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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Wie einen Hinausgerissenen blickt das Tier den Menschen an. Buber sagt, der Blick sei Bangigkeit, und Bangigkeit sei eine Sprache, „Bangigkeit, die Regung der Kreatur zwischen den Reichen der pflanzenhaften Sicherung und des geistigen Wagnisses — diese Sprache ist das Stammeln der Natur unter dem ersten Griff des Geistes, ehe sie sich ihm zu seinem kosmischen W agnis, das Mir Mensch nennen, ergibt. Aber kein Reden wird je wiederholen, was das Stammeln mitzuteilen weiß." Von dieser Bangigkeit weiß ein jeder Tierfreund. Sie ist vielleicht nur bei ganz jungen Tieren nicht zu beobachten. Sie verschwindet auch, wenn das Tier nicht mehr den Menschen anblickt, sondern ein anderes Tier. Es scheint nicht Bangigkeit um seines Tierseins, sondern um des Menschen Menschseins willen oder um solchen Menschseins willen, wie es jetzt in uns dem Tiere begegnet. Wir beten zu unserem Vater im Himmel: „Dein Reich komme zu uns!" Und wir blicken dabei hoch über alle Kreatur hinaus, sogar über die Wolken, sogar über das Himmelsblau, sogar über die Sterne. Der Prophet aber, der das Reich sah, sah es mitten in der Kreatur: „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Pardel bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen auf der Weide gehen; ihre Jungen werden beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Ochsen. Und ein Säugling wird seine Lust haben am Schlupfloch der Otter, und ein Abwöhnling wird sein Händlein stecken in die Höhle des Basilisken. Ein jeglicher wird unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum sitzen ohne Scheu, denn der Mund des Herrn Zebaoth hat es geredet. Man wird nirgend letzen noch verderben auf meinem heiligen Berge, denn das Land ist voll Erkenntnis des Herrn, wie mit Wasser des Meeres bedeckt.46 Daß wir uns nicht etwa verlaufen, indem wir von der Kreatur weglaufen auf transzendente Spiegelungen der Kreatur hinzu! Gott hat die Welt hier unten, die sichtbare wie die unsichtbare, geschaffen als unseren Weg zu ihm und als seine Wohnung bei uns! Immer wieder möchte ich das Wort eines Grafschafter Einsiedlers herausholen aus seiner unaussprechlichen Wahrheit: „Wir bilden uns ein, der Natur ganz nahe zu sein, Gott aber suchen zu müssen in weiter Ferne, als kämen wir von der Natur und müßten einen weiten Weg zu Gott 140

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