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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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Menschen, aber nicht die richtige. Aus der eigentlichen Krankengeschichte wird jetzt eine nur schicksalhafte, sei sie nun eine rationalisierte und methodische oder eine irrationale, sprunghafte, formlose. Nicht als ob der Einsatz der Methode und der Wissenschaft, und ein andermal de?* Sprunges aus ihnen heraus in ein glückhaftes, unw issenschaftliches, genial oder paradox pfuschermäßiges oder intuitives Handeln eine Abirrung von der eigentlichen Krankengeschichte wäre, - die methodische sowohl wie die irreguläre Therapie gehört notwendig auch zur eigentlichen Krankengeschichte. Aber dies Verschwinden der eigentlichen und wesentlichen Entscheidungssituationen aus der Krankengeschichte bedeutet in jedem Fall gesteigerte Gefahr, Unsicherheit, Mahnung zur Vorsicht und Rücksicht, Mahnung zur Rückkehr in das eigentliche Moment. Völlige Gewöhnung an Methode, völliges Sicher- und Festwerden in Handlungs¬ und Behandlungstypen ist für Arzt wie Kranken entscheidende Gefahr der gänzlichen Versickerung der wirklichen Erfolgsmöglichkeit. - Wie also können sie beide sich zur Innehaltung der eigentlichen Krankengeschichte erziehen, wie ihr immer nahe bleiben, wie nach der Abirrung zu ihr zurückkehren? Die Abirrung von der eigentlichen Krankengeschichte kann gleichermaßen aus Befolgung wie aus Verletzung der ärztlichen Pflichten, aus Ermüdung wie aus Kräfte Uberschuß im Tun entspringen. Weder ein ethisches noch ein energetisches Postulat ist Wegweiser zu ihr. Ein Wirkliches ist darzustellen und sichtbar zu machen, nicht ein Verbotenes, dies ist die erste der zu lösenden Aufgaben. Freilich : zuletzt erweist sich gerade das „Wirkliche44 als ein Gebotenes. Dies Wirkliche entsteht und entschleiert sich, wie schon gesagt wurde, am leichtesten und deutlichsten in einer Genossenschaft von Kranken und Arzt. Es entsteht aber nicht in den Gesetzen von Zeit und Raum, Ursache und Wirkung, Motiv und Entschluß, sondern hinter ihnen allen. Aber nicht so hinter ihnen, wie in einer Truppe ein Mensch hinter dem anderen steht; dieser könnte ebensogut vor ihm stehen. Auch nicht so wie jemand unsichtbar hinter einer Mauer steht, die unübersteigbar wäre; die Annahme, daß hinter allem erfaßbaren pathologischen Geschehen und hinter allem ärztlichen Handeln noch unbekannte Lebenskräfte walten, mag richtig sein, aber das meinen wir nicht. Wenn man etwa sagt, der Arzt könne nur der Natur helfen, heilen müsse diese sich selbst, oder wenn man meint, daß auch im Arzt außer dem Gewußten, Gelernten und Er- 467

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