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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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zwischen Mensch und Tier, oder war es vielmehr die Freude an einer neuen Aufgabe, die dem Manne wird? Damals kam mir wie eine Aufgabe die Überschrift dieses Aufsatzes ein. Sie stieg nicht sinngemäß aus den hübschen Tiergeschichten auf, außer daß ich mir etwa gedacht hätte, es lohne sich schon, solche Beobachtungen an der Natur zu sammeln, da sie doch die Ferne zwischen den .Menschen und der übrigen Kreatur zu überbrücken imstande wären. So kann ja auch irgendeine Kunde aus einem fremden Lande der Anlaß werden, die Wege nach diesem Lande zu suchen oder gar zu beschreiten. Jene Geschichten werden vielmehr gewöhnlich so erzählt, als sei die uns fremd gewordene Kreatur auf dem Wege zu uns oder als sei sie auf dein \\ ege, unsere Gewohnheiten anzunehmen. Und ich muß sagen, sie gibt sich manchmal Mühe; es ist manchmal wie ein Aufleuchten von drüben. Martin Buber erzählt in seinem Buche „Ich und du": „Ich sehe zuweilen in die Augen einer Hauskatze. Das domestizierte Tier hat nicht etwa von uns, wie wir uns zuweilen einbilden, die Gabe des wahrhaft sprechenden4 Blicks empfangen, sondern nur - um den Preis der elementaren Unbefangenheit — die Befähigung, ihn uns Untieren zuzuwenden. Wobei nun aber in ihn, in seine Morgendämmerung und noch in seinen Aufgang, ein Etwas aus Staunen und Frage gekommen ist, das dein ursprünglichen, in all seiner Bangigkeit, doch wohl gänzlich fehlt. Diese Katze begann ihren Blick unbestreitbar damit, mich mit dem unter dem Anhauch meines Blicks aufglimmenden zu fragen: ,Kann das sein, daß du mich meinst? Willst du wirklich nicht bloß, daß ich dir Späße vormache? Gehe ich dich an? Bin ich dir da? Bin ich da? Wa* ist das da von dir her? Was ist das da um mich her? Was ist das an mir? Was ist das?!4, (Jch/ ist hier eine Umschreibung für ein Wort der ichlosen Selbstbezeichnung, das wir nicht haben; unter ,das* stelle man sich den strömenden Menschenblick in der ganzen Realität seiner Beziehungskraft vor.) Da war der Blick des Tieres, die Sprache der Bangigkeit, groß aufgegangen — und da ging er schon unter. Mein Blick war freilich ausdauernder; aber er war der strömende Menschenblick nicht mehr. Der Weltachsendrehung, die den Beziehungsvorgang einleitet, war fast unmittelbar die andere gefolgt, die ihn endet. Eben noch hatte die Eswelt das Tier und mich umgeben, ausgestrahlt war einen Blick lang Duwelt aus dem Grunde, nun war sie schon in jene zurückgeloschen/" 139

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