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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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wohl die ganze Menschheit, wohl jedes Volk, wohl jeder Mensch durchlaufen muß oder vielmehr zu durchlaufen beginnen muß. Eine dieser Strecken ist die Vergöttlichung der Natur, eine andere die romantische Naturschwärmerei, eine dritte — ich will aber weder eine Reihe noch eine Zeitfolge aufstellen! — die Nutzbarmachung, eine vierte die naturwissenschaftliche Forschung, eine fünfte die Vergewaltigung, eint' sechste die Versklavung, eine siebente die Entdeckung und Erliiidung. Das sind aber nicht alle Strecken; die wichtigsten und letzten kennen wir noch nicht. Zwar die Entdecker und Erfinder haben das Glück gehabt, mit einer Hand hineinzugreifen in den uns noch vorbehaltenen Schatz. Sie sagen, daß sie nach langen Studien und Versuchen dazu gekommen seien, also O ~ wie es scheint, logisch und rationell. Aber wenn man sie ernstlicher tragt, gestehen sie ein, daß letztlich ein Zufall zum vollen Erfolge geführt habe. Es kam ein Tag und eine Stunde, da waren sie völlig verzweifelt und wollten alle Versuche einstellen. Aber es riß sie etwas zu irgendwelchem weiteren Tun. Ihre Sehnsucht war aufs höchste gestiegen. Sie waren mit ihrem ganzen Wesen hineingerissen; sie waren schier selber Holz, Metall, Strom geworden. Da auf einmal kam es. Es war ein Aufeinander/u. Es war ein Augenblick höchster Seligkeit. Strahlend schreitet, so sagt die Schrift, der Bräutigam aus der Schlafkammer. So auch der .Mann, dem das Glück geworden ist, die verschlossene Kreatur zu ötl'nen und ein neues Geschenk aus ihren noch verborgenen Schätzen zu empfangen. Manchem wird es ohne vorausgängliche Mühe und ohne Verzweiflung. Im übrigen gehen wir aber wohl alle noch auf der Strecke der Gewalt. Wir berufen uns auf das Wort des Schöpfers, das da in der landläufigen Ubersetzung heißt: „Erfüllet die Erde und machet sie euch Untertan!** Man spürt schon dieser Ubersetzung an, daß sie von Gewaltmenschen für Gewaltmenschen gemacht worden ist. Sogar das Wort Gottes ist vergewaltigt. Die beiden Freunde des biblischen Wortes, Martin Buber und Franz Rosenzweig, die in höchster Liebe an jedes einzelne Bib'lwort herangehen und es geradezu bitten, daß es in ursprünglicher Reinheit, Schönheit und Kraft, oder wenn es nicht schön oder nicht kraftvoll ist, dann in seiner Armut und Schwäche in die deutsche Sprache einkehre, übersetzen das Wort: „Erfüllet die Erde und werdet ihrer mächtig!** Das heißt doch etwas ganz anderes als jene landläufige Ubersetzung. ,,Erwerbt U9

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