatur und wird von ihnen erfüllt werden. Jesus nennt diese neue Macht Glauben, begreift aber unter diesem Wort die ganze Fülle des Lebens und der Liebe. Ein Senfkörnlein groß von diesem Glauben wird Macht haben über starke Berge — oder wird die Macht starker Berge haben. Ich will aber nicht das letzte Wort haben wie der Hirtenjunge, ehe mir denn das erste gelassen wird. Das erste Wort aber kennzeichnet sich vor allen späteren durch seine allereinfältigste Einfalt. Alle unsere großen Wissenschaften hatten als Anfang ein ganz einfältiges Wort. Ich selbst bin als alter Akademiker wohl nicht mehr fähig für ein solches Wort. Aber es gibt hier in meiner Heimat noch Leute, die dazu fähig sind. Freilich haben auch sie schon eine schier unüberwindliche Scheu davor, als einfältig zu gelten. Ich muß es ihnen in dem Grade, in dem ich es selbst noch vermag, vormachen, so wie man in manche Pumpe erst ein Kännlein Wasser hineingießen muß, ehe man aus ihnen ganze Tonnen heraus- 151

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