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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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euch die Macht, die in der Erde geborgen ist!" Nichts ist gesagt von Gewalt und Unterwerfung, nichts von Untertänigkeit der Erde als Ausgang der in dem Worte liegenden Verheißung. Oder gibt es nicht auch ein Mächtigwerden in der Liebe? Eine alles bezwingende Kraft der Sanftmut? Hat nicht der Gottesmann Jesus die richtigste und schönste Umschreibung jenes Schöpferwortes gegeben, als er sagte: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen66? Mitten hinein in diese Gedanken wurde mir vom Rotapfel-Verlag das Buch „Gewalt und Gewaltlosigkeit66 zugeschickt, das von Franz Kobler im Auftrage der Internationale der Kriegsgegner herausgegeben wurde. Das Buch ist mehr als eine Tendenzschrift im Dienste des aktiven Pazifismus; es geht weit über seine politische Bedeutung hinaus; es packt jeden an seinem Orte und in seiner Stunde, auch wenn ihm die Frage des Kriegsdienstes oder der Kriegsdienstverweigerung örtlich und zeitlich fern abliegt. Ich selber würde mich, wenn sie mir nahe käme, wohl an das Apostelwort halten: „Jedermann füge sich den obrigkeitlichen Gewalten. Denn es gibt keine Gewalt außer von Gott; die bestehenden aber sind von Gott angeordnet; also leistet, wer sich der Gewalt widersetzt, gegen Gottes Anordnung Widerstand.66 Aber was das Buch leistet: Es bringt die Gewalt an das Sonnenlicht; es enthüllt ihre Gestalt und macht sie sichtbar; es zwingt sie vor das Gericht, und das Gericht wird ihren Anspruch auf Ewigkeit verwerfen und das Urteil verkünden, daß sie ihre Zeit hat und daß sie nach dieser Zeit vergehen muß. Gewalt ist nur eine Strecke auf dem Wege zur Kreatur, und in dem Buche reden ernste Männer und Frauen davon, daß diese Strecke ein Ende haben werde: sie beginnen mutig die „Erziehung zur Gewraltlosigkeit66; sie nehmen den Spruch Laotses auf: Das Erdreich ordnen wollen mit Gewalt, das mißlingt, wie die Erfahrung lehrt. Das Erdreich folgt einer geistigen Kraft, der die Gewalt nicht beikommen kann. Es ordnen wollen, bringt es in Unordnung; es festigen wollen, bringt es ins Wanken. Der Skeptiker sagt, er anerkenne zwar eine Möglichkeit, wenn auch eine ganz utopische, daß man einmal unter den Menschen ohne Gewalt 150

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