Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Geist des Florens Christian Rang, schier Seite an Seite mit jenem Wort des Schlegler Einsiedlers von der Länge des Weges zur Kreatur und von der Richtung dieses Weges. Ich erinnerte mich an das Wort Rangs: „Was der Himmel befiehlt, hat auf Erden zu geschehen —in diesen kategorischen Imperativ mündet die praktische Vernunft in ihrer ersten Periode", und es w ar mir, als habe Rang auch gesagt, daß die Anfänge der Erdbeschreibung von der Astronomie her genommen worden seien; dem Bilde des Firmaments müsse das Bild der Erde entsprechen; wenn man den Himmel kenne, kenne man auch die Erde; wir kämen also von oben her nach und nach zur Erkenntnis der irdischen Kreatur. Ich suchte und fand jenes Wort bald wieder im 3. Heft des 2. Jahrgangs unserer Zeitschrift und merkte, daß die übrigen Erinnerungen doch sehr ungenau waren: was Rang gesagt, hatte in mir eine Verwandlung durchgemacht. Dafür aber schlug mich ganz überraschend eine kurze Bemerkung, mit der Martin Buber den Abdruck des Stücks (Historische Psychologie des Karnevals) begleitet: das Stück bedeute Weg. Buber sagt, daß es auch Hindernis und großen Kampf bedeute. Aber daß es Weg bedeutet, gab für mich den Ausschlag. Ich studierte das Stück noch einmal und fand, daß die Verwandlung meiner Erinnerungen doch nicht eine Verkehrung war. In der Zeit, in der die Berechnung der Sternbahnen, das Gesetz der Astronomen, vom Himmel gebrochen wird, in der Zeit des Herrschaftswechsels in der Sternenwrelt, zerbricht auch der irdische Kalender und der Kodex der irdischen Verhältnisse. Chaos und Narrheit brechen durch, es wird Karneval, und Karneval erhebt die Gesetzlosigkeit zum Gesetz — wras der Himmel befiehlt, hat auf Erden zu geschehen! „Durch das Kalenderloch der Unordnung brach der Triumphzug des Dramas der Außerordentlichkeit/4 Bis daß die Gewissensfreiheit der Menschen gesetzlich garantiert wurde, bis dahin verfolgt Rang den Weg vom götterbelebten Sternhimmel bis zu der uns nächsten Kreatur, bis zu unserer außerordentlichen Freiheit vom Gesetz. Erst kennt der Mensch die Götter und ihren Durchbruch durch die errechnete Gesetzmäßigkeit; nach langen Wegen erkennt er sich selbst, von den Göttern her, vom Himmel her. In der Geschichtswissenschaft tauchte einmal die tolle Hypothese auf, daß ein großer Teil der ältesten Geschichten nicht geschrieben sei nach dem wirklichen Verlauf der Dinge, sondern nach der astrologischen Berechnung, wie der Verlauf der Dinge nach ihren Konstellationen hätte 144