Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
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nähert richtiger, wie die medizinische Darstellung nur angenähert richtig ist. Die Ursprungssituation wird dadurch aber interessant, weil man beim ersten Hinsehen sie als geheimnisvollen Ubergang aus moralischer Sphäre in natürliche oder medizinische Sphäre fassen kann. Offenbar kündet sich hier ein großes Thema an, das doch zunächst schattenhaft und rätselhaft bleibt. Die Psychologie, so scheint es, darf ja erst anfangen, wenn die Moral aufgehört hat, und umgekehrt. Hier aber haben wir es mit einem wichtigen Übergang oder Zusammenhang zu tun, der, wie man bei tiefem Graben in einer Krankengeschichte bemerkt, zu jeder Krankengeschichte gehört. Um ihn überall zu finden ist nötig, daß man das Schicksal eines Menschen in allen seinen Beziehungen zur Umwelt und allen seinen Verkettungen in der Geschichte betrachtet. Man muß der Fülle des Wirklichen offen stehen, dann eröffnet sich dem Blick auch die sachliche und allgemeingültige Erkenntnis, daß jener Sonderfall des Bauern ein Beispiel eines Lebensgesetzes ist. Natürlich stand hier bei unserem Bauern eine spezifisch neurotische Reaktion im Beginn der Darstellung und das ist ein zufälliger Umstand, der hier willkürlich gewählt wurde, weil sich die Dinge szenisch übersichtlich abspielten. Jedenfalls aber hätte nun beim zweiten Arzte eine viel gewaltigere Kraft des Bauern dazu gehört, den ursprünglichen WissenszvtQifel aufrecht zu halten, gegen den Versuch einer Behandlung durch Mittel, die nicht ein Wissen bringen. Aber auch der zweite Arzt war bereits in schwierigerer Lage als der erste und hatte eine größere Kraft der Therapie, einen komplizierteren Schatz an Worten und Erkenntnissen nötig, als der erste, um die Umkehr zu bewirken. Und dies alles gilt in noch verstärktem Grade beim dritten und vierten Arzt. Beim fünften kommt es zur lebensgefährlichen Katastrophe und die Schicksalslinie mündet in einer Szene, die, für sich und abgelöst von der Vorgeschichte, moralisch indifferent, gleichsam endgültig naturalisiert ist. Der Historiker hat ein scheinbar gutes Recht, diese Schlußszene als eine erste zu nehmen. Dann begänne die Weltgeschichte gleichsam statt mit dem Sündenfall mit der Krankheit. Wir können aber einmal die mythologische Ordnung auf sich beruhen lassen und nur unseren Patienten gelten lassen. Deutung Es ist gewiß ein einleuchtendes Axiom der Physik, daß da, wo ein Körper ist, nicht zugleich auch ein anderer sein kann. Auch da, wo ein 459